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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blume; Blumen; Blumen, gefüllte

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Blume (Karl Wilh. Herm. von) - Blumen

Blume, Karl Wilh. Herm. von, preuß. General, geb. 10. Mai 1835 zu Potsdam, trat 1852 beim 13. Infanterieregiment in den Militärdienst, wurde 1854 Lieutenant und 1861 Premierlieutenant, 1862 Adjutant der 27. Infanteriebrigade; 1865 unter Beförderung zum Hauptmann als Adjutant zum Kriegsminister von Roon kommandiert, machte er den Feldzug gegen Österreich mit. Nachdem B. dann in das Kriegsministerium einrangiert gewesen war und 1868 eine Compagnie im 16. Infanterieregiment geführt hatte, trat er 1870 als Major zum Generalstab über, machte im Großen Hauptquartier den Feldzug gegen Frankreich mit und nahm an den Schlachten von Gravelotte, Beaumont, Sedan und Paris teil. Nach dem Feldzuge wiederum in das Kriegsministerium versetzt, wirkte B. dort als Abteilungschef und gleichzeitig als Lehrer der Kriegsgeschichte an der Kriegsakademie und wurde 1879 unter Beförderung zum Obersten zum Commandeur des 36. Regiments ernannt. Nachdem er 1878 Vorsitzender der Militärkommission des Berliner Kongresses gewesen war, wurde er 1880 Vorsitzender der Militärkommission der Berliner Konferenz zur Regelung der griech.-türk. Grenzfrage, in welcher Angelegenheit er im folgenden Jahre nach Konstantinopel entsandt wurde. 1883 zum Chef des Generalstabes vom 4. Armeekorps ernannt, trat B. 1885 unter Beförderung zum Generalmajor abermals in das Kriegsministerium zurück und leitete hier zunächst das Militär-Ökonomiedepartement. Nachdem er dann zum Mitglied des Staatsrates, des Bundesrates und des Reichsdisciplinarhofs ernannt war, wurde er 1888 auch Mitglied der Studienkommission der Kriegsakademie. In demselben Jahre in den Adelstand erhoben, übernahm B. das Allgemeine Kriegsdepartement und wirkte an den Arbeiten der Heeresverstärkung mit. Im Sept. 1888 wurde B. zum Generallieutenant, April 1889 zum Commandeur der 8. Division ernannt, Okt. 1891 mit dem Range eines kommandierenden Generals zu den Offizieren von der Armee versetzt, April 1892 zum kommandierenden General des 15. Armeekorps ernannt. Er schrieb: «Die Armee und die Revolution in Frankreich von 1789 bis 1793» (Brandenb. 1863), «Die Operationen der deutschen Heere von der Schlacht bei Sedan bis zum Ende des Krieges» (Berl. 1871; 3. Aufl. 1872, auch ins Französische, Englische, Italienische und Schwedische übersetzt), «Strategie» (ebd. 1882; 2. Aufl. 1886).

Blumen, gefüllte, s. Gefüllte Blumen.

Blumen, künstliche, in verschiedenartigsten Stoffen ausgeführte, mehr oder weniger treue Nachahmungen der natürlichen B.; besonders versteht man darunter die im wesentlichen aus Webstoffen hergestellten künstlichen B. (Stoffblumen), die einen wichtigen Zweig der Modeindustrie bilden. Der Herstellungsprozeß zerfällt in zwei Teile, die häufig getrennt betrieben werden: die fabrikmäßige Erzeugung der Pflanzenelemente, als Laub, Blumenblätter, Knospen, Früchte, zweitens die Verbindung dieser Teile zur vollendeten Blume, Kranz, Guirlande u. s. w., welche Arbeit, weil im wesentlichen von der Geschicklichkeit und dem künstlerischen Geschmack des Arbeiters abhängig, den eigentlich fabrikmäßigen Betrieb ausschließt. Von Geweben werden zu Stoffblumen verwendet: Batist, Jaconnet, Englisches Leder, Taffet, Atlas, Sammet, Satin antique, Velvet u. a., für die Blumenblätter außerdem noch Perkal, Kautschuk, Deckstoff u. s. w. Damit die Gewebe die erforderliche Glätte erlangen und möglichst ohne Textur erscheinen, werden dieselben (außer Sammet und Atlas) satiniert. Letzteres bezieht sich in der Hauptsache auf Blätterstoffe. Sollen sie kräftiger und steifer werden, so erhalten sie auf der Rückseite eine Appretur aus mit Gelatine gekochter Stärke, wozu sie auf Rahmen eingespannt werden; oder es wird ihnen Gaze untergelegt. So zubereitet, kommen die Stoffe nun, je nach ihrer Beschaffenheit in ein bis acht Schichten übereinander gelegt, unter verschieden geformte Ausschlageisen, die mit einem kräftigen Hammerschlag durch die Schichten getrieben werden, und erhalten so die Form von Blättern. Zwei Arten solcher Ausschlageisen (Blümcheneisen) sind in den nachstehenden Fig. 1 und 2 angegeben. Durch die in Fig. 1 sichtbare Öffnung werden mittels eines Drahtes die geformten Blätter aus dem Ausschlageisen herausgedrückt. Die Anordnung Fig. 2 hat den Vorteil, daß die ausgeschlagenen Blätter sich von selbst oben herausdrängen. Diese Ausschläge werden nun, wieder je nach der Beschaffenheit des Stoffes, in einer Zahl von 1 bis 20 auf einmal gefärbt (gestippt), dann auf einer durch Gas oder Spiritus erwärmten Platte ausgelegt und getrocknet. Eine Färbung des Gewebes im Stück (vor dem Ausschlagen) findet nur statt, wenn es zu minderwertigen Blumen verwendet werden soll. Nach dem Trocknen werden die Ausschläge auf Kleiekissen oder Gummiplatten gelegt und mittels erwärmter stählerner Kolben, Messer, Haken u. s. w. behandelt (gekröst), um ihnen die mannigfachen Krümmungen und die Äderung der natürlichen Blattfläche zu geben. Soll die Krösung recht gleichmäßig ausfallen, so benutzt man dazu auch fein ausgearbeitete Formen, die zugleich einen massenhaften Betrieb ermöglichen. Eine solche Form besteht (Fig. 3‒8) aus einem eisernen Oberteil (Stempel, Patrize) und einem denselben mit vorstehendem Rand umfassenden kupfernen Unterteil (Matrize); die wirksamen Flächen beider Teile sind den betreffenden Formen durch Gravierung, Guß oder Galvanoplastik nachgebildet. Beim Gebrauch wird der mit einer Handhabe versehene Oberteil in einem Gas- oder Spiritusfeuer erwärmt, worauf je nach der verlangten Genauigkeit der Arbeit ein oder mehrere Blätter in den Unterteil gelegt werden, sodann der Oberteil eingesenkt und fest angedrückt wird. Der in Fig. 9 dargestellte Kolben dient zur Herstellung der Wölbung der Blumenblätter. Fig. 10 zeigt einen sog. Streifkolben zur Hervorbringung von Fältelungen oder längern Streifen in der Blattfläche. Andere Formen des Streifkolbens zeigen eine zwei- und mehrfach gezackte Spitze.

Von den übrigen Teilen der Blumen werden die Staubfäden meist aus rohen Seiden- oder Baum- ^[folgende Seite]

^[Fig. 1 u. 2., Fig. 3 u. 4., Fig. 5 u. 6., Fig. 7 u. 8., Fig.9 u. 10.]