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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bildgießerei - Bildhauerkunst

Doch hat sich von diesen selbst wie auch von den B. der Griechen und Römer wenig erhalten. Durch die Funde in Ägypten hat man jetzt in den kopt. Geweben ein Bild von der Kunst der Bildweberei aus der Endzeit der Antike erlangt. Zu Anfang des 11. Jahrh. taucht diese Kunst in Poitiers auf, später in Burgund (s. Tapeten und Gobelins). (Über die Technik s. Weberei.)

Bildgießerei oder Rotgießerei, ein Zweig der Bildnerei (s. d.), besteht im wesentlichen darin, daß von dem modellierten Bildwerke eine Form genommen und diese durch geschmolzenes Metall, am besten Bronze, ausgegossen wird (s. Abguß), oder daß, wie besonders bei Statuen, das Bildwerk aus Wachs über einen feuerfesten Kern bossiert und darüber eine thönerne Form gelegt wird, in der Röhren zum Ausströmen des geschmolzenen Wachses und zum Einströmen des Metalls ausgespart sind. Die Orientalen üben seit Jahrtausenden die B. mit großem Geschick. Die Griechen, die diese Kunst ebenfalls früh anwendeten und zu einer hohen Vollendung brachten, verstanden bereits Statuen in einem Guß auszuführen und denselben durch verschiedene Mischungsverhältnisse der Bronze verschiedene Farben zu geben. Hauptwerkstätten der B. waren Korinth, Delos und Ägina. Seine Blüte erreichte der Bronzeguß in den peloponnes. Schulen. Mit dem Verfall der antiken Kunst sank auch der Betrieb dieses Kunstzweigs. Unter den aus dem Altertum erhaltenen Bronzestatuen gehören neben den bedeutenden neuern Funden, wie namentlich den beiden im Tiber gefundenen Athletenfiguren, die Reiterstatue Marc Aurels (auf dem Kapitol), der betende Knabe (Museum in Berlin) noch immer zu den berühmtesten. Während des Mittelalters wurde die technische Kenntnis der B. durch den Glockenguß lebendig erhalten. Zu den ältesten Arbeiten der B. in Deutschland (9., 11. Jahrh.) gehören die Bronzethüren am Münster zu Aachen, an den Domen zu Mainz, Augsburg und Hildesheim (s. d.). Die ital. Renaissance kam auch der B. zu statten. Dem Giov. Pisano standen bei seinen Arbeiten am Brunnen in Perugia tüchtige Gießer zur Seite; noch höher steht die Entwicklung unter Andrea Pisano, Donatello, Lorenzo Ghiberti und Andrea Verrocchio zu Florenz. Im 16. Jahrh. sind B. Cellini und die venet. Familie der Lombardi in Bronzewerken hervorragend. Eine hohe Vollendung erlangte die Kunst des Gusses in Deutschland durch die Familie Vischer von Nürnberg, welche zahlreiche große Bronzearbeiten, wie das Sebaldusgrab, Statuen am Monument Maximilians I. in Innsbruck, und kleinere Werke hervorbrachte. Ähnlich arbeitete die Familie Hilger in Freiberg u. a. In der zweiten Hälfte des 16. und im 17. Jahrh. erreichte die Technik des Gießens eine besondere Höhe. Aus dieser Epoche stammen die Werke des Bildhauers Giovanni da Bologna und seiner Schule, des Leoni und Tacca in Spanien, des Candito und Adriaen de Vries in Deutschland, des Gießers Johann Balthasar Keller (gest. 1702) in Paris, Johann Jacobi (geb. 1664) in Berlin, welcher Schlüters Großen Kurfürsten goß, Wolf Hieronymus Herold (gest. 1093) in Nürnberg, der den Nepomuk auf der Prager Brücke herstellte. Während des 18. Jahrh. waren namentlich die franz. Gießer berühmt; einer von diesen, Lequine, goß zu Anfang des 19. Jahrh. die größern Statuen für Schadow und Rauch. Seitdem haben die deutschen Gießer namentlich im Monumentenguß Großes geleistet. Einen bedeutenden Wirkungskreis wies ihnen König Ludwig I. von Bayern in München an, wo vor allen Stiglmayr der Begründer einer immer großartiger sich entwickelnden Thätigkeit wurde, welche Ferd. Miller fortsetzte, unter dessen Leitung der Guß des Riesenstandbildes der Bavaria (s. d.) zu stande kam. In Braunschweig ist Howaldt, in Nürnberg Daniel Burgschmiet zu nennen, dessen Werkstätte von G. Lenz in rühmlichster Weise fortgeführt wird. Seit Rauchs Denkmal Friedrichs d. Gr. in Berlin und seit Fernkorns Arbeiten in Wien erfreuen sich auch Berlin (Gladenbeck), Lauchhammer, Wien (kaiserlich königl. Kunsterzgießerei), Dresden (Bierling) und andere Orte Deutschlands bedeutender Gießereien.

Bildhauerkunst, Skulptur, Plastik, die Kunst, dem Steinblock durch Behauen eine Form zu geben, die genau dem vom Bildhauer hergestellten Modell entspricht. Was das Technische anbetrifft, so wird das Behauen der Steine in neuerer Zeit meist nicht vom Künstler selbst betrieben, sondern durch besonders hierzu geschulte Steinmetzen. Bei der Auswahl des Steins kommt es vornehmlich darauf an, daß das Gefüge desselben eine gleichmäßig feste Beschaffenheit habe. Zu den beliebtesten Steinarten gehört der Sandstein und wegen seiner Reinheit und Schönheit der Marmor. Des farbigen Marmors ebenso wie des Alabasters bedient man sich meist nur zu dekorativen Arbeiten. Außerdem sind aber auch härtere Steinarten, wie Basalt, Granit und Porphyr, für die Zwecke der B. zur Anwendung gekommen, insbesondere bei den Ägyptern.

Ehe man an die Ausführung des Bildwerks in Stein schreitet, fertigt man ein Modell davon in der beabsichtigten Größe gewöhnlich in Thon, das man dann in Gips abformt. Diese Vorarbeiten sind deshalb nötig, weil im Stein, wenn man einmal zu tief geschlagen hat, keine Berichtigung mehr möglich ist. Bei überlebensgroßen Bildwerken pflegt man ein Modell in Lebensgröße zu fertigen, um so die Verhältnisse bis in die feinsten Einzelheiten hinein feststellen und sie hernach auf die größern Verhältnisse übertragen zu können. Um sodann für das Behauen des Steins die richtigen Maße zu gewinnen, umgab man früher das Modell mit einem Netzgitter sich rechtwinklig durchschneidender Fäden; dasselbe Netz zeichnete man dann auf den Steinblock und schlug nun nach dem Augenmaße das Nötige weg; diese Methode, die praktische genannt, konnte nur eine oberflächliche Richtigkeit gewähren. Seit L. B. Alberti wandte man die sog. akademische Methode an. Man befestigte nämlich über dem Modell einen Rahmen und ließ von diesem Fäden mit Bleigewichten niederhängen, durch welche man durch Übertragung am Block die erhabensten Punkte gewann und von diesen aus weiter nach den tiefern Punkten messen konnte (das sog. Punktieren; vgl. die kleine Schrift von H. Schittenhelm, Weim. 1894); doch gelangte man auch hierdurch zu keiner völligen Genauigkeit. Erst in jüngster Zeit wird ein eigentlich wissenschaftliches Verfahren beobachtet; dasselbe besteht darin, daß man durch ein Winkelinstrument oder Tasterzirkel vorerst drei der vorzüglichst erhabenen Punkte des Modells in ihrer gegenseitigen Entfernung bestimmt und dann nach Maßgabe des Instruments dieselben Punkte an dem Steine bezeichnet, d. h. an den betreffenden Stellen so viel wegschlägt, bis die genügende Tiefe gewonnen ist. Von diesen drei feststehenden Punkten aus gewinnt man dann