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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bhaur - Bhojpatr

lehrten war. Das Bhaṭṭikāvyam in 22 Gesängen (sarga) gehört zu den Kunstepen und behandelt die Geschichte des Rāma (s. d.). Die einzelnen Gesänge sind aber nebenbei zu bestimmten grammatischen und rhetorischen Zwecken geschrieben, worunter das poet. Element sehr leidet. Bhaṭṭikāvyam wurde zuerst herausgegeben Kalkutta 1828, seitdem in Indien sehr oft. Die beste Ausgabe ist die von Bāpata mit dem Kommentare des Dschajamangala (Bombay 1887).

Bhaur, s. Bahar.

Bhavabhuti, nächst Kālidāsa der berühmteste ind. Dramatiker, stammte aus Padmanagara im Lande der Vidarbha im Dekan aus einer angesehenen Brahmanenfamilie und lebte am Anfange des 8. Jahrh. n. Chr. Von ihm sind drei Dramen erhalten, das "Mahāvīracaritam", das "Uttararāmacaritam" und das "Mālatīmadhavam". Die beiden ersten Stücke behandeln die Geschichte des Rāma (s. d.), und zwar das Mahāvīracaritam, in 7 Akten von dem ersten Zusammentreffen des Rāma mit Sītā an bis zu Rāma Rückkehr nach Ajodhjā, also den Stoff der 6 ersten Bücher des Rāmāyana (s. d.), das Uttararāmacaritam die weitere Geschichte des Rāma und der Sītā nach der Rückkehr, also den Stoff des Uttarakānda, des 7. Buches, des Rāmāyana. Das Mahāvīracaritam ist als Drama eine schwache Leistung. B. war durch seinen Stoff gezwungen, eine Masse einzelner Scenen lose aneinander zu reihen, wodurch alle dramat. Spannung verloren geht. Außerdem ist der Stoff ganz ungleichmäßig verarbeitet. Geschickter und selbständiger gearbeitet ist das Uttararāmacaritam in 7 Akten, obwohl auch hier der Verlauf mancher Akte sehr schleppend und ermüdend ist. B.s Hauptstärke sind Naturschilderungen, und er liebt Rührscenen. Seine Sprache ist oft dunkel und schwerfällig und sein Mangel an Witz tritt in seinem dritten Werke, dem Mālatīmādhava, sehr klar zu Tage. Dies Drama in 10 Akten ist ein bürgerliches Schauspiel und behandelt die Liebe des Mādhava und der Mālatī. In allen drei Stücken finden sich Nachahmungen des Kālidāsa. Sie sind sehr oft in Indien herausgegeben worden, das letzte auch in Europa von Trithen (Lond. 1848). Die beste Ausgabe des Mālatīmādhava ist die von Bhāndarkar (Bombay 1875). Übersetzt ist das Mahāvīracaritam in das Englische von Pickford (Lond. 1871); das Uttararāmacaritam von Wilson, "Select Specimens of the Theatre of the Hindus", I (ebd. 1827; 3. Aufl., ebd. 1871), dann von Tawney (Kalkutta 1871) und in das Französische von Nève (Brüssel 1880), mit einer Einleitung über Leben und Werke des B.; das "Mālatīmādhava" von Wilson, "Select Specimens", II, und in das Deutsche von Fritze (Lpz. 1883). - Vgl. Anundoram Borooah, B. and his place in Sanskrit Literature (Kalkutta 1878), und Nève im "Muséon", I,523 fg.

Bhawalpur, Vasallenstaat und Stadt in Britisch-Indien, s. Bahawalpur.

Bheel, engl. Schreibung für Bhil (s. d.).

Bheriah, ind. Wolf, s. Hunde.

Bhikschu (im Sanskrit bhikshu, "Bettler"), s. Brahmanen. Das Wort wird auch auf buddhistische Bettelpriester angewendet.

Bhil (im Sanskrit Bhilla; hindustan. Bhil, Fem. Bhilŗi), ein Volksstamm in Indien, welcher einen Teil der ältern Bevölkerung (vor der arischen Einwanderung) darstellt. Hauptsitze des Stammes sind der wildeste Teil des Windhjagebirges über den Flüssen Tapti, Narbada, Mahi und der nördl. Teil des Westghat an seinen beiden Abhängen; doch kommen sie auch in der Präsidentschaft Bombay und im Kollektorat Khandesch vor. Die B. haben mancherlei von den Sitten und der Religion der Hindu angenommen; ihre Sprache ist heute ein roher Hindidialekt. Die Mehrzahl verehrt Mahadeva, außerdem eine große Menge von Berggöttern und die niedern Hindugottheiten. Die B. essen Rind- und Schweinefleisch und trinken Arak und Palmwein. Den Brahmanen bezeigen sie keine Ehrfurcht, ihre Witwen dürfen sich wieder verheiraten. Sie begraben ihre Toten. Bei dem Tode eines Häuptlings machen die B. aus Erz das Bild eines Stiers oder Pferdes, mit dem die Râvel genannten Priester jährlich eine Rundreise machen und sie unter gewissen Ceremonien in den verschiedenen Dörfern zeigen. Außerdem haben sie Wahrsager, Barwâ, die zugleich Ärzte sind. Statt der Tempel haben sie Bäume mit einer Reihe großer Steine auf einer Erdterrasse davor. Die B. werden als klein, schwarz, schlank und mager, aber rüstig und mehr behende und thätig als stark, zugleich als diebisch, falsch, verräterisch, aber nicht als blutgierig beschrieben. In neuerer Zeit sucht die engl. Regierung sie zu kultivieren. Eins der hierfür angewandten Mittel war die Bildung eigener Korps von aus B. rekrutierten Polizeimannschaften. - Vgl. F. Sinclair im "Indian Antiquary" (1875 fg.): Bickerstaff Rowney, The wild tribes of India (Lond. 1882).

Bhilsa, Ort in der polit. Assistent-Agentschaft Bhopal des Oberkommissariats Centralindien (Central India Agency) in Britisch-Ostindien, liegt unter 23° 32' nördl. Br. und 77° 51' östl. L., in 471 m Höhe rechts vom Flusse Betowa auf einem Trappfelsen, bildet mit dem umliegenden Distrikt B. einen Teil der Besitzung des Maharadscha Sindhia von Gwaliar, eines mahrattischen Vasallenfürsten der Engländer, und hat (1881) 7070 E., darunter 5981 Hindu und 1077 Mohammedaner sowie ein Fort. In der Vorstadt befindet sich eine 5,94 m lange, 25,4 cm weit gebohrte, reich verzierte, der Sage nach auf Befehl des Großmoguls Dschahan-Gir aus Erz gegossene Kanone. Etwa 6 km südwestlich von B., anf dem linken Ufer des Betowa, bei den Orten Santschi und Kanakhera großartige buddhistische Tempelruinen. Der in der Umgegend angepflanzte Tabak gilt für den besten in Indien.

Bhima, der bedeutendste linke Nebenfluß des Kistna (s. d.) im mittlern Vorderindien, entspringt auf dem Ostabhange der West-Ghat und mündet nach einem Lauf von 600 km nördlich vom Raitschur.

Bhima-Ghora, s. Bhīm-Ghōrā.

Bhim-Ghora (auch Bhima-Ghōrā), Wallfahrtsort der Hindu im Distrikt Saharanpur der zu der Lieutenant-Gouverneurschaft der Nordwestprovinzen gehörenden Division Mirat in Ostindien, liegt unter 29° 58' nördl. Br. und 78" 14' östl. L. ungefähr 1½ km nordwestlich von Hardwar. Daselbst befindet sich, in 350 m Höhe, eine enge Bergspalte mit einem Kund oder Teiche, der sein Wasser aus einem schmalen Arme des Ganges empfängt. Waschungen mit demselben sollen rein von allen Sünden machen.

Bhiwani (Bhewanni oder Biwani), Stadt in Britisch-Indien, 100 km westlich von Dehli, gehört zur Provinz Pandschab.

Bhojpatr (spr. bohdsch-), s. Bhurdscha und Bhurdschapatra.