Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bisser - Bistritz

lossale Statue Gutenbergs, sodann für Kopenhagen das Bronzestandbild Tycho Brahes. B. ist auch der Urheber des bei Flensburg zur Erinnerung des Tages von Idstedt 1853 aufgestellten bronzenen Löwen (jetzt vor der Kommandantur in Lichterfelde bei Berlin). Sein letztes Werk war die Reiterstatue des Königs Friedrich Ⅶ. von Dänemark. Seit 1850 Direktor an der Kopenhagener Akademie, starb B. 10. März 1868 daselbst. – Vgl. Plon, Le sculpteur danois Vilhelm B. (2. Aufl., Par. 1871). – Sein Sohn Wilhelm B., geb. 5. Aug. 1836 in Kopenhagen, war Schüler seines Vaters und entwickelte sich später selbständig während seines Aufenthaltes in Rom. Er wurde 1871 Mitglied der Kunstakademie in Kopenhagen. Unter seinen Arbeiten sind hervorzuheben: Absalon (der dän. Bischof), Ägeus, Noah sowie die Vasenmalerin.

Bisser, ostind. Vasallenstaat, s. Baschahr.

Bissextus (Bisextus) hies; der nach Cäsars Anordnung jedes vierte Jahr nach dem 23. Febr. einzulegende Schalttag (s. Kalender); bissextīl, einen Schalttag enthaltend.

Bißgurre, Fischart, s. Schmerlen.

Bissing, Henriette von, geborene Krohn, Erzählerin, geb. 31. Jan. 1798 zu Warin, heiratete 1814 den Lieutenant von B., den sie ins Feld begleitete. 1837 nahm dieser als Oberstlieutenant den Abschied und zog sich nach Nienburg a. d. Weser zurück, wo er 1856 starb. 1858 siedelte sie nach Rostock, 1870 nach Anklam über und starb daselbst 22. Jan. 1879. Ihren Ruf als Schriftstellerin begründete der Roman «Die Familie Steinfels oder die Kreolin» (2 Bde., Hannov. 1841). Es folgten: «Victorine» (2 Bde., ebd. 1842), die treffliche «Erzählung einer Wartefrau» (in Gödekes «Novellenalmanach», 1842), «Waldheim» (2 Bde., ebd. 1844), «Minona», eine Erzählung (ebd. 1844) und «Iwan» (2 Bde., ebd. 1845). Später suchte die B. den Stoff in volkstümlichen Zügen der Geschichte. So entstanden die histor. Romane «Don Manoel Godoy» (anonym, 3 Bde., Hannov. 1845), «Lucretia Tornabuoni» (2 Bde., ebd. 1846) und «Rainer Widdrik und die Ditmarschen im J. 1500» (3 Bde., ebd. 1847).

Bisson (spr. -óng), Alexandre Charles Aug., franz. Lustspieldichter und Musikschriftsteller, geb. 9. Aug. 1848 zu Briouze (Orne), anfänglich Ministerialbeamter, widmete sich, nachdem er 1873 ein Vaudeville «Quatre coups de canif» auf die Bühne gebracht hatte, dem Berufe des Theaterdichters. Nach einer Reihe von Comédies und Operettes für Bühnen zweiten Ranges, wie «Le chevalier Baptiste» (1874), «Le vignoble de Madame Pichois» (1875), beide mit André Sylvane verfaßt, «Un voyage d'agrément» (1881, mit Gondinet), «Le fiancé de Margot» (1881), die Vaudevilleposse «Un lycée de jeunes filles» (1881; deutsch als «Mädchenschule» von Rich. Genée, 1891), «115, Rue Pigalle» (1882), «Ninetta» (1883, mit Hennequin), gelang es ihm das Lustspiel «Le député de Bombignac» (1884) auf dem Théâtre français zur Aufführung zu bringen und größeren Ruf zu gewinnen. Von seinen folgenden Stücken sind zu nennen: «Le moûtier de Saint-Guignolet» (1885), «Une mission délicate» (1886), «Ma gouvernante» (1887), «Les surprises du divorce» (mit A. Mars, 1888) und die militär. Posse «Mam'zelle Pioupiou» (1889), sodann «Feu Toupinel» (1890; deutsch als «Der selige Toupinel» viel gespielt), der tolle Schwank «Les joies de la paternité» (mit A. Mars, 1891; deutsch 1891). Als Musikschriftsteller schrieb B. mit Théodore de Lajarte, Bibliothekar der Großen Oper, u. a.: «Grammaire de la musique» (Par. 1879), «Petite encyclopédie musicale» (2 Bde., edd. 1881‒83).

Bißwunden gleichen im allgemeinen den Quetschwunden und sind wie diese antiseptisch zu verbinden (s. Wunde). Nur in den Fällen, in denen es sich um den Biß wutkranker oder giftiger Tiere handelt, ist zuvor das Gift durch Aussaugen aus der Wunde zu entfernen oder durch Ausbrennen oder Ätzen zu zerstören sowie der Eintritt des Giftes in den Blutstrom durch Umschnürung des verletzten Gliedes mit einem elastischen Gurt oder Tuche oberhalb der Wunde zu verhindern. (S. Hundswut, Schlangengift.)

Bisten heißt das Ertönenlassen des Lockrufs beim Haselhuhn.

Bister, Bisterbraun, Manganbraun, ist eine in der Baumwollfärberei übliche braune Farbe, die man auf der Baumwollfaser hervorruft, indem man die mit einem Manganoxydulsalz imprägnierten Stoffe im Chlorkalkbad behandelt, wobei unlösliches Mangansuperoxydhydrat sich niederschlägt. Die Farbe ist durchaus echt und dunkel. Unter B. versteht man ferner eine braune Malerfarbe, die aus dem Glanzruß gewonnen wird, der sich bei der unvollkommenen Verbrennung von Brennstoffen aus dem Rauch zunächst der Feuerung absetzt und aus getrocknetem Teer und einigen Prozenten Kohlenstoff besteht. Der Glanzruß wird pulverisiert, geschlämmt und mit Gummiarabikum angerieben.

Bisterbraun, s. Bister.

Bistermanier, s. Radierkunst.

Bistouri (spr. -turih), in der Chirurgie schneidende Instrumente, deren Klingen nicht (wie beim Skalpell und Tischmesser) fest im Stiel eingesetzt sind, sondern entweder (wie die Einschlage-Taschenmesser) gefedert sind oder mittels eines Ringes oder Schiebers im Griff oder Heft festgestellt werden können. Sie bieten den Vorteil, daß man sie leichter mit sich führen kann. Für verschiedene Operationen hat man ihnen verschiedene Formen gegeben, so z. B. für die Operation der Fisteln; sie tragen dann die Namen ihrer Erfinder, wie das Pottsche Fistelbistouri.

Bistrau, czech. Bystré, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Polička in Böhmen, an der mähr. Grenze, hat (1890) 2072 E., Post und Telegraph. Die Allodherrschaft B. (22,8 qkm) mit Schloß, Park, Familiengruft der frühern Besitzer, Grafen von Hohenems, gehört dem Kaiser von Österreich. Hierzu gehört Brauerei, Brennerei, Ziegelei und das Mineralbad Goldbrunn.

Bistritz. 1) B., ungar. Besztercze-Naszód, Komitat im Königreich Ungarn, 1876 aus dem ehemaligen sächs. Distrikt B. im östl. Siebenbürgen und dem benachbarten Naszóder Distrikt gebildet, grenzt im N. an das Komitat Mármaros, im O. an die Bukowina und die Moldau, im S. an Maros Torda und Klausenburg, im W. an Szolnok Doboka und umfaßt außer der königl. Freistadt und Stadt mit geordnetem Magistrate B. die 4 Stuhlbezirke Bessenyö mit dem Amtssitz B., Jád mit demselben Amtssitz, Naszód und Ó-Radna. Das Komitat hat 4014,35 qkm, (1890) 104737 E. (70466 Rumänen, 25268 Deutsche, 4994 Ungarn, der Rest Zigeuner und Israeliten). Dem Religionsbekenntnis nach waren 58878 Griechisch-, 3337 Römisch-Katholische, 12960 Griechisch-Orientalische, 22556 Lutherische, 2588 Reformierte und 4349 Israeliten. Die herrschenden Konfessionen sind die griechisch-katho- ^[folgende Seite]