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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blautopf; Blauw; Blavet; Blaydon; Blaye; Blaze de Bury

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Blautopf - Blaze de Bury

sels in den Lungen oder von mechan. Störungen des Blutlaufs und dadurch bedingter Stauung des venösen (kohlensäurereichen) Blutes in den Haargefäßen und Venen herrührt, daher die allgemeine B. besonders organische Herzfehler begleitet. Bei angeborenen oder in frühester Jugend erworbenen Fällen letzterer Art bildet sich auch der ganze Körper unvollkommen aus. Die Knochen bleiben dünn, die Nagelglieder der Finger nehmen eine breite, dicke, kolbige Form an u. s. w. Solche Individuen sind infolge der Überladung des Blutes mit Kohlensäure stets frostig, träge und verdrießlich, erkälten sich leicht und leiden periodisch an Erstickungsanfällen, denen sie auch zuletzt erliegen. Die Sektion zeigt Herz- und Lungenfehler verschiedener Art, bei angeborener B. zuweilen Offenbleiben der normalerweise nur der ungeborenen Frucht eigenen Blutbahnen, sodaß das Arterien- und Venenblut sich miteindander vermischt. Die chronische B. ist unheilbar. Man beschränkt sich hier auf eine symptomatische Behandlung der Anfälle und deren Vermeidung durch höchste Ruhe und beständigen Aufenthalt in einer warmen, gleichmäßigen Temperatur. Die akuten blausüchtigen Zufälle aber, welche sich im Gefolge der verschiedensten Krankheiten, besonders der Lungen- und Herzübel, oder nach verschluckten festen Körpern, oder nach der Einatmung schädlicher (irrespirabler) Gasarten einstellen, fordern große Aufmerksamkeit und energisches, dem drohenden Erstickungstode vorbeugendes Heilverfahren.

Blautopf, ein natürliches Wasserbecken bei Blaubeuren in Württemberg, aus dem die Blau (s. d.) entspringt. Es liegt 515 m hoch, am Fuße einer steilen Bergwand, und hat 40-42 m im Durchmesser und 20 m Tiefe. Der Name kommt von der dunkelblauen Farbe des Wassers, das sich nur nach längerm Regenwetter trübt; dann wird auch die sonst spiegelglatte Oberfläche unruhig und läßt mehrere Wassersäulen unterscheiden, deren kreisförmige Wellen sich fortwährend ineinander schlingen; man sagt dann: "der Topf siedet".

Blauw oder Blaeuw, Holland. Gelehrten- und Buchdruckerfamilie, s. Blaeu.

Blavet (spr. -weh), 145 km langer Fluß der Bretagne, entspringt aus dem Blavetteiche im Arrondissement Guingamp des franz. Depart. Côtes-du-Nord, am Fuße von 314 m hohen Hügeln, trifft bei Goarec auf den Brest-Nantes-Kanal, nimmt die Lorette und den Daoulas auf, fließt dann in einem 200 m tiefen Granitbett, berührt im Depart. Morbihan Pontivy (Napoléonville), wo er auf 75 km schiffbar wird und wo sich der Brest-Nantes-Kanal in zwei Armee teilt, deren einer als Blavetkanal dem B. folgt. Von Hennebont an ist er für kleinere Seeschiffe (bis zu 76 Tonnengehalt) schiffbar, bildet die Bai von Lorient, die linksten Scorff aufnimmt, und mündet zwischen Port Louis und dem Fort Loquellas in den Atlantischen Ocean.

Blaydon (spr. blehd'n), Fabrikstadt in der engl. Grafschaft Durham, am Tyne, durch eine über den Tyne gehende Hängebrücke mit dem 7 km entfernten Newcastle verbunden, hat (1891) 13371 E. und Kohlengruben.

Blaye (spr. bläj). 1) Arrondissement im franz. Depart. Gironde, hat 699,47 qkm, (1891) 56577 E., 56 Gemeinden und zerfällt in die 4 Kantone B. (109,62 qkm, 15253 E.), Bourg (108,67 qkm, 12764 E.), St. Ciers-Lalande (200,39 qkm, 13280 E.), St. Savin (280,79 qkm, 15280 E.). -

2) Hauptstadt des Arrondissements B. im franz. Depart. Gironde, am rechten Ufer der Gironde, Festung zweiten Ranges, an der Linie St. Mariens-B. (25 km) der Franz. Staatsbahn und der Zweiglinie St. Ciers-B.-Cubzac der Franz. Südbahn, besteht aus der offenen, vorzugsweise dem Handel und Gewerbeverkehr gewidmeten Unterstadt und der auf einem Felsen liegenden befestigten Oberstadt. Diese verteidigt den Eingang in die hier über 4 km breite Gironde und deckt mit dem gegenüberliegenden Fort Médoc und dem zwischenliegendcn Turme Le Paté das gegen Süden gelegene Bordeaux. Die Stadt hat Post und Telegraph, ein Civil- und ein Handelsgericht, Kommunal-College, Börse, Ackerbaugesellschaft, hydrographische Schule, Zellengefängnis, zwei Zeitungen, bedeutenden Schiffbau und (1891) 3568, als Gemeinde 5015 E., darunter viele Lotsen, und lebhaften Handel mit Getreide, Bauholz, Wein und Branntwein. - B. ist das Blavia militaris der Römer, wurde im 4. Jahrh, dem Christentum gewonnen durch den heil. Romanus. In der ihm geweihten, im Mittelalter sehr berühmten Kirche sollen der Sage nach die karolingischen Helden Roland, Olivier und Turpin begraben worden sein. Durch seine Lage im 9. Jahrh, den Verheerungen der Normannen ausgesetzt, im 11. Jahrh. Gegenstand des Kampfes zwischen den Herzögen von Gascogne und den Grafen von Angoulême, erfreute sich B. während der engl. Herrschaft in Guyenne ausgedehnter Freiheiten, wurde 1363 von Du Guesclin, 1451 von Dunois den Engländern entrissen, erhielt von Ludwig IX. und Karl VIII. erweiterte Privilegien, wurde aber in den Hugenottentriegen wiederholt Kriegsschauplatz. Nachdem Ludwig XIII., der 1620 hier Hof hielt, der Stadt manche Gunstbezeigungen erwiesen, ließ Ludwig XIV. 1652 und 1658 300 Häuser und die Kirche des heil. Romanus niederreißen und 1683 durch Vauban neue Festungswerke aufführen. Von 1832 bis 1833 wurde hier die Herzogin von Verry gefangen gehalten.

Blaze de Bury (spr. blahs' de bürih), Ange Henri, franz. Schriftsteller, geb. 19. Mai 1813 zu Avignon, Sohn des Schriftstellers Castil Blaze, an dessen Bearbeitung des "Don Juan" für die Pariser Große Oper er sich schon beteiligte. Mit dem "Souper chez le commandeur" trat er zuerst als Dichter in der "Revue des Deux Mondes" (1839) hervor. Der Einfluß der Romantiker bestimmte ihn zum Studium der deutschen Litteratur. Seine Übertragung von Goethes "Faust" (1840, mit Einleitung; 14. Aufl. 1880) gewann die weiteste Verbreitung, und seine in der "Revue des deux Mondes" unter dem Namen Hans Werner veröffentlichten Beiträge hatten das Verdienst, den Franzosen die Kenntnis der gleichzeitigen deutschen poet. Litteratur zu vermitteln. Aus diesen Studien entstanden die Schriften: "Écrivains et poètes de l'Allemagne" (2 Bde., 1846), "Les poèsis de Goethe" (1843; 2. Aufl. 1862), "La nuit de Walpurgis" (1850), "Les écrivains modernes de l'Allemagne" (1868), "Les maîtresses de Goethe" (1872). Durch wiederholten Aufenthalt in Deutschland, besonders am Hofe von Weimar, wo seine Verdienste vielfache Anerkennung fanden, hatte B. seine Fähigkeit zur Beurteilung deutschen Geisteslebens noch erhöht. B. war auch ein beliebter Musikschriftsteller, er wirkte seit 1864 unter dem Namen F. de Lagenevais als Musikkritiker der "Revue des Deux Mondes" und veröffentlichte: "Les musiciens con-