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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bjelowjesher Heide; Bjelsk; Bjelúcha; Bjelúga; Bjelyj; Bjelzy; Bjerre; Bjeshezk; Björck; Björneborg; Björnson

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Bjelowjesher Heide - Björnson

Bjelowjesher Heide oder Bialowiezer (nicht: Bialowiczer) Heide (russ. Bělowěžskaja pušča), ein größtenteils der russ. Krone gehöriger, jetzt künstlich erhaltener Urwald, im Kreise Prushany und zum Teil auch in den benachbarten Kreisen des russ. Gouvernements Grodno, bedeckt ein Hügelland mit vielen Sümpfen, das die Wasserscheide zwischen dem Njemen, Bug und Pripet bildet, und umfaßt 901,4, mit den zugehörigen Ländereien 1148 qkm. Der Boden ist sandig und lehmig. Der Fluß Narewka teilt die Heide in einen nordöstl. und in einen südwestl. Teil; weitere Flüsse sind die Ljesna, Bjelaja, Jasolda, Swilotsch. Der Wald besteht zum größten Teil aus Kiefern (40 Proz., Rottanne 20 Proz., Eichen 3 Proz.) und ist in fünf Förstereien geteilt, zu denen mehrere Dörfer gehören. Nur hier in Europa kommt noch der Wisent vor; 1872 wurden 528 Stück gezählt. - Im Altertum wohnten in der B. H. die Jatwjagen; schon im 14. und 15. Jahrh. wurden hier von den poln. Königen Jagden veranstaltet. Ende des 16. Jahrh. befand sich daselbst ein königl. Jagdschloß, Biała wieża, d. i. Weiße Warte genannt, das wahrscheinlich dem Walde und dem darin liegenden Dorfe Bjelowjesh (poln. Białowież) den Namen gegeben hat. - Vgl. Brinken, Mémoire descriptive sur la forêt impériale de B. (Warschau 1826); Arsenief, Fahrt in den Bjelowjesher Wald (im "Ausland" 1845, Nr. 20).

Bjelsk. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Grodno, hat 3562,2 qkm, 156900 E., Ackerbau, Gartenbau und Tuchfabriken. - 2) Kreisstadt im Kreis B., an der zum Narew gehenden Bjeljanka und an der Linie Brest-Litowsk-Grajewo der Russ. Südwestbahn, hat (1889) 7012 E. (über die Hälfte Israeliten), Post, Telegraph, in Garnison das 12. Infanterieregiment, 4 russ., 1 kath. Kirche, 2 jüd. Bethäuser, 5 Jahrmärkte sowie Ruinen eines Schlosses der poln. Könige. - B. wurde 1501 Hauptstadt des Bjelsker Landes, kam 1795 zu Preußen, 1807 an Rußland, und ist seit 1842 Kreisstadt.

Bjelúcha, Berg im Altai (s. d.).

Bjelúga (russ.), Fisch, s. Hausen.

Bjelyj. 1) Kreis im nördl. Teil des russ. Gouvernements Smolensk, hat 11010,3 qkm mit 117511 E., Russen und Weißrussen, Viehzucht, spärlichen Ackerbau. - 2) Kreisstadt im Kreis B., an der schiffbaren Obscha, hat (1889) 9199 E., Post, Telegraph, 5 Kirchen, 1 Progymnasium, 2 Schulen und Schiffbau. - B., anfangs zu Litauen gehörig, kam 1669 zu Rußland, wurde 1769 Kreisstadt der Statthalterschaft Kiew, 1776 des Gouvernements Smolensk.

Bjelzy. 1) Kreis im nordwestl. Teil des russ. Gouvernements Bessarabien, hat 5543,4 qkm mit 147438 E., davon 86,1 Proz. Rumänen, 7,5 Proz. Russen und Kleinrussen, 6,4 Proz. Israeliten, beträchtlichen Ackerbau und Viehzucht, auch Tabak-, Garten- und Weinbau. Der Kreis B. hieß bis 1887 der Jassysche Kreis (russ. Jasskij ujězd). - 2) Kreisstadt im Kreis B., 67 km im NNO. von Jassy in Rumänien, 134 km im NW. von Kischinew, in kahler Steppengegend am Einflusse des Reuzel in den Reut, hat (1889) 10057 E., meist Rumänen und Israeliten, in Garnison die 1. Donische Kosakenbatterie, 1 griech., 2 kath. Kirchen, 1 Synagoge, 7 jüd. Bethäuser, 1 Kreis-, 1 jüd. Schule ersten Ranges, große Märkte für Hornvieh, das nach Rumänien und Österreich-Ungarn verkauft wird. - B., früher zur Moldau gehörig, kam 1812 zu Rußland und wurde 1818 Kreisstadt.

Bjerre, Nebenfluß des Kongo, s. Aruwimi.

Bjeshezk. 1) Kreis im nordöstl. Teil des russ. Gouvernements Twer, hat 8441,1 qkm mit 229510 E., Russen, darunter 35000 Karelen; Ackerbau, Viehzucht, Fabrikation von Nägeln und landwirtschaftlichen Geräten. - 2) Kreisstadt im Kreis B., rechts der Mologa, an der Mündung der Ostretschina in dieselbe und an der Eisenbahn Rybinsk-Bologoje, mit der Vorstadt Schtab, hat (1889) 6665 E., Post, 13 Kirchen, 4 Schulen, Sackfabrikation, Handel mit Getreide, Flachs, Fellen und Borsten. - B. war im Altertum Sitz der Bjeshezkischen Pjatina von Nowgorod-Welikij, kam 1485 zu Moskau, 1775 zum Gouvernement Twer.

Björck, Gustav Oskar, schwed. Maler, geb. 1860 in Stockholm, Schüler der dortigen Akademie, später in München, Venedig, Rom und Paris ausgebildet, war besonders als Porträtmaler thätig, hat aber daneben die verschiedensten Gegenstände behandelt. Er ist seit 1889 Mitglied der Stockholmer Akademie, deren gemeinsamer Zug die Vorliebe für Beleuchtungseffekte ist. Von seinen Werken sind zu nennen: Bildnis seiner Frau, des Kultusministers Wennerberg, Susanna (Gotenburg), Notschuß (Kopenhagen), Röm. Schmiede (Amerika), Venet. Markthalle (Stockholm), Kuhstall (Stockholm).

Björneborg, finn. Pori, Stadt im Kreis Nieder-Satakunta des finn. Län Åbo-Björneborg, am Südufer der Kumo-Elf, 25 km von deren Mündung, eine der ältesten und wichtigsten Handels- und Fabrikstädte Finlands, Sitz eines deutschen Konsuls, hat (1891) 9077 E., got. Kirche und Turm, 1863 erbautes neues Rathaus auf einer Höhe am Flußufer, neues Theater, mehrere Fabriken und mechan. Werkstätten, Ziegeleien, Gerbereien, Schiffbau, Einfuhr von Salz, Getreide und Eisen und bedeutenden Lachsfang sowie Dampferverbindung nach dem Hafen auf der 33 km entfernten Insel Råfsö (Seebad).

Björnson, Björnstjerne, norweg. Dichter, geb. 8. Dez. 1832 zu Kvikne in Österdalen, in einsam wildem Berglande, wo sein Vater Pfarrer war, besuchte die Mittel- und Realschule zu Molde und seit 1852 die Universität zu Kristiania, wo er die litterar. Thätigkeit mit Recensionen und feuilletonistischen Skizzen begann. Nachdem er 1857-59 als Theaterdirektor in Bergen gewirkt hatte, trat er kurze Zeit in die Redaktion des "Aftenbladet" in Kristiania. Die drei Dorfgeschichten und Idyllen "Synnöve Solbakken" (1857), "Arne" (1858) und "Englad Gut" (1860; "Ein frischer Bursche") begründeten seinen Ruf (deutsch von Helms u. d. T. "Aus Norwegens Hochlanden", 3 Bdchn., Berl. 1861-62; von Lobedanz als "Bauernnovellen", Hildburgh. 1865). Gleichzeitig versuchte er sich erfolgreich im Drama mit "Halte Hulda", "Mellem Slagene" (1858; "Zwischen den Schlachten"), "Kong Sverre" (1861) und der Trilogie "Sigurd Slembe" (1862). Er stand mit diesen Werken im dän.-norweg. Schrifttum ganz selbständig da. Von ihnen sind "Hulda", "Zwischen den Schlachten" und "Sigurd" als "Dramat. Werke" (3 Bde., Hildburgh. 1866) von Lobedanz verdeutscht. 1860-63 bereiste B. Italien, Deutschland und Frankreich, übernahm (1865-67) die Leitung des Theaters zu Kristiania und gab seit 1866 die illustrierte Zeitung "Norsk Folkeblad" heraus. Einige Jahre war er auch Mitredacteur der in Kopenhagen erscheinenden Zeitschrift "For Idé og Virkelighed", hielt 1871-72 in schwed. und norweg. Städten, später auch in Amerika Vorlesungen, brachte die