Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blumenau

149

Blumenau (in Ungarn)

wollfäden gebildet, die durch mehrmaliges Eintauchen in eine Leimlösung den entsprechenden Grad von Steifheit erhalten und denen als Staubbeutel ein gefärbtes Weizengrieskorn angeklebt wird. Knospen werden aus Taffet, Atlas, feinem Leder, Baumwollstoff, meist aber aus Gummimasse geformt, mit Watte gefüllt, gefärbt und mit den Kelchblättern befestigt. Die Stengel bestehen aus geglühtem Eisendraht, der durch Umwickeln mit Baumwolle oder weichem Papier verstärkt und äußerlich mit Papier, seidenen Fäden, feinen Fränschen umwunden oder in ein Stoff- oder Gummirohr eingesteckt wird. Die Früchte, die häufig in Verbindung mit den B. verwendet werden, sind aus Glas, Wachs oder Gummistoff erzeugt und demgemäß entweder geblasen oder in Formen gegossen und sodann gefärbt, was bei denen aus Glas durch bloßes Ausschwenken mit der Farbflüssigkeit geschieht; die aus Draht bestehenden Stiele sind erst nachträglich eingekittet. Dornen, Strohblumen, Moos, Getreideähren sowie mancherlei Arten Gräser werden gewöhnlich nicht nachgeahmt, sondern der Natur entnommen; auch finden noch Wollstaub, Glasperlen Verwendung. Zum Färben und Nuancieren sind allerlei Farbstoffe gebräuchlich; doch dürfen sie kein Arsenik enthalten (Reichsgesetz vom 5. Juli 1887, §§. 7 u. 12; Geldstrafe bis 150 M. oder Haft). Das Färben geschieht durch Eintauchen oder Auftragen; Streifen, Punkte und Abtönungen werden mit dem Pinsel oder durch Betupfen der Finger ausgeführt.

Die Verbindung der fertigen Teile zur Blume, Strauß, Zweig, Guirlande u. s. w. erfolgt entweder durch Zusammendrehen der Drahtstiele oder durch Klebmittel. Meist beschränkt sich die Nachahmung der Natur auf die genaue Wiedergabe der Formen und Farben, doch wird zuweilen auch der Geruch durch Verwendung ätherischer Öle nachgeahmt.

Andere Stoffe zur Herstellung künstlicher B. sind Papier (Papierblumen werden industriell meist nur zu Altar- und Grabschmuck hergestellt, nicht für die Mode), gebleichtes Fischbein (in Frankreich angewendet, aber wegen mangelhafter Formbeständigkeit bei Feuchtigkeit und Wärme ohne Verbreitung geblieben), Cocons (die sog. italienischen B., aus den getrennten Lagen abgehaspelter Cocons erzeugt), feine Holzspäne weißer Hölzer. Die Fabrikation dieser B. weicht von dem beschriebenen Verfahren wenig ab. Wesentlich verschieden ist dagegen die Herstellung der B. aus Wachs (s. Wachsblumen), Brotkrume (die Blumenblätter werden aus plastischem Brotteig mit den Fingern geformt und sind in fertigem Zustande glashart und bedeutend schwer), Porzellan (s. Porzellanwaren), Metall. Zu Federblumen werden meist die Federn bunter Tropenvögel verwendet, die, nachdem sie zugeschnitten sind, einfach zusammengesetzt werden. Durch Überzug künstlicher B., meist Stoffblumen, mit einer dünnen Metallschicht auf galvanischem Wege werden die galvanisierten B. hergestellt. Phantasieblumen sind Gebilde, die im allgemeinen den Charakter einer B. haben, aber keine bestimmte Art derselben nachahmen. Prächtige Effekte werden auch durch die Nachbildung ganzer Blattpflanzen (Palmen, Dracänen u. s.w., auch aus Metall) erreicht, und Dekorationsblumen, Pflanzen und Blumenarrangements bilden einen Hauptzweig der Blumenfabrikation.

Der Ursprung der Blumenfabrikation reicht bis weit in das Altertum zurück. Um die Mitte des 4. Jahrh. v. Chr. wurde der Gebrauch, Kränze von künstlichen B. zu tragen, aus Ägypten in Griechenland eingeführt. Unter der röm. Kaiserherrschaft schmückten sich die Frauen mit parfümierten B. aus Papyrusrinde und gefärbter Seide; in China wurden bereits im 3. Jahrh. Pflanzenteile, Federn und Seide zur Nachahmung der natürlichen B. benutzt. In Spanien und Italien, wo im Mittelalter namentlich die Klöster die Pflegestätten dieser Industrie waren, wurden, zuerst zum Schmuck der Altäre, B. aus Batist, Gaze und Seide verfertigt. Aus Italien verpflanzte sich im 15. Jahrh. die Blumenmacherei nach Frankreich. Um 1738 brachte hier der Botaniker Seguin mehr Natur in die Fabrikation, indem er darauf hinwirkte, daß wirkliche Blumen nachgeahmt wurden, und dann erlangte sie unter Anwendung mechan. Hilfsmittel und durch die Arbeitsteilung (seit etwa 1824) ihre höchste Blüte, besonders in Paris. 1867 betrug die Produktion in Frankreich 25 Mill. Frs., und es waren in dem Geschäftszweig 15000 Personen beschäftigt, darunter neun Zehntel Frauen und Mädchen. Die schlechten Erwerbsverhältnisse der Frauen führten 1820‒30 auch in Deutschland zu einer lebhaften Entwicklung der Blumenfabrikation, und zwar an der böhm.-sächs. Grenze um Sebnitz, Neustadt, Rumburg, Schluckenau. Als Begründerin derselben gilt Magdalena Bienert in Nixdorf. Die Zahl der Familien, die sich 1833 in Nixdorf und den umliegenden böhm. Ortschaften von der Blumenfabrikation nährten, wurde auf 2000 geschätzt. Als eine Zollerhöhung die Einfuhr künstlicher B. in den Zollverein hinderte, siedelten Arbeiter und Unternehmer nach Sachsen über und legten in Sebnitz, Hertigswalde, Burkersdorf, Neustadt u. s. w. den Grund zu einer blühenden Hausindustrie in der Blumenfabrikation. In der Herstellung der feinen Sorten der Kunstblumen waren aber auch für Deutschland die Franzosen die Lehrmeister; die Hauptplätze derselben sind hier Berlin, Leipzig, Dresden und München. Doch machen die deutschen Erzeugnisse den französischen schon bedeutende Konkurrenz und finden auch in allen Nachbarländern Absatz, sowie auch nach Nord-, Mittel- und Südamerika und Australien; sogar in Frankreich ist ihre Aufnahme im Steigen. 1892 wurden aus Deutschland 1629 Doppelzentner im Werte von 3258000 M. ausgeführt, davon 771 Doppelcentner nach den Vereinigten Staaten von Amerika, 121 nach England, 161 nach Holland, 31 nach Frankreich. Die Einfuhr belief sich auf nur 112 Doppelcentner im Werte von 1120000 M., davon der Hauptbetrag aus Frankreich. – Vgl. Clasen-Schmid, Künstliche B. aus verschiedenem Material (Lpz. 1886); Braunsdorf, Die Herstellung künstlicher B.und Pflanzen aus Stoff und Papier (2 Bde., Wien 1890); ders., Die Herstellung künstlicher B. aus Blech, Wolle, Band, Wachs, Leder, Federn, Chenille u. s. w. (ebd. 1892).

Blumenau, ungar. Lamacs, Klein-Gemeinde im ungar. Komitat Preßburg, 4 km nordwestlich von Preßburg, an der Linie Marchegg-Budapest-Verciorova der Ungar. Staatsbahnen, hat (1890) 948 meist slowak. E. Hier fand 1866 das letzte Gefecht zwischen Österreichern und Preußen statt. Preußischerseits wollte man sich des Donauübergangs bei Preßburg versichern, der durch die Brigade Mondel bei B. gedeckt wurde. General von Fransecky hatte 21. Juli dieser gegenüber die durch Teile der 8. Division verstärkte 7. Division versammelt, führte 22. Juli