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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blattgold; Blattgrün; Blatthonig; Blatthornkäfer; Blattkäfer

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Blattgold – Blattkäfer

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Blattfüßer'

und in einer besondern Schutzhülle im Schlamm überwintern, um im nächsten Frühlinge wieder die ungeschlechtlich durch Sommereier sich fortpflanzende Generation zu liefern. In dieser eigentümlichen Fortpflanzungsweise liegt ein doppelter Schutz für diese Tiere, indem die außerordentlich starke Vermehrung während des Sommers die Verluste durch die zahlreichen Feinde, die Produktion der Dauereier die Gefahren der Eintrocknung und Überwinterung auszugleichen bestimmt ist.

Blattgold oder geschlagenes Feingold ist ein Fabrikat der Goldschlägerei. Die Arbeit des Goldschlagens beginnt mit dem Ausgießen des Goldes zu einem Stäbchen oder Zain. Der Goldschläger verwendet das Gold in der Regel ganz rein, und zwar in Form von Scheidegold, weil es dann die größte Dehnbarkeit besitzt. Doch kommt es hierbei auf die Sorte des zu erzeugenden Fabrikats an. Ordinäres B. schlägt man ans Legierungen von Gold mit 5/16 Silber und 1/16 Kupfer. Das sog. Parisergold oder Franzgold wird entweder bloß mit Silber oder mit 1/20 Silber und 1/80 Kupfer legiert. Das rote Gold wird bloß mit Kupfer legiert. Der Zain von 70 bis 140 g Gewicht wird mehreremal abwechselnd geglüht und kalt ausgeschmiedet. Dann folgt das Walzen zu Goldblech. Der ausgeschmiedete Zain läuft hierbei zwischen zwei Walzen hindurch, die man mittels Stellschrauben nach und nach immer enger zusammenstellt. Die letzte Arbeit ist das Goldschlagen. Dieses geschieht mit dem Hammer auf einem glattpolierten Amboß von Marmor oder Granit, wobei die Goldblättchen die ersten beiden Male durch Pergamentblätter (Pergamentformen), die übrigen beiden Male durch Goldschlägerhaut (s. d., die Hautformen) getrennt sind. Die quadratischen Stücke (Quartiere) erlangen durch das Hämmern jedesmal eine Seitenlänge von 12 cm und werden darauf durch kreuzweisen Schnitt in 4 Quadrate von 6 cm Seitenlänge geteilt. Da man 4 Formen anwendet, so entstehen aus jedem Goldplättchen schließlich 256 dünne Blättchen. Das fertige Produkt faßt man mit kleinen hölzernen Zangen und legt es zwischen Seidenpapier, das die Blätter eines kleinen Buches von 6 cm im Quadrat bildet; das Papier ist, um das Hängenbleiben des Goldes zu verhindern, mit Bolus oder Rötel eingerieben. Die Dicke der Blättchen ergiebt sich zu etwa 1/7000 bis 1/9000 mm. Die dickste Sorte B. ist das sog. Fabrikgold, das zum Vergolden des Silberdrahts und Plombieren der Zähne benutzt wird, und von dem 4 Blätter zu je 12 cm Länge und Breite so schwer wie ein Dukaten sind. Der Abfall vom B. heißt Krätze oder Schawine; er beträgt fast die Hälfte des ganzen verwendeten Stück Goldes und wird wieder eingeschmolzen. Der Abfall vom dünnsten Golde dient zerrieben als Malergold (Goldbronze, Muschelgold, s. d.). Eine besondere Sorte B. entsteht, wenn man auf Blattsilber, das in der zweiten Pergamentform geschlagen ist, B., das schon in der ersten Hautform geschlagen, also viel dünner ist als das Silber, legt und diese Doppelplatte weiter schlägt: sie ist dann einerseits Silber, andererseits Gold und heißt Zwischgold. Das unechte B. endlich wird aus Tombak geschlagen.

Ganz auf dieselbe Weise wie B. entstehen andere Blattmetalle wie echtes Blattsilber, Blattplatin und unechtes Blattsilber, das aus Zinn oder mit Zink und Antimon legiertem Zinn geschlagen wird. Neuerlich kommt auch Blattaluminium ↔ vor. Mit Blattmetall im engern Sinne bezeichnet man sonst alle unechten und die mit unechten stark legierten echten zu Blättern geschlagenen Metalle. Die Verwendung aller dieser Fabrikate zum Vergolden und Versilbern des Holzwerks, in der Portefeuillefabrikation und Buchbinderei u. s. w. ist bekannt. In neuerer Zeit hat man anstatt der Handhämmer Schlagemaschinen eingeführt, die eine Mehrleistung erzielen. Die wichtigsten Fabrikationsplätze für echte und unechte Blattmetalle sind Nürnberg, Fürth, Dresden und Berlin. Die Ausfuhr von Blattmetall aus Deutschland belief sich 1890 auf 106900 kg im Werte von 320700 M., die Einfuhr auf nur 2100 kg im Werte von 63000 M.

Blattgrün, s. Chlorophyll.

Blatthonig, s. Honigtau.

Blatthornkäfer, Blatthörner (Lamellicornia), heißt eine in etwa 7000 Arten über die ganze Erde (zwischen den Wendekreisen in großer Häufigkeit) verbreitete Käferfamilie, in welcher sich die größten und auffallendsten Formen der ganzen Ordnung finden (Gattung Dynastes, s. Nashornkäfer). Die sieben- bis elfgliedrigen Fühler bilden eine quergestreckte Keule, die seitlich stehenden Augen sind durch den Wangenrand mehr oder weniger geteilt, und die Beine, wenigstens die vordern, besitzen eine bei Männchen nur in wenigen Ausnahmen, bei Weibchen nie fehlende mit Dornen bewehrte, zum Graben eingerichtete Schiene, welche die Tiere zum Bergen ihrer Eier gebrauchen. Am Kopf und Hals der Männchen finden sich vielfach sehr merkwürdig gestaltete Hörner und Zacken. Die Käfer nähren sich von Pflanzenstoffen oder von Dünger, wenige auch von toten Tieren. Die sechsbeinigen, mit ziemlich langen Fühlern versehenen Larven, deren typische Gestalt durch den Engerling der Maikäfer repräsentiert wird, leben an Wurzeln, im Holze oder im Dünger, einige auch in den Nestern der Ameisen (Cetonia).

Blattkäfer (Chrysomelidae), eine gattungs- und artenreiche Familie kleiner, meist sehr lebhaft, oft metallisch gefärbter Käfer, von denen man gegenwärtig über 10000 Arten kennt, mit perlschnurförmigen Fühlern und nur vier Gliedern an dem letzten Fußgliede, die häufig eine stark gewölbte Körpergestalt und zum Sprunge eingerichtete kurze, verdickte Hinterfüße haben. Die mit deutlich entwickelten Beinen versehenen Larven sind, falls sie dem Lichte ausgesetzt sind, ziemlich intensiv gefärbt. Sie leben größtenteils auf der Oberfläche phanerogamischer Gewächse, deren saftreiche Teile sie verzehren. Viele dieser Larven haben die Eigentümlichkeit, ihre Exkremente zum Schutz für ihren Körper aufzutürmen oder sie zur Anfertigung von Gehäusen zu verwenden. Von den Einheimischen sind viele arge Verwüster zahlreicher Garten- und Feldpflanzen. Zu den nichtspringenden gehören der goldgrüne Ampferkäfer (Chrysomela s. Gastrophysa raphani Fab.), die Furchtkäfer (Galleruca) auf Schneeballen (Galleruca viburni Payk.) und Ulmen (Galleruca xanthomelaena Schr.), der Lilienpfeifer (Crioceris merdigera L.), feuerrot, unten schwarz, der, zwischen den Fingern gehalten, einen pfeifenden Ton von sich giebt, und dessen Larve verschiedene Liliengewächse frißt, sowie die ähnlichen, gefleckten Spargelkäfer (Crioceris asparagi L. und duodecimpunctata L.). Verwandt ist die Gattung der Rohrhähnchen ( Donacia, s. d.). Zu den springenden B. gehören die Erdflöhe (s. d.). Sehr bekannt wurde

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 90.