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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bitjug; Bitlis; Bitolia; Biton; Bitonto; Bitsch; Bitsch; Bitsch

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Bitjug - Bitsch

Herkunft der im östl. Teile des Landes wohnenden, lange Zeit den Griechen in Heraklea unterthänigen Mariandyner. – Durch Krösus kam B. um 560 v. Chr. zum Lydischen Reiche, und nach dessen Untergange an Persien. Nach der Schlacht am Granikus 334 war B. eine der wenigen Landschaften Kleinasiens, die sich Alexander d. Gr. nicht unterwarfen. Bas, der Sohn des Boteiras, ein einheimischer Fürst (376‒326 v. Chr.), hatte sich schon unter den Persern eine gewisse Selbständigkeit errungen, und dessen Sohn Zipötes (326‒278 v. Chr.) behauptete sich auch gegen Lysimachus und Antiochus Ⅰ. von Syrien, und zuletzt (283) nahm Zipötes den Königstitel an. Ihm folgte als erster ganz unabhängiger König von B. sein Sohn Nikomedes Ⅰ. (s. d.), gest. 246. Dessen Enkel Prusias Ⅰ., der die phrygischen Grenzlandschaften unterwarf, vergrößerte den Staat durch einen glücklichen Krieg gegen das griech. Heraklea 196, schlug die die hellespontischen Städte bedrängenden Galater und verbündete sich mit Philipp Ⅴ. von Macedonien gegen die Römer. An diese schloß sich aber Prusias Ⅱ., sein Nachfolger, an, und Hannibal, der zu ihm von Antiochus d. Gr. geflohen war, konnte der Auslieferung an die Römer nur dadurch entgehen, daß er sich selbst 183 den Tod gab. Seitdem war B., obwohl unter eigenen Königen, doch in Abhängigkeit von Rom. Prusias Ⅱ. starb 149 v. Chr. Zur röm. Provinz ward es nach dem Tode Nikomedes' Ⅲ., der 74 v. Chr. die Römer zu Erben seines Reichs einsetzte, um das sie jedoch noch mit Mithridates d. Gr. von Pontus kämpfen mußten. Von den röm. Statthaltern, die B. mit Pontus (d. i. dem östl. Gestade bis Amastris und Cytorus) vereinigt regierten, ist namentlich Plinius der Jüngere (111‒113) unter Trajan zu erwähnen. Unter Valerian ward das Land 259 n. Chr. von den Goten verwüstet; unter Diocletian war Nikomedia des Kaisers gewöhnliche Residenz. Im 11. Jahrh. war B. eine Zeit lang (1074‒97) im Besitz der Seldschuken, denen es im ersten Kreuzzug wieder abgenommen ward. Osman brach 1298 in B. ein, worauf das 1326 eroberte Prusa (s. Brussa) Hauptstadt des Osmanischen Reichs wurde.

Bitjug, linker Nebenfluß des Don, 329 km lang, entspringt im S. des russ. Gouvernements Tambow, geht in das Gouvernement Woronesch über und bildet kurz vor der Mündung den See Tscherkaskoje. Nach ihm heißt eine Rasse starker Arbeitspferde, die in seinem Stromgebiete gezüchtet werden, Bitjugi.

Bitlis oder Bedlis, Hauptstadt des asiat.-türk. Wilajets B. (29850 qkm, 388600 E.) in Armenien, 15 km von der Südwestecke des Wansees, in 1560 m Höhe, an der Straße von Erzerum nach Mosul, zieht sich in einer ostwärts geöffneten Bergschlucht, in welcher aus Querschluchten drei Bäche zur Bildung des mit dem Bohtan-su in den Tigris fallenden Bitlis-su zusammentreten, am Fuße einer 100 m hohen, wahrscheinlich aus Lava bestehenden Gesteinsmasse und längs zweier jener Bäche hin und hat etwa 5000 E. Auf der Höhe steht der Palast des Paschas in roher, weitläufiger Bauart, in der Mitte der Stadt auf einer einzelnen Lavamasse die jetzt verfallene Feste, ehemals eins der stärksten Schlösser Armeniens. Am Fuße desselben der zum Teil überwölbte und reich mit Waren besetzte Bazar. Zahlreich sind die Karawanseraien für die Kaufleute, die Klöster und Moscheen. Die Industrie erstreckt sich auf Fabrikation von Waffen, Silber- und Goldarbeiten, Rotfärberei und Baumwollzeugweberei; der Handel auf Ausfuhr von Wolle, Tabak, Galläpfeln, Gummitragant und Einfuhr von Baumwolle aus Persien; letztere wird durch Unsicherheit gegen die Überfälle der raubsüchtigen Kurden beeinträchtigt. B. kam 1514 unter Selim Ⅰ. an die Türken, die es an die Perser verloren, aber 1555 wiedererlangten. Seit dem 16. Jahrh. ist B. erblicher Besitz einer Kurdenfamilie. ^[Spaltenwechsel]

Bitolia, s. Monastir.

Biton, s. Kleobis.

Bitonto (Butuntum), Stadt in der Provinz und im Kreis Bari in Unteritalien, in einer fruchtbaren Ebene, 7 km vom Adriatischen Meere, ist Sitz eines Bischofs, zerfällt in die innere Altstadt und die Neustadt, hat (1881) 23812, als Gemeinde 26207 E., eine schöne Kathedrale, 12 Pfarrkirchen, theol. Seminar, großes Waisenhaus, Kastell sowie Weinbau (Zagarello), Industrie (Speiseölfabrikation) und Handel. – Bei B. erfochten die Spanier unter Graf Montemar 25. Mai 1734 einen glänzenden Sieg über die Österreicher, wodurch das Königreich Neapel wieder an Spanien kam. Philipp Ⅴ. ließ auf der Walstatt eine Pyramide errichten und erhob Montemar zum Granden von Spanien und Herzog von B.

Bitsch, Hauptstadt des Kantons B. (301 qkm, 17 Gemeinden, 14659 E.), im Kreis Saargemünd des Bezirks Lothringen (bis 1871 zum franz. Depart. Meurthe gehörig), 32 km östlich von Saargemünd, in 374 m Höhe, am Nordabfall der Vogesen, an der Linie Hagenau-Saargemünd-Beningen der Elsaß-Lothring. Eisenbahnen, am Kreuzungspunkte der Straßburg-Zweibrückener und der Saargemünd-Weißenburger Straßen, in anmutiger Waldgegend, hat (1890) 2764 (1654 männl., 1110 weibl.) E., darunter 854 Evangelische und 41 Israeliten, in Garnison (643 Mann) das 2. Bataillon des 60. Infanterieregiments Markgraf Karl, Post zweiter Klasse, Telegraph, Kommandantur, Platzmajor, Fortifikationsbureau, Amtsgericht (Landgericht Saargemünd), Steueramt, Katasteramt, 3 Oberförstereien; kath. Dekanat, höhere kath. Schule (Institut St. Augustin), ein von den Schwestern de Ste. Chrétienne zu Metz geleitetes Mädchenpensionat, Spital, Wasserleitung, Schlachthaus und Landwirtschaft. In der Nähe Glashütten und zwei Eisen- und Stahlwerke. – Die Grafschaft B. gehörte im Mittelalter den Herzögen von Lothringen und (1297‒1570) den Pfalzgrafen von Zweibrücken-Bitsch; dann wieder lothringisch, wurde B. 1766 französisch, 1871 deutsch. Das 50 m höher auf einem Bergkegel gelegene Schloß (Bytis castrum, 1172) wurde 1624 von den Franzosen genommen, 1680 durch Vauban umgebaut, 1698 an Lothringen zurückgegeben und abgetragen. Im 17. Jahrh. war aus den Dörfern Kaltenhausen und Rohr die Stadt B. entstanden. Mit Lothringen fiel B. an Frankreich. Das 1740 abermals aufgebaute befestigte Schloß ist noch niemals eingenommen. Die Bergbefestigung besteht auf der Höhe aus einem Viereck mit Bastionen in den Winkeln, das auf der Nordwestfront durch ein Hornwerk und Ravelin verstärkt ist, und auf halber Höhe des Felskegels aus einer mit der obern vortrefflich in Verbindung gesetzten Verteidigungslinie. Bombensichere, meist in den Felsen gehauene Kasernen und Vorratsräume sowie Cisternen und ein 80 m tiefer, gedeckter Brunnen erhöhen die Verteidigungsfähigkeit. Die Stadt war durch eine bastionierte Enceinte mit drei vorgeschobenen Werken befestigt; doch ist sie jetzt als Festung auf- ^[folgende Seite]