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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bezau - Béziers

die strengen Grundsätze Calvins, in dessen Geiste er der Genfer Kirche kräftig vorstand, hatte B. sich zum Haupte seiner Partei emporgeschwungen und 40 Jahre das Ansehen eines Patriarchen genossen, ohne dessen Zustimmung kein wichtiger Schritt geschah. Um Einheit, Dauer und Festigkeit in seiner Kirche zu erhalten, opferte er seine eigenen Meinungen den einmal angenommenen Calvins auf und verteidigte ihre Lehren bestimmt, gewandt und begeistert, oft auch mit eindringender Schärfe und Derbheit. Von seinen Schriften schätzt man noch die exegetischen; die "Geschichte der Reformierten in Frankreich von 1521-63" (neue Ausg. von Baum und Cunitz, Par. 1883 fg.) ist von ihm mit redigiert. Sein Briefwechsel mit Calvin befindet sich in der Bibliothek zu Gotha. - Vgl. Schlosser, Leben des Theod. de B. (Heidelb. 1809); Baum, Theod. B. (2 Bde., Lpz. 1843-51); Heppe, Theod. B. Leben und ausgewählte Schriften (Elberf. 1801).

Bezau, Dorf in der österr. Bezirkshauptmannschaft Bregenz in Vorarlberg und Hauptort des Bregenzer Waldes, in 637 m Höhe, an der Bregenzer Ache, hat (1890) 923 E., Bezirksgericht (22 Gemeinden, 30 Ortschaften, 14 743 E.), Post, Telegraph, Pfarrkirche, Kapuzinerkirche und 133 nur im Sommer bewohnte Alpenhütten. Der langgestreckte Ort liegt in einer hübschen grünen Thalweite am Fuße der Bezegg (850 m), wo bis 1807 das auf 8 Säulen ruhende hölzerne Rathaus des innern Bregenzer Waldes stand, in dem sich der freigewählte Landammann und die Geschworenen durch Jahrhunderte hindurch jährlich versammelten; ihre Beschlüsse hatten Gesetzeskraft. Jetzt steht ein einfaches Denkmal an dessen Stelle.

Bezdan (spr. bésdahn), Groß-Gemeinde im Komitat Bács-Bodrog in Ungarn, links von der Donau, bei der Einmündung des Franzenskanals, der, 108 km lang, 20 m breit, 2 m tief, die Donau mit der Theiß verbindet, hat (1890) 8366 meist magyar. (1705 Deutsche) E., Post, 2 Ölmühlen, bedeutenden Raps-, Hanf- und Kartoffelbau sowie Getreidehandel. B. liegt 8 km vom Landungsplatz für die Donaudampfschiffe.

Beze (spr. bähs'), de, s. Beza, Theodor.

Bezemschoon, s. Besemschon.

Bezettelung, im deutschen Zollwesen die Beigabe von amtlichen Ausweisen bei Warentransporten, welche im Interesse der Zollsicherheit einer Kontrolle unterliegen, wie z. B. von Begleitscheinen (s. d.), Legitimationsscheinen (s. d.) u. s. w. Früher wurden dafür besondere Gebühren erhoben, die man Bezettelungsgelder nannte.

Bezetten, Bezetta, Tournesolläppchen, mit Farbstoffen verschiedener Art imprägnierte Leinwandläppchen, die vorzugsweise zum Schminken benutzt werden. Besonders geschätzt sind die blauen B., die in Gallargues bei Nimes hergestellt werden, indem man Leinwandläppchen im Safte von Crozophora tinctoria L. tränkt und diese dann so lange dem Dampfe von faulendem Pferdemist aussetzt, bis sich die richtige Farbe entwickelt hat; zur Verschönung der Farbe werden sie dann nochmals in mit Urin verdünntem Saft der Pflanze getränkt und endlich getrocknet. Die roten B. (auch Rosentuch oder Schminkläppchen genannt) waren ursprünglich die feinen Creponläppchen, auf denen bei der Bereitung des Karmins dieser getrocknet worden war. Jetzt werden dieselben meist eigens aus Crepon oder feiner holländ. Leinwand dargestellt und mit Cochenille gefärbt. Sie dienen zum Schminken, zur Färbung von Liqueuren, Konfitüren u. s. w.

Beziehung (in der Logik), s. Relation.

Beziehungsgesetz (nach Wundt), engl. law of relativity (nach Bain), in der Psychologie die allgemeine Thatsache, daß die subjektive Beurteilung unserer innern Vorgänge in allen Fällen abhängig ist von der Beziehung derselben zu irgend welchen andern gleichzeitig gegebenen oder reproduzierbaren Zuständen. Während Bain dieser Thatsache nur eine qualitative Bedeutung beilegt, wird sie von Wundt vornehmlich für die Größenschätzung geltend gemacht. In diesem Sinne wird z. B. das Webersche Gesetz in der Psychophysik (s. d.) als ein Specialfall des allgemeinen B. aufgefaßt, d. h. die Thatsache, daß gleichen absoluten Empfindungsunterschieden gleiche relative Reizunterschiede entsprechen, darauf zurückgeführt, daß wir kein absolutes, sondern lediglich ein relatives Maß für die Intensität der Empfindungen haben. Ebenso kann man die Relativität in der Beurteilung der räumlichen und zeitlichen Größen und der Bewegungen dem B. unterordnen.

Beziers (spr. besieh). 1) Arrondissement im franz. Depart. Hérault, hat 1744,67 qkm, (1891) 174 027 E., 99 Gemeinden und zerfällt in die 12 Kantone Agde (162,80 qkm, 17 148 E.), Bédarieux (152,63 qkm, 13 939 E.), B. (345,45 qkm; Kanton I 29 467, Kanton II 36 175 E.), Capestang (173,12 qkm, 14 870 E.), Florensac (78,23 qkm, 7022 E.), Montagnac (150,69 qkm, 9482 E.), Murviel (180,59 qkm, 9645 E.), Pézenas (93,21 qkm, 12 440 E.), Roujan (125,65 qkm, 7331 E.), St. Gervais (187,42 qkm, 7703 E.), Servian (94,88 qkm, 8805 E.). - 2) Hauptstadt des Arrondissements B. im franz. Depart. Hérault, früher Bischofssitz, in Languedoc, 74 km von Montpellier, unweit des Mittelländischen Meers und an den Linien Bordeaux-Cette, B.-Bédarieux-St. Sévérac-Rodez (193 km) und B.-Lodève der Franz. Südbahn und der Zweiglinie Montbazin-B.-Cessenon-St. Chinian der Franz. Mittelmeerbahn, liegt in schöner, zugleich fruchtbarer, trefflich angebauter und gesunder Gegend am Küstenfluß Orb, unfern von seiner Vereinigung mit dem Canal du Midi und ist mit den Seebädern von Sérignan durch eine Dampfstraßenbahn verbunden. Die Stadt hat ein Tribunal erster Instanz, Handelsgericht, Kommunalcollége, eine Ökonomische und eine Archäologische Gesellschaft, früher eine 1723 gestiftete Akademie der Wissenschaften und Künste, eine öffentliche Bibliothek, Museum, ein Theater, 2 Zeitungen und eine alte schon 353 erwähnte Kirche. Die Einwohnerzahl hat sich seit 20 Jahren, besonders durch Einwanderung, verdoppelt und beträgt (1891) 39 655, als Gemeinde 45 475 E. Die Garnison bildet das 17. Infanterie- und das 13. Chasseurregiment. B. hat Wollspinnereien, Seiden- und Wollmanufakturen, Branntwein- und Spritbrennereien, außerdem zahlreiche andere chem. Fabriken; Handel mit Getreide, Seide, Öl und Liqueuren und vorzüglichen Weinbau.

B., das Beterrae der gall. Tectosagen, wird als röm. Kolonie und Station der siebenten Legion Beterrae Septimanorum genannt und weist noch Altertümer (röm. Amphitheater) auf. Es blühte besonders im 4. Jahrh., wurde von den Westgoten erobert und zweimal fast ganz zerstört. Die fränk. Grafen von Septimanien, welche in B. residierten, machten sich im 10. Jahrh. unabhängig und stellten