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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blendling - Blepharon

Kriegsgefangene blenden. Noch 1415 wurden in Nürnberg einem Betrüger, der kupferne vergoldete Ringe für echte verkauft hatte, die beiden Augen ausgestochen. Bei den Byzantinern und den Merowingern war wie noch heute an den orient. Höfen das B. ein oft angewandtes Mittel, um mißliebige Diener, gefährliche Verwandte, Mitbewerber um den Thron, Empörer u. s. w. unschädlich zu machen. Die mildeste Art des B. besteht darin, daß man ein glühendes Becken von dünnem Metallblech (ital. bacino; franz. bassin, woher im mittelalterlichen Latein abacinare) über die offenen Augen hält, wobei dem Geblendeten noch ein Schimmer bleibt; so wird der letzte König von Juda, Zedekia, behandelt. Grausamer ist das Ausquetschen der Augen, das Ausbrennen durch rotglühendes Eisen, das Ausstechen oder Zerschneiden des Augapfels und andere Formen des B. Nicht selten wurde mit dem Verluste der Augen die Strafe der Entmannung verhängt.

Blendling, s. Bastard. In der Jägersprache ist B. ein durch Kreuzung von Windhund und Hatzhund erzielter großer Jagdhund zum Hetzen und Apportieren.

Blendnischen, s. Blende.

Blendrahmen, Holzrahmen, auf den die Leinwand zum Malen gespannt wird.

Blendsteine (Verblender), im allgemeinen alle zur Herstellung einer Blende (s. d.) gebrauchten Steine, im engern Sinne die Backsteine von besonders sorgfältiger Ausführung, glatter Außenfläche und reiner Farbe, mit denen bei dem sog. Ziegelrohbau (s. Rohbau) die Außenseite der rohen Mauer verkleidet wird, um dieser durch genauen Verband, gleichmäßige Färbung und auch durch Gliederungen und Ornamente ein schöneres Aussehen und architektonische Vollendung zu geben. Je nachdem die B. aus voller Ziegelmasse bestehen oder mit Höhlungen versehen sind, unterscheidet man volle (massive) und hohle oder Lochverblender; wegen der dünnern Fugen (8 mm) sind die B. in ihren Abmessungen ein wenig größer als die gewöhnlichen Mauerziegel geformt. Die glatte Außenfläche der B. wird entweder durch verbesserte Formmaschinen oder durch Nachpressen resp. Nachschneiden und Glätten der halbtrocknen Steine erzielt.

Blendung, Blindage, in der Befestigungskunst Hohlbau von geringem Umfange mit schräger Eindeckung, zum Schutz gegen senkrechtes Feuer und Sprengstücke. Die Decke wird durch schräg an eine Erdböschung oder Mauer, oder auch dachförmig gegeneinander gelehnte Hölzer oder Eisenschienen gebildet, die noch mit Faschinen und Erde bedeckt werden. Die einen selbständigen Bau bildenden B. heißen doppelte, die mit Benutzung einer schon vorhandenen Wand hergestellten einfache B. Tief eingeschnittene Schießscharten erhalten häufig in ihrer hintern Öffnung eine B. gegen Auge und Gewehrfeuer des Feindes durch hölzerne oder eiserne, mit Öffnung für das Geschützrohr versehene Laden, oder auch durch Faschinenbündel, Sandsäcke, Wollsäcke, die man dann beim Schießen fortnimmt.

Blendung (in der Optik), s. Diaphragma.

Blendungserscheinungen sind die durch Einwirkung zu großer Helligkeit auf das Auge hervorgerufenen Belästigungen, bestehend in Undeutlichkeit des Sehens, lange Zeit fortbestehenden Nachbildern und krampfhaftem Lidschlusse. In gesunden Augen werden B. bewirkt durch übermäßig hohe Beleuchtungsgrade (direktes Sonnenlicht, nicht genügend abgeblendetes elektrisches Bogenlicht) oder durch raschen Wechsel der Beleuchtung, z. B. beim Austreten aus einem dunkeln in einen sehr hellen Raum. Bei leidenden Augen, die von äußern oder innern Entzündungen befallen oder mit durchscheinenden Trübungen der Hornhaut oder Linse behaftet sind, oder deren Pupille eine abnorme Weite besitzt, können schon mäßige Helligkeitsgrade dieselbe Wirkung haben.

Blenheim, bayr. Dorf, s. Höchstädt.

Blenheim-House (spr. blennem haus), s. Woodstock.

Blenheim-Spaniel (spr. blennem spännĭell), ein kleines Seidenhündchen von weißer Färbung. Die großen Augen werden von einer stark gewölbten Stirn überragt, die Ohren sind lang, das Haar fein, ohne Kräuselung. Die Zucht ist sehr schwierig, der Preis daher hoch, 100-400 M. das Stück.

Blenker, Ludw., nordamerik. General, geb. 31. Juli 1812 zu Worms, ließ sich 1832 bei der bayr. Legion anwerben, die den König Otto nach Griechenland begleitete. 1837 zurückgekehrt, eröffnete er in seiner Vaterstadt eine Weinhandlung, wurde bankrott und war 1848 einer der Hauptführer der revolutionären Partei in Rheinhessen. Als Befehlshaber rheinhess. und pfälz. Freischaren bemächtigte er sich 10. Mai 1849 Ludwigshafens, besetzte 17. Mai Worms und unternahm in der Nacht zum 20. den mißlungenen Angriff auf Landau. Nach dem Einrücken der Preußen in die Pfalz nahm er an dem Kampfe in Baden teil; während der Gefechte an der Murg verteidigte er die wichtige Position von Gernsbach. Als der Aufstand unterdrückt war, wandte sich B. mit seiner Schar nach der Schweiz, wo er jedoch im Sept. 1849 ausgewiesen wurde. Er ging darauf nach Amerika, befehligte im amerik. Bürgerkriege als Oberst in der Schlacht von Bull-Run 21. Juli 1861 eine Reservebrigade und hielt, der einzige unter den höhern Bundesbefehlshabern, den verfolgenden Südländern tapfer Stand, wodurch er die Bundeshauptstadt Washington vor der Einnahme durch den Feind rettete. Am 9. Aug. 1861 zum Brigadegeneral ernannt, befehligte er bei Eröffnung des Feldzugs von 1862 eine Division und zeichnete sich in Westvirginien, besonders bei Croß-Keys aus. Wegen schlechter Verwaltung des Verpflegungsdepartements ward er Juli 1862 außer Dienst gesetzt. B. starb 31. Okt. 1863.

Blenna (grch.), Schleim, Schleimabsonderung; Blennemesis, Schleimerbrechen; Blennenterie, Blennochezie, schleimiger Durchfall: Blennophthalmie, Augentripper; Blennophthisis, Schleimschwindsucht; Blennoptysis, Schleimhusten; Blennopyra, Schleimfieber; Blennorrhagie, Blennorrhöe, Schleimfluß, s. Katarrh; Blennorrhöe der Neugeborenen, s. Augenentzündung; Blennosis, Katarrh der Schleimhäute; Blennothorax, Brustverschleimung; Blennotorrhöe, Ohrenschleimfluß; Blennurie, Schleimharnen.

Blepharis (grch.), Augenwimper.

Blepharon (grch.), Augenlid; Blepharadenitis, Entzündung der Lidränder; Blepharitis, Augenlidentzündung, s. Lidentzündung; Blepharödema, Augenlidgeschwulst; Blepharophyma, Drüsengeschwulst des Augenlids; Blepharoplastik, künstliche Bildung der Augenlider, s. Plastische Chirurgie; Blepharoplegie, Augenlidlähmung; Blepharoptosis, Herabhängen des obern Augenlids; Blepharorrhaphie, Augenlidnaht; Blepharospasmus, Augenlidkrampf, s. Lidkrampf.