Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

953

Bianchi-Giovini – Biasca

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bianchi'

auf Befehl der provisorischen Regierung nach Treviso gebracht, wo er erst zwei Monate später durch den Angriff der Österreicher die Freiheit wieder erhielt. Er starb 21. Aug. 1855 zu Sauerbrunn bei Rohitsch. – Sein Sohn, Friedrich B., geb. 24. Nov. 1812 zu Preßburg, trat im Alter von 17 J. als Unterlieutenant in die österr. Armee und befand sich bei dem Ausbruch der Revolution von 1848 in Venedig als Oberst in Garnison. Er kämpfte bei Somma, Custozza und Volta. Im ital. Feldzuge von 1849 zeichnete er sich bei Novara aus. Später befehligte er als Generalmajor in den Schlachten bei Naab, Acs und Komorn eine Brigade, nahm jedoch 1854 als Feldmarschalllieutenant seinen Abschied und starb 28. Sept. 1865 zu Ems.

Bianchi-Giovini (spr. -ki dschowihni), Angiolo, gewöhnlich Aurelio genannt, ital. Publizist, geb. 25. Nov. 1799 in Como, war zuerst Journalist im schweiz. Kanton Tessin, 1841–47 Schriftsteller in Mailand, ging dann nach Turin, wo er 1849 ins Parlament gewählt wurde und bis 1852 die «Opinione» redigierte, in der er für die Einheit Italiens eintrat. Er gründete hierauf die Zeitung «Unione», siedelte mit ihr 1860 nach Mailand und 1862 nach Neapel über, wo er 16. Mai desselben Jahres starb. Seine Hauptwerke sind: «Biografia di Fra Paolo Sarpi» (3 Bde., Zür. 1836) und die unvollendete «Storia die Papi» (Bd. 1–10, Tur. 1852 fg.).

Bianco (ital.), weiß; s. auch Blankett.

Bianco, Baccio di Bartolommeo, ital. Baumeister des Barockstils, geb. 4. Okt. 1604 zu Florenz, schmückte Wallensteins Palast in Prag mit Malereien, ging dann nach Florenz, hierauf nach Genua, starb 1656 zu Mailand. Seine Hauptbauten sind der Palast Balbi-Senarega und das Universitätsgebäude (früher Jesuitenkollegium) zu Genua.

Biandrata, Giorgio, s. Blandrata.

Biandrie (lat.-grch.), Zweimännerei, das Verheiratetsein einer Frau mit zwei Männern zugleich.

Biarchie (lat.-grch.), Doppelherrschaft, gleichzeitiges Regieren zweier Herrscher in einem Lande.

Biard (spr. bĭahr), Francois, franz. Maler, geb. 27. Juni 1801 zu Lyon, besuchte die Kunstschule daselbst, war Schüler von Revoil und bereiste darauf den Orient, wo er Skizzen zu Gemälden sammelte, die er nach seiner Rückkehr ausführte. Er wurde dadurch Begründer des ethnogr. Genres (Araber in der Wüste vom Samum überrascht, 1833). 1835 ließ er sich in Paris nieder und gründete hier in kurzer Zeit seinen Ruf: 1839 unternahm er eine Reise nach Grönland und Spitzbergen, 1858 nach Brasilien. Über letztere Reise berichtet er in «Deux années aux Brésil» (Par. 1862). Seine Reisebilder zogen durch die Neuheit und Fremdartigkeit der behandelten Gegenstände an, wenngleich ihnen die kalte und trockne Manier der Lyoner Schule nicht zum Vorteil gereichte. Noch mehr Anklang fanden seine aus dem alltäglichen Leben gegriffenen komischen Genrestücke. Zu seinen bekannten Werken gehören: Folgen eines Maskenballs, Familienkonzert, Sklavenmarkt an der Goldküste Afrikas, Beduinenlager in der Wüste, Kampf mit Eisbären (letztere beiden im Museum in Leipzig), Reisende Komödianten auf der See. Als Historienmaler wählte er schauerliche Momente aus der Weltgeschichte: Jane Shore, die Geliebte Eduards IV., stirbt in den Straßen Londons den Hungertod; Der wahnsinnige Karl VI. dem Exorcismus unterworfen (Museum in Leipzig). B. starb im Juni 1882 in Les Plàtreries bei Fontainebleau. ↔ – Seine seit 1845 von ihm geschiedene Gattin (gest. 21. März 1879 in Paris) veröffentlichte unter ihrem Familiennamen Léonie d'Aunet die Romane «Un mariage en province» (3. Aufl. 1859), «Une vengeance» (3. Ausg. 1860), das Drama «Jane Osborn» (1855) und «Voyage d’une femme au Spitzberg» (7. Aufl. 1881).

Biarmia, in den skandinav. Sagas das Land der Permier im Flußgebiet der Kama, d. i. das heutige russ. Gouvernement Perm.

Biarritz (baskisch Miarritze), Fischerhafen und einer der berühmtesten und feinsten franz. Badeorte im Kanton und Arrondissement Bayonne des franz. Depart. Basses-Pyrénées, am Golf von Biscaya, an der Linie Bordeaux-Bayonne-Irun und der Zweiglinie Bayonne-B. (8 km) der Franz. Südbahn, zählt (1891) 7159, als Gemeinde 9177 E. Der Flecken, mit ganz versandetem Hafen, besteht aus zerstreut und malerisch auf Hügeln und Felsbänken am Meere gelegenen Häusern, Villen, Kaffeehäusern und vielen Hotels, hat einen 44 m hohen Leuchtturm (74 m ü. d. M.) mit herrlicher Aussicht; 1 km davon entfernt findet sich die berühmte Grotte Chambre d’amour. Das Klima von B. ist sehr gleichmäßig und günstig und macht den Ort besonders auch zum Winteraufenthalt geeignet. Die Temperatur der Monate Januar, Februar und März betrug in manchem Jahre durchschnittlich früh um 9 Uhr + 4,59, 4,95 und 7° und das Meerwasser hat im Mai und Oktober eine solche von 16°, steigt aber im Juni und Juli auf 20 und 21°. Man badet am Strande an verschiedenen Stellen, vorzugsweise aber in dem ehemaligen Hafen Portvieux, mit geringem Wellenschlage, ferner an der mehrere Kilometer langen Côte des Basques mit sehr starker, und an der Grande Plage mit mäßiger Brandung. Letztgenannter Ort ist der besuchteste und hat das wichtigste Badeetablissement mit einer 600 Fuß langen Terrasse. Die Seebäder waren lange nur von den Bewohnern der Umgebung benutzt, bis sie infolge der regelmäßigen Besuche Napoleons III. und seiner Familie europ. Ruf erhielten und B. bald der Vereinigungsort der Aristokratie Südfrankreichs und Spaniens wurde. Die 1855 auf Befehl des Kaisers erbaute Villa Eugenie (jetzt Casino, genannt Palais Biarritz) war oft Schauplatz wichtiger Verhandlungen. Im 12. Jahrh. trieben die Bewohner von B. im Golf von Biscaya sehr ergiebigen Walfischfang. – Vgl. Germond de Lavigne, B. et autour de B. (4 Bde., Par. 1888).

Biart (spr. bĭahr), Lucien, franz. Roman- und Reiseschriftsteller, geb. 21. Juni 1829 zu Versailles, kam früh nach Amerika, wurde Doktor der Medizin an der Akademie zu Puebla und veröffentlichte nach der Rückkehr vornehmlich in der «Revue de Deux Mondes» Reisebeschreibungen und Romane, die besonders Sittenschilderungen aus Mexiko und Südamerika enthalten. Er verfaßte auch Jugendschriften und leitete 1871–73 das dramat. Feuilleton der «France». Er schrieb: «La terre chaude» (1862; neue Ausg. 1879), «La terre tempérée» (1866), «Benito Vasquez» (1869), «Pile et Face» (1869), «Laborde et Cie» (1872), «Les clientes du docteur Bernagius» (1873), «L’eau dormante» (1875), «A travers l’Amérique» (1876; 2. Aufl. 1878), von der Akademie gekrönt; «Deux amis» (1877), «La Capitana» (1880), «Les voyages involontaires» (1893) u. a.

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 954.

Biasca, deutsch Ablentsch, Flecken und Hauptort des Bezirks Riviera im schweiz. Kanton Tessin,