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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bildungsanstalten - Bildungsvereine

Entwicklung und Vervollkommnung es sich handelt, von B. des Gedächtnisses, der Phantasie, des Verstandes, des Charakters, des Herzens u. s. w.

Sehr häufig bezeichnet man auch den Inbegriff dessen, was ein Individuum, ein Volk wie ein Zeitalter in diesen verschiedenen Gebieten und Richtungen erreicht hat, als die B. desselben. Sucht man diesen Inbegriff zu einem System der B. zu gliedern, so behauptet den obersten Rang die moralische B. Während durch diese die allgemeinen Grundfesten der Gesellschaft gestützt werden, erwirbt der Mensch durch intellektuelle B. die Mittel zur Herrschaft über die Natur, und hiermit die Befähigung, seine Sorgen und Interessen von dem Kampfe um die nächsten Lebensbedürfnisse hinweg der Anordnung jener moralischen Angelegenheiten zuzuwenden, in denen die Bestimmung des Menschenlebens besteht. Und wie die intellektuelle B. sich zur moralischen als Mittel und Werkzeug verhält, so zu ihr wieder die Ausbildung in den agrarischen, technischen, merkantilen, gymnastischen, militärischen und industriellen Geschicklichkeiten und Fertigkeiten. Die harmonische Entfaltung aller Anlagen des Menschen aber ist nur durch ästhetische B. zu erreichen, da diese teils durch Gewöhnung an das Verständnis des künstlerischen Lebens, teils durch Veredlung und Verfeinerung der gesamten Gefühlsweise die Einseitigkeiten der einzelnen Bildungsrichtungen aufhebt. Die Untersuchung und Darstellung des histor. Verlaufs, den die B. des Menschengeschlechts bei verschiedenen Völkern und zu verschiedenen Zeiten genommen hat, ist Gegenstand der Kulturgeschichte. - Über die Bildungsanstalten (Volksschulen, Seminare, Gymnasien, Universitäten u. s. w.) s. die Einzelartikel.

Bildungsanstalten, militärärztliche. Die unter dem Namen militärärztliche B. in Berlin bestehenden Anstalten haben den Zweck, für das deutsche Heer und die deutsche Marine wissenschaftlich und technisch leistungsfähige Sanitätsoffiziere heranzubilden. Aufgenommen werden nur Staatsangehörige des Deutschen Reichs außer Bayern. Die Studierenden dieser Anstalten gehören teils dem Medizinisch-Chirurgischen Friedrich-Wilhelms-Institut, teils der Medizinisch-Chirurgischen Akademie für das Militärwesen an. Ersteres wurde infolge der Bemühungen Goerckes (s. d.) 2. Aug. 1795 unter dem Namen Pepinière errichtet, der 1818 mit der jetzigen Bezeichnung vertauscht ward. Die Akademie wurde an Stelle des 1809 aufgelösten Collegium medico-chirurgicum durch Kabinettsorder vom 27. Juli 1811 gegründet und im Nov. 1811 eröffnet. Die Studierenden beider militärärztlichen B. sind bei der "Akademie" immatrikuliert. Die Ausbildung und die spätern Rechte der Studierenden beider Anstalten sind völlig gleich, der einzige Unterschied besteht in einer Verschiedenheit der während der Studienzeit gewährten Vergünstigungen und der daraus hervorgehenden besondern Dienstverpflichtung, die für die Studierenden des Friedrich-Wilhelms-Institutes eine doppelt so lange ist als für diejenigen der Akademie. Die Anstalten gewähren nach einem bestimmten, alljährlich zeitgemäß vervollkommneten Studienplan den umfassendsten Unterricht in allen Gebieten der ärztlichen Wissenschaft und ihrer Hilfszweige an der Universität zu Berlin, gemeinsam mit den Studierenden der letztern, außerdem Wiederholungsunterricht in den wichtigsten Lehrfächern unter Benutzung reichhaltiger Sammlungen und die für den Heeres-Sanitätsdienst erforderliche besondere Ausbildung. Die Studienzeit umfaßt 9 Halbjahre, von denen das erste Sommerhalbjahr der Ausbildung mit der Waffe bei einem Garderegiment gewidmet wird. Nach Beendigung der Studien werden die Studierenden zunächst als Unterärzte in der Armee oder Marine angestellt, zum Teil als solche behufs erhöhter Ausbildung im praktischen Krankendienste auf ein Jahr in das Charitékrankenhans zu Berlin kommandiert.

Beide B. stehen unter dem preuß. Kriegsminister als Kurator, dem Generalstabsarzt der preuß. Armee als Direktor und einem Generalarzt als Subdirektor; der Etat umfaßt 28 Stabsärzte (davon 2 der Marine) als Repetenten und ordinierende Ärzte im Charitékrankenhause und 264 (einschließlich 18 der Marine) Studierende (darunter 57 der Akademie). Außer der Ausbildung der Studierenden dienen die militärärztlichen B. zugleich in hohem Maße der wissenschaftlichen und praktischen Fortbildung der Sanitätsoffiziere durch die Verwendung solcher (mit meist dreijährigem Wechsel) als Repetitoren, behandelnde Ärzte in der Charité und Assistenten klinischer Lehrer. Die militärärztlichen B. haben eine große Bedeutung nicht nur für das Militär-, sondern auch für das Civil-Medizinalwesen in Deutschland; viele berühmte Ärzte sind aus ihnen hervorgegangen.

Die Heranbildung und Fortbildung der Militärärzte anderer großer Armeen geschieht gegenwärtig zum Teil in abweichend organisierten Anstalten, zum Teil ganz ohne solche. Als erste bedeutende Bildungsanstalt für Militärärzte (und zwar an Stelle der seit 1768 in Brüssel unterhaltenen "Schule der militär. Wundarznei") wurde die Medizinisch-Chirurgische Josephsakademie zu Wien 1784 gegründet. Dieselbe gelangte zu hohem Ruhme, verfiel jedoch später, wurde 1848 geschlossen und durch ein "Feldärztliches Institut" ungenügend ersetzt, 1854 wieder eröffnet, nach kurzem neuen Glänze 1864 wesentlich umgestaltet, 1874 aber wiederum aufgelöst. An ihre Stelle trat nunmehr bis auf weiteres der "Militärärztliche Kurs". (S. Fortbildungskurse, militärärztliche.) Großbritannien besitzt gegenwärtig die "Army Medical School" zu Netley (2. Okt. 1860 im Fort Pitt zu Chatham eröffnet), Frankreich die "École d'application de la médicine et pharmacie militaire" zu Paris (durch Verfügung vom 9. Aug. 1850 begründet und 1856 mit dem Val-de-Grâce, dem größten Militärlazarett von Paris, organisch verbunden) sowie zwei Vorbereitungsanstalten für dieselbe zu Bordeaux und Nancy; Italien seit 1. Jan. 1883 die "Scuola d'applicazione di sanità militare" zu Florenz, Rußland die (aus der allgemeinen Medizinisch-Chirurgischen Akademie durch Statut vom 10./22. Juli 1881 hervorgegangene) "Militärmedizinische Akademie".

Litteratur. Bestimmungen über die Aufnahme in die königlich preuß. militärärztlichen Bildungsanstalten (Berl. 1890); Knorr, Entwicklung und Gestaltung des Heeres-Sanitätswesens der europ. Staaten (2.Aufl., Hannov. 1883); H. Frölich, Militärmedizin (Braunschw. 1887).

Bildungsfehler, s. Mißbildung.

Bildungsgewebe, in der Botanik jedes Gewebe, dessen Zellen in lebhafter Teilung begriffen sind.

Bildungsvereine, auch Volksbildungsvereine, zum Unterschied von Arbeiterbildungsvereinen (s. d.) Vereine, die sich die Verbreitung und Hebung der Bildung des Volks im allge-^[folgende Seite]