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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Biene (Insekt)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Biene (Insekt)'

B. in ihrer Arbeit dadurch zu Hilfe, daß man künstlich aus Wachs gepreßte, mit Zellenanfängen versehene Mittelwände in die Rähmchen einklebt. Die künstlichen Mittelwände, auch Kunstwaben genannt (Fig. 14), von Otto Schulz und H. Gühler in Buckow (Regierungsbezirk Frankfurt a.O.) und von Gust. Ad. Friedrich in Greifswald besonders schön hergestellt, verhindern zugleich den Wirrbau, da durch dieselben den B. die Stellung der einzelnen Waben vorgezeichnet ist.

Die Bienenzucht, Zeidlerei oder Imkerei hat den Zweck, Honig und Wachs in möglichster Fülle zu liefern. Sie bildet in vielen Gegenden eine wesentliche Beigabe der Landwirtschaft und wird in mehrern Arten (Zuchtmethoden) betrieben. Die Zuchtmethode, welche Kasten mit beweglichen Waben (z. B. den Dzierzonstock, Fig. 12) als Wohnungen verwendet, wird Mobilzucht genannt, im Gegensatz zu der Korb- oder Stabilzucht (Fig. 1 u. 8). Die Mobilzucht, welche mehr Kunde, mehr Geschick und mehr Arbeit des Imkers erfordert, unter diesen Voraussetzungen aber auch höhere Erträge sichert, hat neuerdings mehr und mehr Eingang gefunden und einer rationellen Bienenwirtschaft wesentlichen Vorschub geleistet. Unter Umständen hat jedoch auch die Korbzucht noch ihre volle Berechtigung. Klima, Tracht- und andere Verhältnisse bedingen die Wahl der einen oder der andern Betriebsweise, und daß man auch die Stabilzucht rationell betreiben kann, zeigt die Lüneburger Bienenzucht. Die bewegliche Wabe gestattet ein ganz anderes Verfahren bei der Honiggewinnung als der feste Bau: die einzelnen ausgebauten und mit Honig besetzten Waben werden aus dem Bienenstock herausgenommen, mittels der Honigschleuder (einer Centrifuge) ausgeschleudert und dann wieder in den Stock hineingestellt. Die Vorteile dieses Verfahrens sind einleuchtend: der Honig läßt sich nach den verschiedenen Trachten (Raps, Linde, Klee, Buchweizen u.s.w.) sondern, ist vollkommen rein, und das in Form von leeren Waben den B. wiedergegebene Wachs beschränkt im Stock sehr wesentlich den Honigverbrauch.

Die B. tragen Honig, Blütenstaub (Pollen) und Klebwachs (Propolis) ein. Der Blumenstaub, welcher hauptsächlich zur Nahrung der Brut dient, wird, nachdem derselbe in Verbindung mit Honig im Bienenmagen teilweise verdaut worden ist, als milchartiger Saft den Larven zur Nahrung in die Zellen gegossen, oder im rohen Zustande mit Honig vermischt den ältern Larven als Nahrung gereicht. Was davon nicht sofort verbraucht wird, verpacken die B. in Zellen neben der Brut. Außerdem tragen die B. Wasser ein, teils zur Bereitung des Futters, teils zur Auflösung des im Frühjahr hart gewordenen Honigs.

Nachdem die junge B. ihre Zelle verlassen, ist sie zur Arbeit noch nicht sofort geschickt. Der Körper ist weich, lichtgrau von Farbe; er bedarf noch der Pflege. Nach Verlauf von 2 Tagen nimmt die junge B. an den häuslichen Arbeiten teil: sie muß Futter bereiten, die Larven füttern, Waben bauen, den Stock reinigen, ventilieren, um im Stock frische Luft zu schaffen und zu verhindern, daß die Wärme über 30° R. steigt. Später hat sie Wache zu halten, um den Stock gegen Feinde zu schützen, und erst 10 Tage nach dem Verlassen der Zelle fliegt sie aus dem Stock. Wenn die jungen B. zuerst den Stock verlassen, halten sie ein Vorspiel, d. h. sie fliegen beim Flugloch herum, um die Flügel zu üben, sich ↔ an die Luft zu gewöhnen und sich über den Stand des Mutterstocks und die Umgebung genau zu orientieren. Von nun an nehmen sie teil an den Feldarbeiten und heißen Trachtbienen. Diese Arbeit ist für die B. eine sehr gefährliche. Viele Feinde (s. unten) in der Tierwelt drohen ihnen, ärger noch ist die Witterung, am ärgsten mitunter des Menschen unverständige Behandlung der B. Die Lebensdauer der B. ist je nach der Jahreszeit eine verschiedene, im Winter bei vollkommener Ruhe währt sie oft 6–8 Monate, im Sommer bei starker Tracht dagegen nur 2–3 Wochen, Tausende verschleißen ihre Flügel und kehren nicht heim.

Die Einwinterung der Bienenstöcke muß geschehen ehe die B. sich zu einem Winterknäuel zusammengezogen haben. Aus den zur Kassierung bestimmten schwachen Stöcken werden die Honigwaben herausgenommen, die Brutwaben und B., nachdem letztere mit Bovist betäubt sind, werden zur Verstärkung der Standstöcke verwendet. Das Flugloch der Stöcke wird verengert und diese selbst mit schlechten Wärmeleitern umgeben. Geht bei langen Wintern der Honigvorrat auf die Neige, so muß durch Fütterung mit Honig oder Zucker nachgeholfen werden.

Unter den Bienenfeinden aus der Tierwelt sind hauptsächlich folgende zu nennen: Bär, Dachs, Fuchs, Ratten und Mäuse, Wiesel, die dem Honig oder dem Wachsbau nachgehen; unter den Vögeln: Schwalben, Storch, Fliegenschnäpper, Bachstelze, Rotschwänzchen, Bienenfresser (Bienenwolf, Merops apiaster L.), Specht, Meise, Sperlingseule u.s.w.; unter den Insekten: die Bienen- oder Wachsmotte (Galleria melonella L., Fig. 4), der bunte Bienenwolf (Philanthus triangulum Fab., Fig. 9), Hornisse, Wespen, Spinnen, Ameisen, Bienenlaus (Fig. 16), gelegentlich auch der Totenkopf, Kellerasseln; unter den Amphibien: die Kröten u.s.w.

Von den Krankheiten, denen die B. ausgesetzt sind, ist die ärgste die Faulbrut; sie ist im hohen Grad ansteckend und in Pommern, Posen und andern Gegenden wiederholt aufgetreten. Gegen die bösartige Faulbrut (die gutartige ist leicht heilbar) hat Gutsbesitzer Hilbert neuerdings die Räucherung mit Salicyl mit großem Erfolg angewandt. Auf der deutsch-österr. Wanderversammlung 1879 in Prag hat derselbe sich über sein Heilverfahren ausführlich ausgesprochen. Für die Faulbrut hat Matron Cheque einen Bacillus ( Bacillus alvei) als Ursache nachgewiesen; er findet sich in den der Faulbrut anheimgefallenen Larven, läßt sich rein züchten und bildet sehr große Sporen. Infektion einer Bienenwabe mit Reinkulturen dieses Bacillus erzeugt Faulbrut. Andere Krankheiten sind: die Flugunfähigkeit, Fußgängerei, die Tollkrankheit, Maikrankheit, die Pilzkrankheit und die Büschelkrankheit.

Außer der sog. deutschen B., die in Deutschland weitaus die größte Verbreitung hat, giebt es eine Anzahl fremder Bienenrassen, die, aus fremden Landen importiert, in Deutschland gezüchtet werden. Es gehören dahin: die italienische, die cyprische, die Krainer, die ägyptische und die kaukasische B. Die italienische mit schöner gelber Behaarung der Bauchringe wurde schon lange in Deutschland gezüchtet; ihre trefflichen Eigenschaften wurden besonders von dem Altmeister der deutschen Bienenzucht, Dr. Dzierzon, ins Licht gestellt. Der cyprischen B. wird großer Fleiß nachgerühmt, aber sie ist sehr stechlustig; auch der Krainer fehlt es nicht an guten

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 987.