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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blausalz - Blausucht

Betrieb der luth. Eiferer aus dem württemb. Kirchendienste entlassen. Von Konstanz aus machte er sich noch um die Kirchenverbesserung in mehrern oberdeutschen Städten, wie Isny, Lindau und Augsburg verdient. Die Not des Interims zwang ihn, eine Zufluchtsstätte in der Schweiz zu suchen, wo er als Prediger in Winterthur 6. Dez. 1564 starb. Außer sehr zahlreichen, historisch wichtigen Briefen ist eine Anzahl kleinerer reformatorischer Schriften von ihm vorhanden. - Vgl. die Biographien B.s von Keim (Stuttg. 1860) und Pressel (Elberf. 1861).

Blausalz, s. Blutlaugensalz, gelbes.

Blausäure, Cyanwasserstoffsäure, Formonitril (Acidum hydrocyanicum oder borussicum), ist im wasserfreien Zustande eine farblose, sehr bewegliche Flüssigkeit von starkem bittermandelartigem Geruch, die schon bei 26,5° C. siedet und bei -15° erstarrt. Die Dichte der flüssigen Säure ist 0,705 bei +7°. Sie brennt mit schwach violett gefärbter Flamme und ist in jedem Verhältnis mit Wasser und Weingeist mischbar. Sie besteht aus Wasserstoff, verbunden mit dem Radikal Cyan (s. d.), ihre chem. Formel ist HCN oder HCy. Zur Darstellung der wasserfreien Säure versetzt man in einem Destillationsgefäße 10 Teile gelbes Blutlaugensalz (s. d.) mit einer erkalteten Mischung von 7 Teilen Schwefelsäure und 14 Teilen Wasser, verbindet den Apparat mit einem größern, mit geschmolzenem Chlorcalcium gefüllten Gefäß, das in Wasser von 30° C. eingesenkt ist, und läßt die hieraus entweichenden Dämpfe in einen mit einer Kältemischung umgebenen Cylinder treten. In dem Chlorcalciumgefäße werden die Wasserdämpfe zurückgehalten, die B. verdichtet sich in dem abgekühlten Cylinder. Die wässerige Säure erhält man durch Destillation obiger Mischung mit größerm Wasserzusatz, ohne Einschaltung des Chlorcalciumgefäßes. Bei der Darstellung der B., namentlich der wasserfreien, muß die größte Vorsicht angewendet werden, weil sie unter die stärksten Gifte gehört. Die heftige Wirkung zeigt sich nicht nur, wenn B. in den Magen gelangt, sondern auch wenn sie durch eine Wunde in unmittelbare Berührung mit dem Blute kommt, oder die Dämpfe derselben eingeatmet werden. Der eigentümliche und übereinstimmende Geschmack der bittern Mandeln, Pfirsich-, Pflaumen-, Kirsch- und andern Fruchtkerne von Pflanzen, die zu der Gattung Prunus und Amygdalus gehören, rührt von der B. her, die aus dem in den genannten Pflanzenteilen enthaltenen Amygdalin (s. d.) unter Einwirkung von Wasser und Emulsin entsteht. Die B. ist auch die Ursache der giftigen Wirkung der Maniokwurzel. Durch Destillation jener Fruchtkerne und der Kirschlorbeerblätter mit Wasser erhält man blausäurehaltige Wässer (Aqua amygdalarum amararum, Aqua laurocerasi, Aqua cerasorum usw.); auch die über Pfirsich-, Pflaumen- und Kirschkerne abgezogenen Branntweine, wie Persico, Sliwowitz und Kirschwasser, enthalten B. Von den genannten Wässern hat das deutsche Arzneibuch Aqua amygdalarum amararum (s. Bittermandelwasser) mit einem vorgeschriebenen Gehalt von 0,1 Proz. Cyanwasserstoffsäure, an Stelle der früher offizinell gewesenen B. treten lassen, Aqua laurocerasi wird durch Aqua amygdalarum amararum, und Aqua cerasorum durch Aqua amygdalarum amararum diluta (Verdünnung mit 19 Teilen Wasser, also 0,005 Proz. Cyanwasserstoffsäure enthaltend) ersetzt. Ihren Namen hat die B. daher, weil sie mit eisenoxydhaltigen Eisenoxydulsalzlösungen einen blauen Niederschlag, das sog. Berlinerblau, liefert. Diese Reaktion kann auch zur Erkennung der Anwesenheit der B. und ihrer Verbindungen in Flüssigkeiten benutzt werden. Wenige Tropfen wasserfreier B. reichen hin, ein Tier oder einen Menschen sofort unter Starrkrämpfen zu töten. Gegen geringere genossene Mengen wendet man Erbrechen an. Büchner rät als Gegengift Ammoniak an, Orfila schwache Einatmungen von Chlor oder halbstündliche Einnahme von drei bis vier Theelöffeln Terpentinöl. In sehr verdünnter Form wendet man sie an als Arzneimittel gegen Asthma, Herzzufälle u. s. w. Man benutzt hierzu das Kirschlorbeerwasser oder das Bittermandelwasser. Beim Aufbewahren zersetzt sich die B. leicht unter Abscheidung von Azulmsäure.

Die B. giebt ebenso wie die Halogenwasserstoffsäuren feste Salze, die man Cyanide nennt und in welchen der Wasserstoff durch Metallatome vertreten ist. Das Kalisalz der B. ist z. B. das Cyankalium (s. d.) oder Kaliumcyanid KCN. Das Silbercyanid AgCN ist ebenso wie das Chlorsilber ein weißer, in Wasser unlöslicher, in Ammoniak löslicher Niederschlag. Die B. geht unter Aufnahme von Wasser leicht in Ammoniak und Ameisensäure über.

Blausaures Eisen, soviel wie Berlinerblau.

Blauschiller (Apatura Iris L.), ein Tagschmetterling, s. Schillerfalter.

Blauschreiber, soviel wie Farbschreiber (s. Elektrische Telegraphen).

Blausieb (Zeuzera aesculi L.), Roßkastanienspinner, Schmetterling aus der Familie der Spinner, mit langem Hinterleib, ziemlich schmalen, weißen, stahlblau gefleckten Flügeln; spannt bis 70 mm, fliegt im Juli. Die gelbe, mit schwarzen behaarten Wärzchen und schwarzem Kopf versehene Raupe lebt im Holze von Laubbäumen.

Blauspat, Mineral, s. Lazulith.

Blauspecht, s. Spechtmeise.

Blaustein, soviel wie Kupfervitriol, s. Kupfersulfat.

Blaustrumpf (engl. blue stocking; frz. bas bleu), ein Spottname für gelehrte Frauen, die ihren schöngeistigen Neigungen zuliebe die häuslichen Pflichten vernachlässigen und ihre gelehrten Kenntnisse selbstgefällig zur Schau tragen. Mit dem Ausdruck blue stockings soll zuerst der holländ. Admiral Boscawen während eines Aufenthalts in England (noch nicht lange aufgekommene) Gesellschaften bezeichnet haben, an denen Herren und Damen behufs geistvoller Unterhaltung teilnahmen, und Anlaß zu dieser Bezeichnung der Umstand gewesen sein, daß in solchen Gesellschaften der Geistliche Benj. Stillingfleet (gest. 1771), der sich durch Anmut des Gesprächs auszeichnete, seinen Anzug vernachlässigend in blauen Kniestrümpfen erschien; so berichtet Dorans Buch über Lady Montague, Kap. 11. Der Name fand bald weite Verbreitung; den üblen Nebensinn hat das Wort erst allmählich erhalten. Einen ganz andern Ursprung besitzt die zweite, nicht mehr übliche Bedeutung "Spion, Angeber, Verleumder" (noch bei Schiller, "Räuber", II, 3). Diese soll entweder (nach Grimm) eine Übertragung vom Teufel sein, der plötzlich den schwarzen Bocksfuß zeigt, oder vom blaustrümpfigen Polizisten herrühren.

Blausucht (Cyanosis, Morbus coeruleus) nennt man einen Krankheitszustand, bei welchem sich eine anhaltende bläuliche, bisweilen selbst tiefblaue Färbung der äußern Haut sowie der Lippen, der Zunge und Mundschleimhaut zeigt, und welche entweder von einer hochgradigen Beschränkung des Gaswech- ^[folgende Seite]