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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Birkenteer - Birma

Birkenteer, schwarzer Doggert, Dagget, schwarzer Degen, namentlich in Rußland durch trockne Destillation der Birkenrinde dargestellter Teer. In seinen Verwendungen ersetzt er den Holzteer, außerdem dient er zum Einschmieren gröberer, aus Juchtenleder gefertigter Gegenstände, wie Jagdstiefel. Für feinere Juchtenlederwaren verwendet man das durch Destillation des Teers gewonnene Birkenteeröl (s. d.). Der specifische Geruch des Juchtenleders ist auf Bestandteile des B. zurückzuführen. Der B. enthält Kohlenwasserstoffe, die dem Terpentinöl isomer sind, verschiedene Brandharze und sonstige Produkte der trocknen Destillation, außer diesen noch den in der Rinde fertig gebildeten Birtenkampfer oder das Betulin (s. d.).

Birkenteeröl, Daggetöl, Juchtenöl, das durch nochmalige Destillation aus dem Birkenteer gewonnene ätherische Öl. Es ist frisch bereitet gelblich und klar, färbt sich aber nach und nach braun und wird trübe; der Geruch ist sehr stark und nicht angenehm, in sehr verdünntem Zustande hat es aber den angenehmen Geruch nach Juchten. Es enthält neben vielen andern Stoffen verschiedene Phenole.

Birkenwasser, Birkenwein, Birkenmet, ein erfrischendes Getränk, das am Harz, in Kurland, Livland u. s. w. aus dem Frühjahrssaft der Birke gewonnen wird, indem man den untern Teil des Stammes anbohrt und den ausfließenden Saft sammelt, wovon ein großer Baum 16‒18 l liefern soll. Derselbe gerät rasch in Gärung. In verstöpselte Flaschen gebracht, wird die bei der Gärung entwickelte Kohlensäure in der Flüssigkeit zurückgehalten und bewirkt nach dem Ausgießen des B. ein leichtes Schäumen; häufig versetzt man den Saft mit Zucker, wodurch die Gärung verstärkt und das Produkt weinähnlicher wird.

Birkenzeisig, s. Leinfink.

Birkenzipfelfalter, s. Bläulinge.

Birket, s. Birka.

Birket-Smith, Sophus, s. Smith, Sophus Birket-.

Birkfuchs oder Semmelfuchs, s. Fuchs.

Birkhuhn (Tetrao tetrix L., s.Tafel: Hühnervögel Ⅰ, Fig. 6) ist eine Art der Gattung Waldhuhn, aus der Familie der Rauchfußhühner (Tetraoniden), die sich durch den besonders bei dem Männchen gabelförmig geteilten Schwanz auszeichnet. Das Männchen, Spielhahn, auch Schildhahn genannt, welches unter die schönsten Vögel des europ. Nordens gehört und gegen 60 cm hoch wird, ist schwarz, am Halse und Unterrücken mit stahlblauem Glanze, am Bauche weiß gefleckt, mit schneeweißen Unterschwanzfedern, auf den Flügeln mit einer weißen Binde gezeichnet und mit hochroten, warzigen Brauenbogen geschmückt. Der Schwanz ist stark gabelförmig geteilt und etwas leierförmig, indem die vier Seitenfedern desselben mit ihren Enden bogenförmig nach außen gekrümmt stehen. Das Weibchen ist kleiner, oben rostgelbbraun, mit zahlreichen, in Querbänder geordneten, dunkelbraunen Flecken gezeichnet, an der Brust kastanienbraun und schwarz gebändert, und die Spitzen der größern Flügeldeckfedern sind weiß. Der rostfarbene Schwanz ist undeutlich gegabelt, schwarz gefleckt und mit weißen, schwarzgestreiften Deckfedern versehen. Das B. ist in ganz Europa, von dem Mittelmeer bis nach Lappland, zu Hause, besonders gemein in Sibirien, in Skandinavien und Finland; im mittlern Deutschland findet es sich vorzüglich auf dem Harze, dem Thüringerwalde und dem sächs. Grenzgebirge, doch keineswegs häufig; in Frankreich zeigt es sich selten, öfter in der Schweiz, wo es an einigen Orten Fasan genannt wird. Es liebt nicht den Hochwald, sondern mehr niederes Gesträuch und Moorgrund; gleicht aber übrigens in seiner Lebensweise sehr dem Auerhahn, mit welchem der Birkhahn auch das Balzen (s. d.) gemein hat, doch wird er dabei nie so blind gegen jede Gefahr wie der Auerhahn, ist auch scheuer und flüchtiger als dieser. Die Jagd auf das B., die in Skandinavien und Schottland ein beliebtes Wintervergnügen ausmacht, wird dort auf verschiedene Weise betrieben; in Deutschland dagegen wird der Birkhahn meistens auf dem Balzplatze geschossen. Zur Nahrung dienen ihm Insekten, Blüten, Blätter, Beeren, Knospen der Bäume und der Samen verschiedener Hülsenpflanzen. Die Henne legt 12‒16 gelbe rostfarbig punktierte, längliche Eier in ein ohne Sorgfalt bereitetes Nest, das meist nur aus einer flachen Grube besteht, und brütet 25‒28 Tage; aber erst in der siebenten Woche vermögen die Jungen sich auf die Bäume zu schwingen. Zwischen Auergeflügel und Birkgeflügel kommen Bastardierungen vor; die männlichen Bastarde heißen Rackelhahn. Kommt ein Rackelhahn in einem Auergeflügelbestand vor, so ist mit Sicherheit zu schließen, daß der Vater ein Birkhahn war, ebenso wenn ein solcher mit Birkgeflügel getroffen wird, daß dessen Vater ein Auerhahn war. Das Fleisch des B. ist weit zarter und saftiger als das des Auerhahns, daher auch beliebter. Die B., die man in der Gefangenschaft antrifft, stammen meist aus Skandinavien und werden mit etwa 50 M. das Paar bezahlt. Sie sind sehr scheu und schwer zu halten, da sie durchaus die Nahrung verlangen, die sie in der Freiheit genießen. ^[Spaltenwechsel]

Birkibeinar, s. Birkebeiner.

Birlinger, Anton, Germanist, geb. 14. Jan. 1834 in Wurmlingen bei Tübingen, studierte zu Tübingen kath. Theologie und deutsche Philologie, wurde 1869 in Bonn Privatdocent für deutsche Philologie, 1872 außerord. Professor und starb 15. Juni 1891 daselbst. B. machte sich die Erforschung der süddeutschen, namentlich der alamann. Mundarten, Sagen und Sitten zur Aufgabe und leistete hier Verdienstliches. Er veröffentlichte u. a. «Schwäb.-Augsburgisches Wörterbuch» (Münch. 1864), «So sprechen die Schwaben» (Berl. 1868), «Aus Schwaben» (2 Bde. Wiesb. 1874), «Rechtsrhein. Alamannien» (Stuttg. 1890); mit Crecelius eine bereicherte Prachtausgabe von «Des Knaben Wunderhorn» (2 Bde., Münch. 1873‒77); mit Buck «Volksthümliches aus Schwaben» (2 Bde., Freiburg 1861‒62). Seit 1871 leitete B. die «Alemannia. Zeitschrift für Sprache, Litteratur und Volkskunde des Elsasses, Oberrheins und Schwabens», die zahlreiche Beiträge von ihm enthält.

Birma, Barma, unter brit. Regierung stehendes Land in Hinterindien, dessen Bewohner sich Mran-ma schreiben und Ba-ma (der Aussprache nach) nennen; die Engländer machten daraus Burma(h) oder nannten es nach der frühern Hauptstadt Kingdom of Ava. Bis 1886 unterschied man Britisch-Birma(nien) und das unabhängige Ober-Birma (engl. Upper oder Independent Burma), letzteres jenseits 19° 25½' im Norden von Britisch-Birma. Seit 1886 gehört aber auch Ober-Birma zum Indobritischen Reiche. B. wird im N. von der brit. Provinz Assam und von Tibet, im O. von der chines. Provinz Jünnan und von Tongling und Siam, im S. vom Golf von Martaban und vom