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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bibelerklärung; Bibelgesellschaften

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Bibelerklärung - Bibelgesellschaften

hoslaw für die Böhmischen Brüder ins Czechische übersetzt (gedruckt 1579-93 in Kralitz; daher die Bezeichnung "Kralitzer B."). Für die poln. Protestanten erschienen mehrere Übersetzungen: das Neue Testament 1550 (von Seklucyan), 1563, 1570 und 1632. Die prot. Slowenen erhielten nach den Übersetzungen des Neuen Testaments und der Psalmen von Primus Truber (zwischen 1555 u. 1582) die erste vollständige B. durch Georg Dalmatin (Wittenb. 1584). Die erste oberwendische vollständige B. erschien in der Übersetzung Michael Frenzels u. a. 1728; in niederwend. Sprache das Neue Testament 1709, das Alte Testament 1797, die ganze B. erst 1824.

Angesichts dieser Bewegung waren auch von katholischer Seite Bibelverbote (s. d.) für die Laien thatsächlich nicht mehr durchzuführen. Schon der Übersetzung Luthers traten die kath. Gelehrten Emser (1527), Dietenberger (1534), Eck (1537) mit der Beschuldigung der Textfälschung und eigenen, aber in der Hauptsache auf Luther selbst und der Vulgata beruhenden Übersetzungen entgegen. Bald aber kamen auch in Italien, Spanien, Portugal, Polen, Ungarn, Böhmen neue Bibelübersetzungen auf. Besonders in Frankreich, wo im 16. Jahrh. unter den Katholiken die Löwener B. (1557, eine Revision der Übersetzung des Faber Stapulensis durch die Theologen von Löwen) beliebt gewesen war, erhoben sich während des 17. Jahrh. über die Bibelübersetzung der Jansenisten (s. d.), aber auch über die des freisinnigen Theologen Richard Simon, große Streitigkeiten. Erstere wurde vom Papste verdammt. Die neueste franz. Übersetzung aus dem Urtext ist die von Ledrain (seit 1886, bis jetzt 7 Bde.). In Deutschland tauchten im 17., 18., 19. Jahrh. immer neue kath. Bibelübersetzungen auf, die aber für die Kirche stets Privatunternehmungen blieben, obwohl sie sich auf die Vulgata als die authentische Kirchenbibel gründeten (von Ulenberg, Köln 1630; den Mainzer Jesuiten 1661; den Benediktinern von Ettenheim-Münster 1751; von Kistemaker 1825; Allioli [s. d.]; Reinhard 1878 u. a.).

Auch auf deutsch-protestantischer Seite hat es bis in die neueste Zeit an Übersetzungsunternehmungen nicht gefehlt, ohne daß das Ansehen der Lutherbibel je erschüttert worden wäre (vgl. Wilibald Grimm, Kurzgefaßte Geschichte der luth. Bibelübersetzung bis zur Gegenwart, Jena 1884); am wenigsten gelang dies einseitigen religiösen Richtungen, wie der pietistischen mit der Berleburger Bibel (s. d.), der Zinzendorfschen B. (Büdingen 1739), oder der aufklärerischen mit der Wertheimer (1734) und der Bahrdtschen (1773) Übersetzung. Unter den neuesten vom Standpunkte der fortgeschrittenen philol.-theol. Wissenschaft unternommenen Bibelübersetzungen ragen besonders hervor die von De Wette (Heidelb. 1832; 4. Aufl., Freib. i. Br. 1886), das Neue Testament von Weizsäcker (Tüb. 1875; 7. Aufl., Freib. i. Br. 1894), die in Verbindung mit mehrern Gelehrten von Kautzsch herausgegebene Übersetzung des Alten Testaments (Freib. i. Br. 1890-94) und das Alte Testament, übersetzt, eingeleitet und erläutert von Ed. Reuß, hg. von Erichson und Horst (7 Bde., Braunschw. 1892-94). Bunsens "Bibelwerk" (beendet von Holtzmann, 9 Bde., Lpz. 1858-70) legt gleichfalls den Urtext zu Grunde, doch mit vielfältiger Berücksichtigung des luth. Textes. Die "Deutsche Protestantenbibel" (Lpz. 1873; 3. Aufl. 1879) giebt das Neue Testament im Luthertexte mit erklärenden Anmerkungen, unter die auch die erwünschten Übersetzungsverbesserungen aufgenommen sind. Eine Revision der Lutherschen Übersetzung, früher öfter versucht (Cansteinsche B.; Rud. Stiers B., 4. Aufl., Bielef. 1878), ist seitens der Eisenacher Kirchenkonferenz (s. d.) veranlaßt und durch eine von ihr zu Halle niedergesetzte theol. Kommission ausgeführt worden. Die aus den Verhandlungen der letztern hervorgegangene sog. Probebibel erschien 1883, die revidierte B. ("im Auftrage der deutschen evang. Kirchenkonferenz durchgesehene Ausgabe") Halle 1892. In England und Amerika unterzog man die engl. Übersetzung einer noch durchgreifendern Revision, deren Abschluß 1881 erfolgte.
Die Übersetzung der B. in alle Sprachen der Welt ist systematisch seitens der Bibelgesellschaften, besonders der Londoner, in Angriff genommen worden: Gegenwärtig liegt die B. in mehr als 300 Sprachen gedruckt vor. (S. auch Bibelgesellschaften, Biblische Altertumskunde, Biblische Einleitung, Biblische Theologie, Bilderbibel.)


Bibelerklärung, s. Exegese.


Bibelgesellschaften, Vereine zur Beschaffung billiger Bibeln und zu deren Verbreitung. Von ältern Versuchen abgesehen, nimmt die Britische und Ausländische Bibelgesellschaft, begründet 1804, den ersten Platz ein, sowohl durch die Großartigkeit ihrer Erfolge als auch durch ihre Weitherzigkeit. Sie gewährte Dissidenten aller Art den Zutritt und nahm jeden als Mitglied auf, der ihren Zweck durch Jahresbeiträge oder sonstwie förderte. Sie wuchs rasch zu großer Bedeutung heran; zahlreiche Hilfsvereine und Zweiggesellschaften bildeten sich in England; auch Frauenvereine traten hinzu. So steigerten sich die Einnahmen von 15000 M. im ersten Jahre bis auf 5 Mill. M. 1890. Sie ließ auf ihre Kosten Übersetzungen in die verschiedensten Sprachen und Dialekte anfertigen und druckt gegenwärtig die Bibel in 300 Sprachen. Sie erstreckt ihren Wirkungskreis auf alle Länder der Erde, sendet Agenten und Kolporteure von Kalkutta aus nach Asien, von Malta aus nach Afrika und Spanien, und gründete Stationen in allen Städten Europas. Seit ihrem Bestehen bis 1892 hat sie über 131 Mill. Bibeln, Testamente und Teile verbreitet, 1892-93 4049756 Bände bei einer Ausgabe von 4419133,67 M. Auch hat sie die neu entstehenden B. anderer Länder mit Geld, Pressen, Lettern oder Lieferung billiger Bibelausgaben unterstützt.

Ähnliche Vereine traten in allen prot. Ländern hervor, in Württemberg 1813, in den Niederlanden, Schweden und Dänemark 1814, in Amerika 1816 u. s. w. Selbst in Rußland wurde 1812 eine Bibelgesellschaft begründet, welche in kurzer Zeit die Bibel in 17 Sprachen neu übersetzen und in 30 drucken ließ, aber 1826 verboten wurde; eine neue seit 1869 bestehende solche Gesellschaft veranstaltet selbst keine Bibelausgaben, sondern verbreitet nur die Ausgaben des Heiligen Synod durch Agenten und Kolporteure (bis 1889 1 1/4 Mill. Exemplare). Außerdem besteht eine Evangelische Bibelgesellschaft in Rußland (seit 1831) mit dem Sitz in Petersburg und zahlreichen Hilfsgesellschaften im Lande außer Finland, das eine besondere Bibelgesellschaft hat. Die zu Neuyork gestiftete Bibelgesellschaft sorgt auch für den Druck von Bibeln in den Indianersprachen und in den Sprachen aller Länder, in denen amerik. Missionare wirken, außerdem für Blinde. In Frankreich entstanden 1815 die Straßburger, 1818 die Pariser Bibelgesellschaft; in der Schweiz hatte Basel schon