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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blum

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Blum (Hans) - Blum (Rob.)

Blum, Hans, der älteste Sohn Robert B.s, geb. 8. Juni 1841 zu Leipzig, studierte 1860-04 zu Leipzig und Bern die Rechte und wurde 1869 Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt. 1867-70 gehörte B. dem Norddeutschen Reichstage als Mitglied der nantonalliberalen Fraktion an. Im Feldzuge von 1870/71 folgte er als Berichterstatter des "Daheim" dem Großen Hauptquartier und leitete 1871-79 die "Grenzboten". B., der besonders die Socialdemokratie in Wort und Schrift (z. B. "Unsere Socialdemokraten auf dem Parteitage in Halle", Lpz. 1890, und "Die Lügen unserer Socialdemokratie", Wism. 1891) bekämpft, gehört zu den publizistisch und rednerisch rührigsten Vertretern seiner Partei in Sachsen, wie er auch seit 1874 im Vorstande des "Nationalliberalen Vereins für Sachsen" ist. Er schrieb einen "Kommentar zum Reichs-Strafgesetzbuch" (Zür. 1870), "Sächs. Rechtsfreund" (anonym, ebd. 1870), "Die erste Frucht des deutschen Staatssocialismus" (Lpz. 1881). l879-83 gab B. die "Annalen des Reichsgerichts" (ebd., jährlich 2 Bde.) heraus, 1884-85 "Urteile und Annalen des Reichsgerichts" (3 Bde., Berl.) und lieferte in dem Buche "Aus dem alten Pitaval" (2 Bde., Lpz. 1886) eine Auswahl einzelner causes célèbres des franz. Originals (s. Pitaval), dem sich der "Deutsche Pitaval, Vierteljahrsschrift für merkwürdige Fälle der Strafrechtspflege des In- und Auslands" (ebd. 1886) anschloß. Ferner veröffentlichte er "Heitere und ernste Erzählungen aus dem Rechtsleben" als "Geheimnisse eines Verteidigers" (Berl. 1889), "Aus geheimen Akten" (ebd. 1389) und "Auf dunklen Pfaden" (ebd. 1892). Namentlich war er aber, nach der Novellensammlung "Dunkle Geschichten" (ebd. 1874) und der Erzählung "Aus unsern Tagen" (Magdeb. 1876), neuerdings im Geschichtsroman thätig: "Herzog Bernhard" (Lpz. 1885), "Hallwyl und Bubenberg" (ebd. 1885), "Die Äbtissin von Säkkingen" (Jena 1887), "Menschenrechte" (ebd. 1889), "Der Kanzler von Florenz" (Berl. 1891). Mit "Staatlos. Eine lustige Zeitgeschichte auf ernstem Hintergründe" (Jena 1888) und "Juvalta" (ebd. 1692) greift er in die Gegenwart hinein; "Der Überläufer" (Lpz. 1884) ist eine "Erzählung für die reifere Jugend aus der Geschichte des nordamerik. Befreiungskampfes". B.s Schauspiele "Junius" (ebd. 1883) und "York" (ebd. 1884) wurden mehrfach aufgeführt. Auch schrieb er eine Biographie seines Vaters, "Rob. B." (ebd. 1878).

Blum, Joh. Reinhard, Mineralog, geb. 28. Okt. 1802 zu Hanau, studierte in Heidelberg Mineralogie, habilitierte sich 1828 als Privatdocent daselbst, wurde 1838 außerord., später ord. Professor, trat 1877 in den Ruhestand und starb 22. Aug. 1883 in Heidelberg. B. veröffentlichte: "Taschenbuch der Edelsteinkunde" (Stuttg. 1832: 3. Aufl. 1887), "Lehrbuch der Oryktognosie" (ebd. 1833; 4. Aufl. 1874), "Lithurgik oder Mineralien und Felsarten nach ihrer Anwendung in ökonomischer, artistischer und technischer Hinsicht systematisch abgehandelt" (ebd. 1840), "Die Pseudomorphosen des Mineralreichs" (ebd. 1843; dazu Nachträge 1-4, Stuttg. u. Heidelb. 1847-79), wohl das beste Werk über diese Gebilde; "Grundriß der Mineralogie und Geognosie" (Stuttg. 1850), "Handbuch der öithologie oder Gesteinlehre" (Erlangen 1860), "Die Mineralien nach den Krystallsystemen geordnet" (Lpz. 1866).

Blum, Karl Ludw., Komponist und Theaterdichter, geb. um 1786 zu Berlin als Sohn eines Beamten, trat seit 1805 als Schauspieler, dann als

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Sänger auf, wandte sich aber unter Hillers Leitung in Königsberg, seit 1817 unter Salieri zu Wien dem theoretischen Studium der Musik zu. 1822 wurde er Regisseur der königl. Oper zu Berlin, 1827 technischer Leiter des Königstädtischen Theaters daselbst, 1834 wieder Regisseur der königl. Oper und starb 2. Juli 1844. B. hat sich durch viele gefällige Instrumentalkompositionen, Gesangstücke und Operetten, namentlich aber durch anspruchslose Lustspiele bekannt und beliebt gemacht. Mit Theatergeschick bearbeitete er für die deutschen Bühnen franz., engl. und ital. Stoffe, wie "Ich bleibe ledig", "Das laute Geheimnis" nach Carlo Gozzi, "Erziehungsresultate" nach Descomberousse, "Der Vicomte von Morieres" nach Vayard u. s. w. Zu seinen Originalstücken gehören: "Der Ball zu Ellerbrunn", "Schwärmerei nach der Mode", der Text von Herolds Oper "Zampa" u. s. w. B. verpflanzte das Vaudeville nach Deutschland: namentlich "Der Schiffskapitän", "Bär und Bassa" und "Kanonikus Schuster" erhielten sich lange auf der Bühne.

Blum, Rob., polit. Agitator und Schriftsteller, wurde 10. Nov. 1807 zu Köln unter dürftigen Verhältnissen geboren, erlernte das Gürtlerhandwerk, fand aber später Unterkommen in einer Laternenfabrik. Nach einem kurzen Militärdienst 1830 erwerblos, trat er als Theaterdiener zu Köln in Dienst und ging 1831 als Theatersekretär und -Kassierer nach Leipzig. In dieser Stellung fand er Muße zur Fortbildung und zur Entwicklung einer litterar. Thätigkeit. Er wurde Mitarbeiter an belletristischen Blättern, schrieb ein Schauspiel: "Die Befreiung von Candia" (Lpz. 1836) und gab mit Herloßsohn und Marggraff das "Allgemeine Theaterlexikon" (7 Bde., Altenb. u. Lpz. 1839-42, neue Ausg. ebd. 1846) heraus. Zugleich führte ihn seine polit. Richtung in die Kreise der Liberalen, wo er sich bald durch seine Rednergabe Geltung verschaffte. Er stiftete 1840 zu Leipzig den Schillerverein, dessen Jahresfeste durch ihn eine polit. Färbung erbielten. Mit Steger gab er damals das polit. Taschenbuch "Vorwärts" (5 Bde., Lpz. 1843-47) heraus; auch war er ein Hauptmitarbeiter an den "Sächs. Vaterlandsblättern". Als 1845 die deutsch-kath. Bewegung begann, schloß er sich derselben mit Eifer an und wurde Stifter und Vorstand der Leipziger Gemeinde. 1847 gab B. seinen Posten am Theater auf und gründete eine Verlagsbuchhandlung, in welcher der von ihm selbst verfaßte "Weihnachtsbaum", eine Biographie freisinniger Deutscher, und sein "Volksthümliches Handbuch der Staatswissenschaften und Politik" (2 Bde., Lpz. 1848-51) erschien. Mit dem Ausbruch der Bewegung von 1848 entwickelte B. große agitatorische Thätigkeit und wurde bald der Mittelpunkt der Demokratie in Sachsen. Er rief die unterdrückten "Sächs. Vaterlandsblätter" wieder ins Leben und gründete den Vaterlandsverein, während sich die gemäßigtere Gegenpartei in den Deutschen Vereinen konzentrierte. Im Vorparlament zu Frankfurt zu einem der Vicepräsidenten gewählt, beherrschte er die stürmische Versammlung oft durch seine Geistesgegenwart und kräftige Stimme. Dann wurde er Mitglied des Fünfziger-Ausschusses und zu Leipzig in die Nationalversammlung gewählt. Er wurde der Führer der Linken, zeichnete sich als Redner durch Gewandtheit und Schlagfertigkeit aus, vermochte aber freilich durch sein Talent den Mangel an tiefer und staatsmännischer Bildung nicht zu ersetzen. Nach den Frankfurter Septembervorgän-