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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bitschuanen - Bittermandelöl

gegeben, und nur die Bergcitadelle als solche mit einer Friedensbesatzung beibehalten worden. Ein Überfall, den 16. Nov. 1793 Oberst von Wartensleben mit 1600 Preußen im Einverständnis mit einem Ingenieuroffizier der Besatzung unternahm, schlug noch im letzten Augenblick fehl. Vom 11. Juli bis 30. Aug. 1815 wurde B. von den Preußen unter General Krauseneck blockiert. Während des Krieges 1870–71 war B. dem Vormarsche der deutschen Truppen vielfach hinderlich und blieb, nach vergeblicher Beschießung (8. und 23. Aug. und 11. bis 14. Sept. 1870), fortwährend eingeschlossen. Erst 3 Wochen nach Abschluß der Friedenspräliminarien (24. März 1871) wurde sie als die letzte blockierte franz. Festung und der letzte französisch gebliebene Punkt Elsaß-Lothringens den Deutschen übergeben. – Vgl. Irle, Die Festung B. (Straßb. 1887).

Bitschuānen, Bantustamm, s. Betschuanen.

Bitschweiler, Dorf im Kreis und Kanton Thann des Bezirks Oberelsaß, 3 km nordwestlich von Thann, an der Thur, im St. Amarinthale, an der Linie Mülhausen-Wesserling der Elsaß-Lothring. Eisenbahnen, 1815 noch ein kleines Dorf, hatte 1875: 2571, 1890: 2191 meist kath. E., Post, Telegraph, Maschinenfabrik, Baumwollweberei und eine Sägemühle.

Bitter, Weltersches, s. Pikrinsäure.

Bitter, Karl Hermann, preuß. Staatsmann, wurde 27. Febr. 1813 zu Schwedt a. O. geboren, studierte in Berlin und Bonn Jura und Cameralia, wurde 1846 Regierungsrat zuerst in Frankfurt a. O., später in Minden, und gehörte 1856–60 als preuß. Bevollmächtigter der Europäischen Donaukommission in Galatz an. 1860 wurde er als Oberinspektor der Rheinschiffahrt nach Mannheim berufen und 1869 zum Oberregierungsrat für die Finanzabteilung in Posen ernannt. Während des Deutsch-Französischen Krieges bekleidete er zunächst die Präfektur des Depart. Vosges und ging dann als Civilkommissar nach Nancy. Nach dem Friedensschluß wurde er als Regierungspräsident 1872 nach Schleswig, 1876 nach Düsseldorf versetzt; 1877 trat er als Unterstaatssekretär in das Ministerium des Innern und im Juli 1879 als Finanzminister und Mitglied des Bundesrats an Hobrechts Stelle. Als Hauptaufgabe seiner ministeriellen Thätigkeit betrachtete er die weitere Durchführung des mit der Zollgesetzgebung von 1879 eingeleiteten Bismarckschen Steuerreformplans, insbesondere die Stärkung der indirekten Einnahmen des Reichs durch die Einführung des Tabakmonopols sowie durch Erhöhung der Einnahmen aus dem Spiritus und aus der Braumalzsteuer. Er bewirkte die Einführung der Börsensteuer und den Abschluß des Vertrags mit der Stadt Hamburg wegen des Eintritts der letztern in das deutsche Zollgebiet, nahm an der Verstaatlichung der großen Privatbahnen in Preußen thätigen Anteil und stellte das Gleichgewicht in den Einnahmen und Ausgaben des preuß. Staates wieder her. Differenzen mit Bismarck waren die Ursache, daß er im Juni 1882 seine Entlassung nahm. 1879–82 war B. Vertreter des Wahlkreises Kreuznach-Simmern im preuß. Abgeordnetenhause. Er starb 12. Sept. 1885 in Berlin. Seine schriftstellerischen Arbeiten auf musikalischem Gebiete erfreuen sich einer wohlverdienten Anerkennung. Die bedeutendsten derselben sind: «Joh. Sebastian Bach» (2 Bde., Berl. 1865; 2. Aufl., 4 Bde., 1881), «Mozarts Don Juan und Glucks Iphigenia in Tauris» (ebd. 1866), «Karl Philipp Emanuel und Wilhelm Friedrich Bach und deren Brüder» (2 Bde., ebd. 1868), «Über Gervinus' Händel und Shakespeare» (ebd. 1869) und «Beiträge zur Geschichte des Oratoriums» (ebd. 1872). Seine «Gesammelten Schriften» erschienen 1885 (Lpz.). Während seines Aufenthaltes in Schleswig begründete er die Schleswig-Holsteinischen Musikfeste. ^[Spaltenwechsel]

Bittererde, s. Magnesia.

Bitterfeld. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Merseburg, hat 696,22 qkm, (1890) 57145 (28481 männl., 28664 weibl.) E., 5 Städte, 85 Landgemeinden und 47 Gutsbezirke. – 2) Kreisstadt im Kreis B., an der Mulde, in die hier der Lober mündet, und an den Linien Berlin-Halle, B.-Leipzig (31,30 km), Roßlau-B. (30,50 km) und B.-Stumsdorf (im Bau) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht Halle), Zoll- und Steueramtes, hat (1890) 9047 E., darunter 640 Katholiken und 16 Israeliten, Post erster Klasse, Telegraph, Mittelschule, Vorschußverein. Seit Eröffnung der Eisenbahn hat sich in und um B. eine lebhafte Industrie entwickelt. Außer Töpferei bestehen 2 Eisengießereien, 2 Maschinenbauwerkstätten, 5 Thonröhren- und Chamottefabriken sowie je 1 Fabrik für Graupen, Schmieröl, Holznägel, Feuerspritzen, Dachpappe, Teer, Pappe; ferner 10 Braunkohlengruben, 7 Briquettesfabriken, 13 Ziegeleien, 2 große Wassermühlen, 1 Dampfschneidemühle und wöchentlicher Getreidemarkt. – Die Stadt verdankt ihren Ursprung einer Kolonie aus Flandern, die sich 1153 hier niederließ, wurde 1476 vom Landgrafen Dietrich von Meißen erobert, gehörte dann zu Sachsen und fiel 1815 an Preußen.

^[Abb. Wappen von Bitterfeld]

Bitterholz, Arzneimittel, s. Quassia.

Bitterkalk, s. Dolomit.

Bitterklee, s. Menyanthes.

Bitterkleesalz, eine irrtümliche und wegen der leichten Verwechselung des Namens mit Bittersalz (s. d.) höchst gefährliche Bezeichnung des giftig wirkenden Sauerkleesalzes (oxalsaures Kalium, s. Oxalsaure Salze). Infolge solcher Verwechselungen ist das sog. B. schon oft anstatt Bittersalz eingenommen worden und hat Vergiftung bewirkt.

Bitterkresse, s. Cardamine.

Bitterling (Rhodeus amurus B.), ein kleiner, bis 10 cm lang werdender, zu der Familie der Karpfen gehöriger Fisch der süßen Gewässer Mitteleuropas, der sich durch seine gedrungene Gestalt, ganz besonders aber durch seine seltsame Fortpflanzung auszeichnet. Das Weibchen bekommt nämlich eine fleischige Legeröhre, welche die Länge des Körpers erreicht, und die sich zur Zeit der Eiablage entwickelt. Mittels dieser Legeröhre bringt es seine großen, 3 mm messenden Eier in die Kiemenfächer der Flußmuscheln (Unio), in welchen sich dieselben entwickeln. Das Männchen mit prächtigem Hochzeitskleide gewöhnt, wie Beobachtungen in Aquarien lehren, die Muscheln durch häufiges Anstoßen mit dem Maule an den anfangs ungewohnten Reiz, sodaß diese die Schalen nicht mehr schließen, wenn das Weibchen die Legeröhre einbringt. Das Fleisch schmeckt sehr bitter.

Bittermandelöl, Benzaldehyd, der einfachste Aldehyd der aromatischen Reihe: C6H5·CHO ^[C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>·CHO]. Es