Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blue-Ribbon-Army; Blue stocking; Bluette; Bluffs; Bluhme; Blum

145

Blue-Ribbon-Army - Blum (Ernest)

wurzel bestehend, in England sehr beliebte Form der innerlichen Anwendung des Quecksilbers.

Blue-Ribbon-Army, Blauband-Armee, ein engl. Mäßigkeitsverein, benannt nach dem blauen Bande, das die Mitglieder im Knopfloch trugen, entstand 1877, ist aber seit dem Auftreten der Heilsarmee (s. d.) nach und nach eingegangen.

Blue stocking (engl., spr. bluh), s. Blaustrumpf.

Bluette (frz., spr. blüétt), eigentlich ein blaues Fünkchen, das von frischgehämmertem glühendem Eisen abspringt. Bildlich versteht man unter B. ein kleines, meist einaktiges, witzsprühendes Bühnenstück. Die B., ein Kind des franz. esprit, kam von Paris auf die deutsche Bühne; doch haben auch neuere deutsche Lustspieldichter Gediegenes in dieser meist einaktigen dramat. Kleinigkeit geschaffen.

Bluffs (engl., spr. blöffs), die für manche Flüsse der Vereinigten Staaten, vor allem für das untere Mississippithal charakteristischen, 15‒60 m aufsteigenden hohen Uferstrecken, die mit den der Überschwemmung zugänglichen Bottoms abwechseln. Vom Flusse aus erscheinen sie wie steile bastionartige Hügel. Memphis, die sog. Bluff-City, Vicksburg, Natchez und die meisten oberhalb Neuorleans am Mississippi liegenden Ortschaften liegen auf Bluffhügeln oder am Fuße derselben. Der ganze Westrand des Tennessee-Plateaus heißt Mississippi-Bluff und zieht sich vom nördl. Teile des Staates Mississippi bis gegen Hickman in Kentucky hin. Größtenteils trennt aber ein flacher Uferstrich sie noch vom Strome. Die Zusammensetzung der B. ist verschiedenartig, doch spielt der Löß eine große Rolle.

Bluhme, Christian Albr., dän. Staatsminister, geb. 27. Dez. 1794 in Kopenhagen, widmete sich 1811‒16 dem Rechtsstudium, ward 1838 Stiftsamtmann in Aalborg und 1843 Direktor der Generalzollkammer und des Kommerzkollegiums. Unter dem Ministerium von Moltke übernahm er 24. März 1848 das Departement des Handels, legte es mit seinen Amtsgenossen 15. Nov. desselben Jahres nieder, verblieb aber als Kabinettssekretär in der Umgebung des Königs und erhielt 19. Mai 1850 das Direktorium der Sundzollangelegenheiten, welches Amt er bis zur Aufhebung fortbekleidete. Am 18. Okt. 1851 trat B. als Minister des Auswärtigen wieder in das Ministerium, übernahm 27. Jan. 1852 dessen Führung und ging nach dem Rücktritt seiner Kollegen 21. April 1853 in das Ministerium Örsted über. Mit diesem erklärte er sich im Kriege der Westmächte gegen Rußland und bei dem Erscheinen einer engl.-franz. Flotte in der Ostsee für die unbedingte Neutralität Dänemarks. Der Umstand, daß die kostspieligen Veranstaltungen zur Aufrechthaltung dieses Beschlusses ohne Befragen des Reichsrats getroffen waren, zog dem am 12. Dez. 1854 abgetretenen Ministerium eine Anklage von seiten des Reichsgerichts zu, die jedoch 28. Febr. 1856 zur Freisprechung führte. In den 14. März 1857 geschlossenen Sundzollkonferenzen vertrat B. Dänemark und wußte für dasselbe von den beteiligten Mächten eine den kapitalisierten Jahreseinkünften des Zolls gleichkommende Entschädigung im Betrage von 35 Mill. Reichsbankthlr. zu erlangen. Nach dem unglücklichen Ausgange des Krieges 1864 und dem Rücktritt des Ministeriums Monrad wurde B. (11. Juli 1864) trotz seiner körperlichen Hinfälligkeit wieder an die Spitze der öffentlichen Angelegenheiten gestellt. Nachdem er als Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen bis zum 6. Nov. 1865 gewirkt hatte, starb er zu Kopenhagen 16. Dez. 1866. ^[Spaltenwechsel]

Bluhme, Friedr. (schrieb sich eine Zeit lang auch Blume), Jurist, geb. 29. Juni 1797 zu Hamburg, studierte die Rechte in Göttingen, Berlin und Jena, ward 1823 Professor in Halle, 1831 in Göttingen, 1833 Oberappellationsgerichtsrat in Lübeck und 1843 Professor in Bonn, wo er 5. Nov. 1874 starb. Seine Doktordissertation handelte «De geminatis et similibus, quae in digestis inveniuntur, capitibus» (Jena 1820). In der Abhandlung «Die Ordnung der Fragmente in den Pandektentiteln» (in der «Zeitschrift für geschichtliche Rechtswissenschaft», Bd. 4, 1820) liegt eine der glänzendsten Entdeckungen vor, durch die in der neuesten Zeit die röm. Rechtsgeschichte bereichert worden ist. Die auf einer ital. Reise (1821) gewonnenen Forschungsresultate sind niedergelegt in dem «Iter Italicum» (4 Bde., Berl. und Halle 1824‒36) und in der «Bibliotheca librorum manuscriptorum Italica» (Gött. 1834). Ferner erschienen von ihm: «Das Kirchenrecht der Juden und Christen» (2. Aufl., Halle 1831), «Grundriß des Pandektenrechts» (2. Aufl., ebd. 1844), Ausgaben der «Lex Dei sive Mosaicarum et Romanarum legum collatio» (Bonn 1833), der «Westgot. Antiqua» (Halle 1847), der «Kirchenordnung für die evang. Gemeinden der Provinz Westfalen und der Rheinprovinz» (1854; 5. Aufl., Bonn 1891), des burgund. Papianus sowie der burgund. und langobard. Volksrechte in den «Monumenta Germaniae», «Encyklopädie der in Deutschland geltenden Rechte» (Bd. 1‒3, ebd. 1847‒58; Bd. 1, 3. Aufl. 1863; Bd. 2 und 3, 2. Aufl. 1855‒68), «Codex des rheinischen evang. Kirchenrechts» (Elberf. 1870), «Die Gens Langobardorum» (2 Hefte, Bonn 1868‒74),«Omnis parentilla» (ebd. 1871), «Zur Texteskritik des Westgotenrechts und Reccareds leges antiquae» (Halle 1872). Auch war er Mitherausgeber des «Rhein. Museums für Jurisprudenz» (7 Bde., Bonn u. Gött. 1827‒35) und der Lachmannschen «Schriften der röm. Feldmesser» (2 Bde., Berl. 1848‒52).

Blum, Ernest, franz. Bühnenschriftsteller, geb. 15. Aug. 1836 zu Paris, trat mit «Une femme qui mord» 1854 hervor und lieferte seitdem für Pariser Bühnen, wie das Gaité-, Variété-, Ambigu-, Châtelettheater, teilweise mit L. Thiboust («La petite Pologne», 1860), Anicet Bourgeois und Ponson du Terrail («Rocambole», 1864), Siraudin, Clairville, Brisebarre («Le Vengeur», 1868), seit 1879 regelmäßig mit Raoul Toché eine Fülle von ausgelassenen Possen, Feen- und Zauberstücken («La Laterne magique», «Cendrillon», 1865) und mit Rühr- und Schauereffekten wirkenden Dramen. Berühmt machte B. das Drama «Rose Michel» (1877), dessen Erfolg durch Mad. Fargueil, die Darstellerin der Titelrolle, glänzend wurde. Auch das Drama «L’ espion du roi» (1876) fand beifällige Aufnahme. Unter B.s letzten Stücken sind zu nennen: «Belle Lurette» (1880), «Le château de Tirelarigot» (1885), «Adam et Ève» (1886), «Le coup de foudre» (1887), «Les femmes nerveuses», «Le parfum» (1888), die ausgelassenste Posse. B. arbeitet am «Charivari» (daraus «Entre Bicêtre et Charenton», 1866) und «Rappel» («Bulletin des Coulisses») mit. Das in Paris 1890 mit gewaltigem Erfolg oft wiederholte Zeitstück «Paris. Fin de siècle» fiel (verdeutscht u. d. T. «Auf der Höhe des Jahrhunderts») in Berlin durch.