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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Biographie

die Charakteristik nur in einzelnen hervorstechenden Zügen das innere Wesen und die Leistungen eines Menschen zu zeichnen sucht. Diejenigen Werke, die das innere Leben und den Entwicklungsgang eines bedeutenden Menschen unter dem Gesichtspunkt künstlerischer Wirkungen zur Anschauung bringen, wie z. B. «Dichtung und Wahrheit» von Goethe, kann man nur bedingungsweise den biogr. Darstellungen zuzählen, da sie wohl ideale, aber nicht streng geschichtliche Wahrheit erstreben.

Die ungemein reiche biogr. Litteratur besteht aus einzelnen B. und Sammlungen solcher. Schon das Altertum besitzt Lebensbeschreibungen ausgezeichneter Persönlichkeiten; es sei nur an die des Agricola von Tacitus, Alexanders d. Gr. von Curtius, an Plutarch, Cornelius Nepos u. s. w. erinnert. Das Mittelalter ist reich an Lebensbeschreibungen Heiliger, während das Leben von Fürsten und Staatsmännern seltener Gegenstand der schriftstellerischen Thätigkeit wurde. Erst seit dem 16. Jahrh. (mit den interessanten Selbstbiographien des Thomas Platter, Götz von Berlichingen, Hans von Schweinichen u. a.) gewinnt die biogr. Litteratur größern Umfang und entwickelt sich dann allmählich zu einem bibliographisch kaum noch zu bewältigenden Reichtum. Den Versuch, diese Litteratur zu verzeichnen, machte Öttinger in der «Bibliographie biographique» (Lpz. 1850; 2. Aufl., 2 Bde., Brüss. 1854). Unter der großen Menge der Lebensbeschreibungen, Leben, Nekrologe, Ehrensäulen, Denkmale, der engl. Lives, Biographical notices, der franz. Vies, Notices, Mémoires, Biographies und wie die Titel solcher Schriften heißen mögen, können jedoch nur wenige durch die Fülle des gebotenen Stoffes oder die Kunst der Darstellung auf litterarhistor. Bedeutung Anspruch machen. Hierher gehören die Arbeiten von Schröckh, Nicolai, Herder, Klein, Garve, Meißner, Niemeyer, Heeren, Dippold, Luden, Varnhagen von Ense, Tiedge, Barthold, Döring, Pertz, Arneth, O. Jahn, Chrysander, David Strauß, Ranke, Droysen, Haym, A. Springer, H. Grimm, Justi, M. Lehmann und manchen andern; in England, wo vorzüglich die Rücksichten der Pietät die B. zu einem der reichhaltigsten Zweige der gesamten Litteratur gemacht haben, die Arbeiten von Middleton, Johnson, Murphy, Robertson, Th. Moore, Marshall, Southey, Boswell, Irving, Harris, Borrow, Carlyle; in Frankreich, wo diese Litteraturgattung zuerst zur vollkommenern Ausbildung gelangte, die Arbeiten von Fléchier, Fontanelle, L. Racine, Burigny, Voltaire, Mallet, Boissy d' Anglas, Villemain, Cousin.

Die biogr. Sammlungen sind sehr verschiedener Art, je nachdem sie bei größerer oder geringerer Ausführlichkeit in der Darstellung entweder 1) die merkwürdigen Persönlichkeiten aller Gegenden und Zeiten (allgemeine biogr. Wörterbücher), oder 2) bloß die eines bestimmten Zeitabschnittes (neuere Zeit, Altertum, ein bestimmtes Jahrhundert), oder 3) die einer bestimmten Nation umfassen, oder endlich 4) Personen behandeln, die sich in einem bestimmten Stande, als Regenten, Staatsmänner, Krieger, Gelehrte (Gelehrten- und Schriftstellerlexika), Künstler (Künstlerlexika) namhaft gemacht haben.

Als Beispiele allgemeiner biogr.Wörterbücher seien genannt: Bayle, «Dictionnaire historique et critique» (von 1697 an in verschiedenen Ausgaben, zuletzt Par. 1820 in 16 Bdn.); (Buddeus) ^[richtig: Buddeus], «Allgemeines histor. Lexikon» (6 Bde., Lpz. 1730–40); Chaudon, «Dictionnaire historique» (4 Bde., 1766; neueste Ausg., 30 Bde., 1822–23); Grohmann, «Neues histor.-biogr.-litterar. Handwörterbuch» (10 Bde., Lpz. 1796–1808); Aikin und Enfield, «General Biography» (10 Bde., Lond. 1799–1815); Bauer, «Neues histor.-biogr.-litterar. Handwörterbuch» (in verschiedenen Ausgaben); «B. universelle» von Michaud (mit den Supplementen 85 Bde., Par. 1811–62; neue Aufl., 45 Bde., ebd. 1842–65); Chalmers, «General biographical Dictionary» (neue Aufl., 32 Bde., Lond. 1812–17); «Nouvelle biographie général, publiée sous la direction de Hoefer» (46 Bde., Par. 1857–66); Öttinger, «Moniteur des dates» (in deutscher Sprache, 6 Bde., Lpz. 1869; mit Supplement 1879–81); Jal, «Dictionnaire critique de biographie et d'histoire» (2. Aufl., Par. 1772).

Andere berücksichtigen auch alle Nationen, beschränken sich aber auf bestimmte Zeiten, z. B. «Der Neue Plutarch» (von der Reformation bis zur Gegenwart, hg. von Gottschall, 12 Bde., Lpz. 1874–88); Hirsching, «Histor.-litterar. Handbuch des 18. Jahrh.» (17 Bde., ebd., 1794–1815); Michaud, «B. des hommes vivants» (5 Bde., Par. 1816–19); «Zeitgenossen» (3 Reihen, jede zu 6 Bdn., Lpz. 1816–41); Arnault, «B. des contemporains» (20 Bde., Par. 1820–25); Vapereau, «Dictionnaire universel des contemporains» (6. Aufl., ebd. 1891 fg.); «The Men of the time. A dictionary of contemporaries» (13. Aufl., hg. von Washington Moon, Lond. 1891); «The Celebrities of the century» (hg. von Sanders, ebd. 1890).

Sehr zahlreich sind biogr. Sammelwerke für einzelne Nationen, Staaten, Städte u. s. w.; so für Deutschland: Schirach, «B. der Deutschen» (6 Bde., Halle 1770-74); Klein, «Leben und Bildnisse der großen Deutschen» (4 Bde., Mannh. 1786–92); «Pantheon der Deutschen» (3 Bde., Chemnitz 1794–95); Schlichtegroll, «Nekrolog der Deutschen» (die in jedem Jahre Verstorbenen enthaltend, 28 Bde., Gotha 1791–1806); «Neuer Nekrolog der Deutschen» (30 Jahrgänge in je 2 Bdn., Weim. 1824–53); «Denkmäler verdienstvoller Deutschen des 18. und 19. Jahrh.» (5 Bde., Lpz. 1828–29); Buchner, «Deutsche Ehrenhalle» (Darmst. 1862); «Allgemeine deutsche B.» (hg. durch die histor. Kommission der königl. Bayrischen Akademie der Wissenschaften, redigiert von Liliencron und Wegele, vorläufig 34 Bde., A-S, Lpz. 1875–92); Hormayr, «Österr. Plutarch» (20 Bde., Wien 1807–14); Wurzbach, «Biogr. Lexikon des Kaiserthums Österreich» (60 Bde., ebd. 1856–92); Stumpf, «Denkwürdige Bayern» (Münch. 1865); «Badische B.» (hg. von Weech, 3 Bde., Heidelb. 1875–81; neue Ausg., 4 Bde., 1890–91); Heyden, «Galerie berühmter und merkwürdiger Frankfurter» (Frankf. 1849–61). – Für die Schweiz: Wolf, «B. zur Kulturgeschichte der Schweiz» (4 Bde., Zür. 1858–62); Lutz, «Nekrolog denkwürdiger Schweizer aus dem 18. Jahrh.» (Aarau 1812); Hasler und Hartmann, «Galerie berühmter Schweizer» (Bd. 1, ebd. 1863 fg.; neue Ausg., Zür. 1882); «Galerie suisse» (hg. von Secrétan, 3 Bde., Lausanne 1873–80); «Sammlung Bernischer B.» (Bd. 1, Bern 1884). – Für Holland, Belgien und Luxemburg: van der Aa, «Biographisch Woordenboek der Nederlanden» (21 Bde., Haarlem 1852–78); «B. nationale» (10 Bde., Brüss. 1866–89); Neyen, «B. Luxembourgeoise» (2.Aufl., 2 Bde., 1876). – Für England: Fuller, «History of the worthies of England» (neue Aufl. von