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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Birma

Golf von Bengalen, im W. von dem bengal. Distrikte Tschittagong, von einem unerforschten Gebirgslande, von dem Staate Manipur und von Assam begrenzt und liegt zwischen 9° 55' bis 27° 15' nördl. Br. und zwischen 92° 10' bis 100° 40' östl. L., mit einem Gebiete von etwa 414951 qkm.

Bodengestaltung. B. ist meist hügelig und selbst bergig, erhebt sich gegen N. mehr und mehr und ist von verschiedenen parallelen Gebirgsketten mittlerer Höhe in der Richtung von N. nach S. durchzogen, der Nat-tung, der Pegu-Joma (s. d.) und der westlichsten der Arakan-Joma (s. d.). Mit seinem nördlichsten Teile geht dasselbe in das hohe, wenig bekannte Alpenland östlich von Assam und Bhotan zwischen Brahmaputra und dem chines. Flusse Kin-scha über. Niedrigeres Flachland findet sich hauptsächlich zu beiden Seiten der nordsüdlich gerichteten Ströme: des Irawadi (s. d.), der eigentlichen Lebensader des Landes, seines westl. oder rechten Nebenflusses Thalawadi oder Kjin-dwin und des östlich vom Irawadi verlaufenden Sittang und Saluen (Salwin). Die südöstlichsten Grenzdistrikte gegen Jünnan und Tongking werden noch vom Mekong oder Kambodschaflusse und dessen westl. Nebenflüssen bewässert. Archäisches und paläozoisches Gestein bildet den Norden, die ganze Küste ist tertiär, das Irawadi-Delta quartär. Erloschene Vulkane liegen an der Küste.

Klima. B., mit seiner größern südl. Hälfte innerhalb der Wendekreise liegend, hat im allgemeinen, zumal in den niedriger gelegenen Landstrichen, ein heißes Klima. Die Wärme beträgt daselbst während der Monate April bis Juli 30° C., steigt zuweilen bis 43°, sinkt aber in den kühlsten Monaten, November bis März, auf 25°. Die periodischen Regen fallen August bis Oktober. Die durchschnittliche jährliche Regenhöhe beträgt bei Bassein, Rangun und Pegu 2,5 m, am obern Laufe des Irawadi nur 0,8 m, bei Mandale 1,2 m; der Küste entlang von Akjab bis Mergui steigt sie bis zu 5 m. Das Klima ist für europ. Truppen noch viel unzuträglicher als das der ind. Niederungen. In den den nördlichsten Teil von B. bildenden Thälern sind die Winter rauh und bringen auch Schnee und Eis. Selbst in den Sommermonaten erreicht die Quecksilbersäule hier nie die mittlere Höhe der südlichern Niederungen. B. ist ein an Erzeugnissen aus allen drei Naturreichen höchst ergiebiges Land. Die große Fruchtbarkeit des Bodens wird in den Niederungen durch das Übertreten der Flüsse während der periodischen Regenzeit noch vermehrt.

Mineralien. Man gewinnt Gold nur aus dem Flußsande; auf Silber, Blei und treffliches Eisen wird nur in den östl. Teilen von den Schan gebaut. Auch an Kupfer, Zinn und Antimon fehlt es nicht; Steinkohlen sind in Menge vorhanden. Petroleum wird aus einer beträchtlichen Anzahl (130) Brunnen bei Jenangong am linken Ufer des Irawadi im Betrage von 26 bis 28 Mill. Pfd. jährlich gewonnen. Sonst findet man noch weißen Marmor, sog. edeln Serpentin oder Ophit (Ju-Stein), Bernstein, Saphire und Rubine bei Mogok, Nephrit bei Mogung.

Pflanzenwelt. Die Flora verbindet die reichsten Gegenden Vorderindiens (Assam) mit der hinterindischen von Malaka. Das Teakholz (von Tectonia grandis L.) erreicht hier seinen östlichsten Bezirk und wetteifert mit zahlreichen andern Nutzhölzern, welche die sorgsame Überwachung der Urwälder in ihrer Verbreitung schon jetzt festgestellt hat, besonders in den Arbeiten eines Deutschen, Sulpicius Kurz. Eichen sind mit Dipterocarpaceen vergesellschaftet, sogar die Bestände der südlichsten Kiefern (Pinus Merkusii) fehlen nicht. Manche Baumarten Vorderindiens, welche dort in Bergeshöhe wachsen, steigen in B. beträchtlich zur Küste herab.

Tierwelt. Die Fauna ist eine echt tropisch-indische. Es finden sich zahlreiche Affen, sowohl Meerkatzen als Schlankaffen sowie Gibbons; auch die Halbaffen sind durch die Gattung Nycticebus vertreten. Leoparden, Tiger und Bären finden in den dichten fast unzugänglichen Waldungen sichere Schlupfwinkel. Hirsche, Schweine, Nashörner, Elefanten beleben die Landschaft, Vögel sind in vielen Arten vertreten, desgleichen Eidechsen und Schlangen. Die Gewässer beherbergen Krokodile und zahlreiche Fische. Da die Religion Fleischspeisen untersagt, so züchtet man auch kein Schlachtvieh; doch werden Ochsen, Büffel, Pferde, Esel, Ziegen und Elefanten als Zugvieh gehalten.

Bevölkerung. Sie beträgt 1891 7605560, d. i. 17 auf 1 qkm, und besteht aus dem herrschenden Volke der eigentlichen Birmanen oder Birmesen und den ihnen nahe verwandten Tanimgtha, Javoi, Arakanern, Jalaing, Ja, Dainguet, Salon, sowie aus Karenen, Kaku Kakhjenen, Tschin, Singho im N. und Schan im O. Diese Schan, deren Zahl auf 2 Mill. geschätzt wird, wandern alljährlich in großen Scharen von Osten her in B. ein, sind kultivierter als die übrigen Stämme und besitzen einige Litteratur, während die Karenen ein Waldleben führen. Im früher sog. Britisch-Birma (236251 qkm) zählte man 1855 nur etwa 1½ Mill., 1881 schon 3736771 und 1891 4658627 E., d. i. 19 auf 1 qkm, darunter zahlreiche Chinesen, Hindu, mohammed. Inder, Nordamerikaner und Europäer.

Der Religion nach zerfiel die Bevölkerung in B. (1891) in 6888075 Buddhisten (90 Proz.), 253031 Mohammedaner, 168449 Nat oder Geisterverehrer, 171577 Hindu, 120768 Christen, 96 Parsen, 3164 Sikh und 351 Israeliten. Sämtliche der genannten Stämme werden fälschlicherweise der indochines. Völkergruppe zugerechnet; sie haben aber mit den Indern nichts, und mit den Chinesen nur die typische Gesichts- und Schädelbildung gemein, da sie der mongol. Rasse im weitesten Umfange angehören. Auch bietet ihre physische Bildung eine unverkennbare Ähnlichkeit mit jener der Malaien. Die eigentlichen Birmesen oder Birmanen, einschließlich der Arakaner etwa 4 Mill., bewohnen das Land zwischen Pegu und dem nördl. Wendekreise: sie sind wohlgebaut, meist klein, aber stämmig, von braungelber Hautfarbe. Sie besitzen langes, glattes, schwarzes Haupthaar und wie alle mongol. Völker meistens nur schwachen Bartwuchs. Infolge despotischen Druckes treulos, lügenhaft, kriechend, sind sie jetzt im ganzen gesittet, frohsinnig und freigebig. Nüchternheit herrscht allgemein, Opiumrauchen und Spielsucht aber sind sehr verbreitet. In ihrer Bildung stehen die Birmanen hinter den Indern zurück. 1890 wurden 165 Werke, meist poetischen und religiösen Inhalts, veröffentlicht; 1889 waren es nur 84. Von den 28 Zeitungen erscheinen 4 (2 englische und 2 birmanische) täglich. Reinlichkeit in Kleidung und Wohnung trifft man selten; daher die Häufigkeit von Hautkrankheiten. Die Häuser sind einstöckig, die der niedern Klassen aus Bambus und mit Palmblättern gedeckt, die der reichern oft ganz vergoldet. Hauptspeise ist Reis, Wasser das alleinige Getränk. Vielweiberei ist erlaubt, aber selten, Ehescheidung