Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

1015

Bildnis - Bildung

dem 17. Jahrh. der Barockstil (s. Barock) in Italien sich der B. bemächtigt, als dessen glänzendster Vertreter Lorenzo Bernini (s. d.) und Alessandro Algardi (s. d.) zu nennen sind. Die gleiche Entwicklung nimmt die B. in der franz., deutschen, niederländ. Kunst, wobei die letztere namentlich im 17. Jahrh., die deutsche durch Schlüter um 1700 ihren Höhepunkt erreichte, während die französische B. seit dem 17. Jahrh. der italienischen die Führerschaft abnahm, an Stelle des Barock ein zierliches Rokoko (s. d.) und weiterhin den Klassicismus (s. d.) durchführte. Dieser, namentlich durch Canova und Thorwaldsen zur Vollendung gebracht, hat im 19. Jahrh. alle Nationen beherrscht. In neuerer Zeit wurde er erst durch den romantischen Stil und dann durch den Naturalismus abgelöst. - Außer der Litteratur bei den Artikeln der einzelnen Kunstgebiete vgl. Lübke, Geschichte der Plastik (3. Aufl., Lpz. 1880); Ad. Hildebrand, Das Problem der Form in der bildenden Kunst (Straßb. 1893).

Bildnis oder Porträt (frz. Portrait), im allgemeinen die Abbildung eines Menschen unter Berücksichtigung seiner individuellen Erscheinung (s. Porträtmalerei). Das Abbilden oder Porträtieren findet sowohl in plastischen Werken, d. h. in Porträtstatuen (s. Statue), Porträtbüsten (s. Büste) oder Porträtreliefs (besonders als Medaillonbildnis, s. Medaillon), als auch vornehmlich in Gemälden statt. Man unterscheidet: B. in Lebensgröße, in Überlebensgröße und in verkleinertem Maßstab; nach dem dargestellten Teil der Gestalt: B. als Kopfstück, solche als Brustbild (Büste), Halbfigur (Hüftbild), Kniestück (vom Kopf bis zum Knie) und in ganzer Figur; nach der Haltung der Figur, besonders der Wendung des Kopfs: B. in Vorderansicht (en face), in Seitenansicht (en profil) oder Halbprofil.

Bildnismalerei, s. Porträtmalerei.

Bildsäule, s. Statue.

Bildschnitzerei, diejenige Gattung der Bildnerei (s. d.), welche sich zu ihren Darstellungen des Holzes, Elfenbeins u. a. bedient. Holzschnitzereien fertigten fast alle Nationen der Welt schon in ihrem ersten Bildungszustande. Bei den alten Ägyptern erlangten sie zuerst einen erhöhten künstlerischen Wert. Mehrere größere Arbeiten dieser Art erhielten sich. Die vorderasiat. und früh hellenische Kunst bediente sich mit Vorliebe des Elfenbeins in dekorativer Weise zu Inkrustierungen (Kypselos-Lade). Später in der Blütezeit der griech. Kunst kam das Elfenbein in großartiger Weise zur Anwendung bei den kolossalen Götterbildern, wo das Nackte aus Elfenbeinplatten bestand, die man auf einen festen Kern auflegte, während das übrige aus Goldblech gefertigt ward (chryselephantine Statuen) oder die Statue aus Holz und Stein gebildet wurde (Akrolithe). Später bediente man sich des Elfenbeins nur zu kleinen, meist dekorativen Arbeiten. Aus Holz fertigte man im griech. Altertum in der Regel die Götterbilder; sie wurden dann meist bemalt, vergoldet, auch mit buntem Putze behängt. In der spätröm. und altchristl. Skulptur bilden die Schnitzwerke in Elfenbein einen wichtigen Kunstzweig. Unter ihnen sind die Diptychen (s. d.) von Interesse. In der Folge wurden diese Elfenbeinplatten als Verzierung von Büchereinbänden beliebt. Außerdem gab es noch mancherlei geschnitzte Geräte, z. B. den mit Elfenbein belegten Stuhl des Erzbischofs Maximian im Dom zu Ravenna (540-555). Karl d. Gr. erhielt 803 sogar zwei Thüren mit reichem Schnitzwerk von Konstantinopel zum Geschenk, dergleichen allerdings auch im Altertume vorkommen. Die roman. Kunstindustrie bediente sich des Elfenbeins besonders zu Kaminen, Spiegelgehäusen und andern Toiletteartikeln. Eine hohe Bedeutung erhielt die Holzschnitzerei in der Zeit des got. Stils, vornehmlich in der deutschen Kunst. Hier wurden die Altäre mit zum Teil sehr umfassenden und figurenreichen Holzbildwerken geschmückt, wobei man das Nackte in der Regel naturgemäß färbte und die Gewandungen zumeist vergoldete. Als berühmte Bildschnitzer sind aufzuführen: Tilmann Riemenschneider, Jörg Syrlin, Veit Stoß, Hans Brüggemann u. a., sämtlich um 1500 lebend. Nürnberg und Augsburg waren besonders in anmutigem kleinerm Schnitzwerk ausgezeichnet. Vorzügliche Porträtmedaillons, in der Regel aus Buchsbaum oder weichem Stein geschnitten, hat die deutsche Kunst im Anfang des 16. Jahrh. aufzuweisen. Des höchsten Ruhms in diesem Kunstfache erfreuten sich zu jener Zeit Hans Schwartz und Heinrich Hagenauer zu Augsburg und Peter Flötner zu Nürnberg. Von außerordentlicher Vollendung sind auch die bemalten B. der Spanier Juan Maria Montañes (gest. 1649) und Alonzo Cano (gest. 1667). Im 17. und 18. Jahrh. fand namentlich die Elfenbeinschnitzerei eine vielfache Verwendung, indem Kannen und Krüge, Reliefs und Statuetten aus diesem Stoffe gefertigt wurden. Christoph Angermayer in München (gest. 1633), Leonhard Kern (gest. 1663) von Nürnberg, Alessandro Algardi, Antonio Leoni zu Venedig, François Duquesnoy, Balthasar Permoser, Simon Troger sind anerkannte Meister. In Bernstein arbeitete J. B.. Schwarzburger (gest. 1741). Ein besonderer Zweig der B. war die Kleinschnitzerei, z. B. aus einem Nußkern, von der das Grüne Gewölbe in Dresden Beispiele bewahrt.

In neuerer Zeit ist die B. wieder mit vielem Geschick aufgenommen worden und dient einesteils der Möbelfabrikation, schafft aber andernteils auch selbständige Werke ornamentaler und figuraler Art (z. B. große Fürstenstatuen in der Albrechtsburg zu Meißen, von Franz Schneider in Leipzig geschnitzt). Auch giebt es ganze Ortschaften, namentlich in den Alpen, welche die B. als Hausgewerbe betreiben, so z. B. Oberammergau. Meist werden dort Crucifixe (von den Herrgottschnitzern) und Heiligenbilder gefertigt. - Über das Technische s. Holzbildhauerei; über die Bildschnitzerschulen s. Holzindustrieschulen.

Bildstein, s. Agalmatolith.

Bildstock, s. Betsäule.

Bildung, auf dem Gebiete des sinnlich Wahrnehmbaren die Form und Gestalt eines Dinges. Da die Äußerungen des geistigen Lebens sowohl des einzelnen Menschen wie größerer Gruppen und Massen von Menschen ebenfalls eine bestimmte Gestalt annehmen, so überträgt sich diese Bedeutung auch auf das gesamte Gebiet des geistigen Lebens. Hier machen sich innerhalb des geistigen Lebens gewisse Musterbilder des Vortrefflichen, Maßstäbe der Beurteilung geltend, mit welchen man das, was sich der Auffassung darbietet, vergleicht. Wie mannigfaltig die Richtungen und Gesichtspunkte sind, nach welchen ein solches Musterbild sich geltend macht, so vielfach modifiziert sich der Begriff der B., und spricht man z. B. von wissenschaftlicher, religiöser, sittlicher, politischer, pädagogischer, industrieller, militärischer B. u. s. w., oder auch mit Rücksicht auf die Unterschiede der geistigen Thätigkeiten, um deren Übung,