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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bjélgorod; Bjelina; Bjelínskij; Bjelo; Bjéloje Osero; Bjéloosero; Bjelopáschzy; Bjelopólje; Bjelósero; Bjelosérsk; Bjelostók

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Bjelgorod (in Bessarabien) - Bjelostok

nördl. Donez und der Privateisenbahn Kursk-Charkow, in schöner Lage an einem malerischen Kreideberge, ist ein alter Ort, in welchem sich bereits der kleinruss. Charakter der Bauart bemerklich macht, und Sitz eines Bischofs. B. hat (1890) 22940 E., in Garnison die 31. Feldartilleriebrigade, 17 Kirchen, 2 Klöster, 1 geistliches Seminar, 1 Gymnasium, 1 Mädchengymnasium, 1 Lehrerinstitut, Fabrikation berühmter Wachskerzen, 1 Bank und beträchtlichen Handel. - B. wurde 1593 als Festung gegen die Krimschen Tataren gegründet, und von hier aus im Anfang des 17. Jahrh. die sog. Bjelgoroder Linie (eine Reihe von Festungen und Verhauen) bis zur Oka und zum Don angelegt. 1708 ward B. Hauptstadt einer Provinz des Gouvernements Kiew, 1779 Kreisstadt und bald darauf der Festungscharakter aufgehoben.

Bjélgorod, slaw. Name für Akjerman (s. d.).

Bjelina, Hauptstadt des Bezirks B. (1885: 844,6 qkm, 38455 E., 1 Stadt, 1 Markt und 62 Dörfer) im Kreis Dolnja Tuzla in Bosnien, links der Drina, in 122 m Höhe, auf dem ausgedehnten Adlerfeld (Orlovo polje), im nordöstl. Teile von Bosnien, nahe der serb. Grenze, hat (1885) 7807 E., darunter 5491 Mohammedaner, 1765 orient. Orthodoxe, 238 Katholiken und 293 Israeliten; in Garnison das 28. ungar. Jägerbataillon und die 3. Eskadron des 3. ungar. Husarenregiments "Graf von Hadik"; Landwirtschaft und Handel.

Bjelínskij, Wissarion Grigorjewitsch, russ. Kritiker, geb. 11. Juni (30. Mai) 1810 in Sveaberg als Sohn eines Kreisphysikus, besuchte das Gymnasium zu Pensa, bezog 1831 die Universität Moskau, wurde 1832 "wegen Unfähigkeit" relegiert und erwarb seinen Unterhalt durch journalistische Arbeiten. Durch seine Beziehungen zum studentisch-litterar. Kreis Stankewitschs wurde er mit der Schellingschen Philosophie bekannt, vervollständigte durch eigenes Studium seine ästhetischen, litterar. und sprachlichen Kenntnisse und schrieb 1834 für die Zeitschrift "Molva" eine Aufsehen erregende kritische Übersicht über die russ. Litteratur seit dem 18. Jahrh. in einer Reihe von Artikeln u. d. T. "Litterar. Phantasien, eine Elegie in Prosa". Später wurde er durch Stankewitschs Einfluß Hegelianer. 1834-36 war er Mitarbeiter am "Teleskop"; unter anderm schrieb er für dieses Blatt "Über die russ. Erzählung und die Erzählungen Gogols". 1838 übernahm er die Redaktion des "Moskauer Beobachters", der 1839 einging, und war dann Mitarbeiter an den "Vaterländischen Memoiren" in Petersburg. Er interessierte sich lebhaft für sociale Fragen und schloß Freundschaft mit Bakunin. 1841 schrieb er eine Reihe von Abhandlungen über Volkslitteratur, 1846 den letzten der 11 Artikel über Puschkin (Bd. 8 seiner Werke). In dieser Zeit stand er auf dem Höhepunkt seiner Thätigkeit, um ihn scharten sich alle bedeutenden jungen Schriftsteller (Turgenjew, Gontscharow, Nekrasow u. s. w.). 1846 reiste er seiner Gesundheit wegen nach Südrußland und wurde nach seiner Rückkehr Mitarbeiter am Nekrasowschen "Zeitgenossen", wo er Verfechter der sog. "natürlichen Schule" war, als deren Begründer ihm Gogol galt. Seine beste Arbeit aus dieser Zeit ist die "Übersicht über die russ. Litteratur des Jahres 1847" (1848). Im Frühjahr 1847 ging er zur Herstellung seiner Gesundheit ins Ausland, starb aber nach seiner Rückkehr 9. Juni (28. Mai) 1848 in Petersburg. Seine gesammelten Werke erschienen in 12 Bänden Moskau 1859-62 u. ö.). - Vgl. A. Pypin, B., sein Leben und Briefwechsel (russisch, 2 Bde., Petersb. 1876).

Bjelo..., Belo..., in slaw. Namen soviel wie Weiß... (s. Bjel).

Bjéloje Osero, s. Bjeloosero.

Bjéloosero, auch Bjelosero, eigentlich Bjeloje Osero (d. i. "Weißer See"), See im NO. des russ. Gouvernements Nowgorod mit 1125 qkm Flächenraum, bildet ein Glied des Mariinschen Kanalsystems, nimmt die Kowscha und Kelma auf, und ihm entströmt die Scheksna. Um die Untiefen am Ausfluß der letztern zu umgehen, ist an der südöstl. Seite des B. der Bjeloserskische Kanal (66 km) angelegt. Der See ist sehr fischreich.

Bjelopáschzy ("Weißpflüger") hießen früher in Rußland die Bauern, die kraft besonderer zarischer Ukase von der Entrichtung der Abgaben befreit waren. Besonders werden so genannt die Bewohner des Dorfes Korobowo im Gouvernement Kostroma, die von Iwan Sussanin (s. d.) abstammen.

Bjelopólje, Stadt im Kreis Sumy des russ. Gouvernements Charkow, 248 km im NW. von Charkow, an den Flüssen Wyra und Kryga und an der Sumylinie (Merefa-Woroshba) der Staatsbahn Charkow-Nikolajew, hat (1890) 12803 E. (Kleinrussen), 6 Kirchen, Handel mit Getreide, Fischen und Erzeugnissen des Waldes. B., 1672 gegründet, war 1780-97 Kreisstadt der Slobodischen Ukraine.

Bjelósero, s. Bjeloosero.

Bjelosérsk. 1) Kreis im NO. des russ. Gouvernements Nowgorod, hat 15725,6 qkm, zahlreiche Seen, Sümpfe und Flüsse, und 73751 E., Russen und russifizierte Karelen. - 2) Kreisstadt im Kreis B., südlich am Bjeloosero und am Bjeloserskischen Kanal, hat (1889) 4561 E., Post, Telegraph, 17 Kirchen, 1 Mädchenprogymnasium, Schiffahrt, Fischerei und Spitzenklöppelei. Im Hafen am Bjeloserskischen Kanal wurden (1888) Waren für 100000 Rubel verladen. In der Nähe Steinkohlen und Schwefelkiesgruben mit Schwefelfabrik. Etwa 18 km von B. lag im 9. Jahrh. das alte B. (Bjeloosero), wo der Bruder Ruriks, Sineus, seinen Sitz hatte. B. war 1237 Residenz des Bjeloserskischen Teilfürstentums, kam 1486 zu Moskau und ist seit 1776 Kreisstadt.

Bjelostók, Bialystok, poln. Białystok 1) Kreis im W. des russ. Gouvernements Grodno, hat 2904 qkm mit 108791 E. - 2) Kreisstadt im Kreis B., an der Biala und an den Linien Petersburg-Warschau der Großen Russ. Eisenbahn, Brest-Litowsk-Grajewo (Zweigbahn Starossjelzy-B.) der Südwestbahn, Baranowitschi-B. der Poljessje-Bahn, hat (1889) 56611 E., darunter gegen 60 Proz. Israeliten, in Garnison den Stab der 16. Infanteriedivision und deren 1. Brigade sowie der 4. Kavalleriedivision und deren 1. Brigade, 61. und 64. Infanterieregiment, 10. Dragonerregiment, 7. und 8. Reitende Batterie, ein schönes Schloß des Grafen Branicki mit Park (weshalb B. das "Podlachische Versailles" genannt wird), gutgebaute Straßen mit einstöckigen Backsteinhäusern, einen geräumigen Marktplatz und eine Kaufhalle mit Turm, je 1 russ., kath., evang. Kirche, 2 Synagogen, 16 jüd. Bethäuser, 1 Realschule, 1 adliges Fräuleinstift, zahlreiche Fabriken, darunter 19 Woll- und Tuchfabriken, besuchte Märkte und bedeutenden Handel mit Getreide, Holz und Manufakten. - B., im 14. Jahrh. gegründet, wurde 1749 Stadt, kam 1795 an Preußen (als Hauptstadt des Kammerdepartements Bialystok der Provinz Neuostpreußen), 1807 an Rußland und ist seit 1842 Kreisstadt.