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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blaue Grotte - Blaufelchen

nem Quarzsand und Glimmer, führt häufig Schwefelkies und Reste bituminösen Holzes. Als charakteristische Versteinerungen aus ihr sind kleine Taschenkrebse, Coeloma baltica Schl., und große Hummern, Hoploparia Klebsii Nœd., beschrieben worden.

Blaue Grotte (ital. Grotta azzurra), eine Höhle auf der Nordseite der ital. Insel Capri, 54 m lang, 30 m breit, bis 13 m hoch, wurde 1826 angeblich von den Malern Ernst Fries und August Kopisch wieder entdeckt. Der Eingang ist kaum 1 m hoch, sodaß man nur bei ruhigem Wetter schwimmend oder im Nachen liegend in die Grotte gelangen kann. Diese besitzt innen stets ruhiges, bis auf den 15 m tiefen weißen Boden durchsichtiges Wasser und eine gemäßigte Temperatur, erhält bloß aus der gewundenen Öffnung des Eingangs etwas Licht und erscheint für den Eintretenden anfangs finster, bis sich das Auge an das geheimnisvolle Halbdunkel gewöhnt hat, um das magische lasurblaue Licht zu genießen, das alle Gegenstände des mit Stalaktiten bedeckten Innern überströmt. Alle ins Wasser getauchten Gegenstände glänzen wie Silber. Noch finden sich Reste einer alten Treppe, durch welche die Grotte vielleicht mit der Villa Damecuta des Tiberius in Verbindung stand. Eine ähnliche B. G. befindet sich auf der Insel Busi (s. d.).

Blaue Kette, s. Appalachen.

Blauelster (Cyanopolius Bp.), Vogelgattung, in Gestalt und Betragen den gewöhnlichen Elstern gleichend. Zwei Arten kommen in Spanien und dem nördl. Asien vor, von denen die spanische B. (Cyanopolius Cooki Bp.) die bekannteste ist. Sie bildet einen Schmuck unserer Vogelhäuser und hält sich bei Weichfutter, dem gehacktes Fleisch zugesetzt ist, jahrelang. Das Stück kostet etwa 12 M.

Blauen oder Bläuen, Verfahren, das durch Zusatz einer geringen Menge eines blauen Farbstoffs andere, namentlich gelbe Farbstoffe, die gewissen Stoffen anhängen, schwer zu beseitigen sind und deren Aussehen unschön machen, zu verdecken bezweckt; so werden z. B. weiße Gewebe von Seide, Wolle, Leinen, Baumwolle, Kleidungsstücke, Wäsche, Papier, Zucker gebläut. Der Zusatz der blauen Farbe soll immer so bemessen sein, daß diese nicht selbst vortritt, sondern nur gerade den gelblichen Ton aufhebt. Als Material verwendet man vorzugsweise Ultramarin, aus dem die sog. Waschkugeln geformt werden; die Benutzung des Ultramarins zum B. des Zuckers ist durch die Verfügung des Reichs-Gesundheitsamtes gestattet und fällt daher nicht unter die Verfälschung von Nahrungsmitteln.

Blauen, ein Hauptgipfel des südl. Schwarzwaldes, im Großherzogtum Baden, unweit Badenweiler, von wo eine fahrbare Straße zu ihm hinaufführt. Auf seinem Gipfel (1167 m) hat man ein prächtiges Alpenpanorama vom Tödi bis zu den Berner Alpen, bisweilen bis zum Montblanc.

Blauenberg, Kette des nördl. Schweizerjuras, südwestlich von Basel, nördlich von dem bernischen Städtchen Laufen an der Birs, erstreckt sich zwischen dem Birsig und der Birs 12 km von W. nach O. Der westl. Teil, der Brunnenberg, erhebt sich zu 878 m, der mittlere, der eigentliche B., zu 836 m. Südöstlich von ihrem zusammenhängenden, dicht bewaldeten Kamme schiebt sich der Eggberg (689 m) mit seinen ruinengekrönten Vorbergen bis dicht an die Birs vor und bildet mit der gegenüberliegenden Jurakette die malerische Klus von Pfeffingen, durch welche die Birs in ihre unterste Thalstufe hinaustritt. Nach W. läßt sich die Kette des B. unter wechselnden Namen (Rämel, Glaßberg u. s. w.) der elsäss.-schweiz. Grenze nach bis Lützel verfolgen. Überall trägt er den Charakter eines langgestreckten, einförmigen bewaldeten Bergzugs mit hochgelegenen Dörfern, Berghöfen und Burgruinen.

Blaue Pillen, s. Blue pills.

Blauer Husten, s. Keuchhusten.

Blauer Karmīn, s. Indigblauschwefelsäuren.

Blauer Montag, ursprünglich der Montag vor Anfang der Fasten, vom Volke so genannt von der in der Kirche mit diesem Tage beginnenden blauen (violetten) Bekleidung des Altars. Weil dieser Tag gewöhnlich zur Nachfeier der Festlichkeiten des letzten Sonntags vor den Fasten benutzt wurde, übertrug man die Bezeichnung figürlich auf jeden Montag, den man zum Feiertag machte, d. h. an dem man nicht arbeitete. Eine andere Erklärung leitet blau vom althochdeutschen bliuwan (bleuen, prügeln) ab. Danach wäre der Fastnachtsmontag der Prügelmontag, an dem besonders viele Schlägereien vorkamen. Gegen den B. M. wurden vom 12. Jahrh. bis jetzt viele vergebliche Verbote erlassen. Andere Bezeichnungen sind "Guter Montag" (jetzt noch am Oberrhein) und "Hirsenmontag" (Schweiz).

Blauer Nil, östl. Quellfluß des Nils (s. d.).

Blaues Blut, soviel wie vornehm adliges Blut; der Ausdruck soll zur Maurenzeit in Spanien ("sangre azul") aufgekommen sein, wo die weiße Haut der westgot. Edeln mit ihren bläulich hindurchschimmernden Adern von der dunkeln Hautfarbe der Mauren besonders abstach.

Blaues Kreuz, Verein zur Bekämpfung der Trunksucht und zur Beförderung der Mäßigkeit, wurde 21. Sept. 1877 im Anschluß an den Kongreß zur Hebung der Sittlichkeit in Genf von Pfarrer L. L. Rochat begründet, von Pfarrer Bouvet in der deutschen Schweiz verbreitet und von danach Deutschland übertragen. 1888 zählte man 167 organisierte und 41 Hilfsvereine; in Deutschland (1889) finden sich 27 Vereine, davon 3 in Berlin, 10 in Rheinland-Westfalen. Das B. K. verpflichtet Trinker und Schwache zu gänzlicher Enthaltung von allen geistigen Getränken. Die Mitglieder müssen ihr Gelübde schriftlich einreichen, vorbehalten bleibt nur der Wein beim Abendmahlsgenuß und auf ärztliche Verordnung. Junge Leute unter 16 Jahren, die das Gelübde unterschreiben, bilden den Hoffnungsbund, die Hilfskomitees leisten Beistand zur Aufrichtung der Gefallenen und ermuntern die Gefährdeten zum Eintritt in den Verein, der 1886 die in La Chaux de Fonds beschlossenen internationalen Statuten annahm. Er ist politisch und kirchlich neutral, wenn er auch das religiös-erziehliche Moment stark betont. Durch Vorträge, Hausbesuche, Schriftenverbreitung, Vorbild der Mitglieder, Gründung von Kaffeehallen sucht er auf weitere Kreise zu wirken. Vereinsorgane sind: "Der Illustrierte Arbeiterfreund" und "Der Kalender des B. K." (Bern, seit 1883). - Vgl. Martius, Das Rote und das B. K. (Lpz. 1887); ders., Die jetzigen deutschen Mäßigkeitsbestrebungen (Gütersloh 1888).

Blaues Meer, s. Aralsee.

Blaufärben, s. Färberei.

Blaufarbenwerke, Anstalten, in denen aus den Kobalterzen und kobalthaltigen Produkten die Smalte (s. d.) bereitet wird.

Blaufelchen, Renke, Gangfisch, Balchen, Albock (Coregonus Wartmanni Bl.), eine Renkenart, die sich durch die gestreckte und senkrecht abge-^[folgende Seite]