Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

165

Bluten - Blütenstand

etwa 10 - 15 cm über dem Wasserspiegel ihre Cocons ab. Anfangs füttert man die Jungen mit Schnecken, Kaulquappen, kleinen Fischen u. s. w.; später mit Fröschen und erst nach Jahresfrist mit Blut von Warmblütern. Früher trieb man zu diesem Zweck Tiere, besonders Pferde und Esel, in den Teich; jetzt füllt man Blut frisch geschlachteter Tiere in einen Flanellbeutel, auf dessen Außenseite sich die Egel festsaugen. Beim Herannahen des Spätherbstes versetzt man die Blutegel aus dem Zuchtteiche in einen kleinern Teich mit festem, hellem Lehm- oder Sandgrund. Am besten jedoch bewahrt man den Winterbedarf in Gläsern und Bottichen auf, die mit reinem Teich- oder Sumpfwasser bis zu sieben Achtel angefüllt und mit Leinwand zugebunden werden. Auf 1 l Wasser rechnet man 32 Blutegel, die keiner weitern Nahrung bedürfen, als öfterer Erneuerung des Wassers, etwa alle acht Tage. Das frische Wasser muß mit dem abzugießenden gleiche Temperatur haben und wird mittels eines Trichters, der bis auf den Boden des Gefäßes reicht, langsam eingegossen. Der Aufbewahrungsraum muß dunstfrei sein; allmähliche Kälte und zuletzt strenger Frost schaden nichts. In Ermangelung von Teichen kann man die Blutegel auch in großen Kübeln ziehen. Bei der Versendung müssen die Blutegel gehörig feucht erhalten und täglich einmal auf eine halbe Stunde in fließendes Wasser gebracht werden. Auf weitere Entfernungen befördert man sie am sichersten in Beuteln von nicht allzu fester Leinwand, die in reinem Flußwasser gewaschen, mit etwas Moos oder Mooserde gefüllt und gehörig durchfeuchtet sind. Stölter fand beim Transport des deutschen Blutegels nach Südamerika nur 4 Proz. Verlust, bei andern Arten bis zu 60 Proz. - Vgl. Egidy, Die B. (Zittau 1844); Stölter, Praktische Resultate der B. (Hildesh. 1860); Landois, Eine westfälische B. im "Zoologischen Garten" (Frankf. 1877).

Bluten oder Thränen des Weinstocks und anderer Holzpflanzen, s. Wurzeldruck.

Blütenachse, Blütenboden, s. Blüte (S. 163b).

Blutende Hostien, s. Blutendes Brot.

Blutendes Brot oder Blutende Hostien, auch Speisenblut, nennt man eine Erscheinung, die auf feuchtem Brot u. dgl. manchmal auftritt und darin besteht, daß rote Tropfen auf demselben erscheinen. Es sind dies Gallertmassen, sog. Zooglöen (s. d.), in denen große Mengen von einzelligen kugeligen Pilzen aus der Gruppe der Spaltpilze (s. d.) sich finden, deren Inhalt lebhaft blutrot gefärbt ist. Man hat diesen Pilz Micrococcus prodigosus Cohn (Monas prodigosa Ehrb.) oder Wundermonade genannt, weil das zu kirchlichen Zwecken oft ausgenutzte Wunder der blutenden Hostien darauf zurückzuführen ist.

Blütenfarben, s. Blattfarbstoffe.

Blütenhülle, s. Blüte (S. 161 b).

Blütenlese, s. Anthologie.

Blütenpflanzen, s. Blüte (S. 161 d).

Blütenstand oder Inflorescenz (inflorescentia) nennt man allgemein bei den Blütenpflanzen diejenigen Sprosse oder Vereinigungen von Sprossen, an denen die Blüten stehen, die also der sog. Hochblattregion (s. Blatt) angehören. Auch eine Einzelblüte (s. Blüte) ist strenggenommen als B. zu betrachten, doch wendet man diese Bezeichnung gewöhnlich nur für die Stellungsverhältnisse solcher Blüten an, die nicht direkt an den laubblatttragenden Achsen, sondern an einem mehr oder weniger verzweigten, mit Hochblättern besetzten Sproß sitzen; derselbe kann ebenso wie die Einzelblüte entweder seitlich an einem laubblatttragenden Stengel stehen oder denselben abschließen. Hiernach heißt der B. im erstern Falle seiten- oder blattwinkelständig, im letztern dagegen endständig. Die Hochblätter, die außer den die Blüten zusammensetzenden noch in den B. vorkommen, teilt man in zwei Gruppen ein: solche, in deren Achseln die einzelnen Blüten oder die einzelnen Verzweigungen der B. entspringen, Deckblätter oder Brakteen (bracteae), und solche, die außerdem noch an der Zusammensetzung der B. teilnehmen, von deren Achseln aber meist weder einzelne Blüten noch einzelne Inflorescenzzweige ausgehen, Vorblätter (bracteolae) genannt, weil sie an den Blütenstielen den Hochblättern vorangehen, aus denen die Blüten bestehen. Sowohl Deckblätter wie Vorblätter sind sehr oft nur als kleine unscheinbare Schuppen ausgebildet und können auch gänzlich fehlen, sind in andern Fällen üppig ausgebildet und besitzen öfters eine lebhafte Farbe. So ist z. B. die Blütenscheide (spatha) der Araceen (s. d.) nur ein scheibenförmig ausgebildetes Vorblatt.

Die Vereinigung der Blüten zu B. kann nun in sehr verschiedenartiger Weise geschehen. Um einen Überblick über die zahlreichen Formen der B. zu bekommen, hat man mehrere Typen aufgestellt. Man unterscheidet zunächst gewöhnlich monopodiale und sympodiale B. Die monopodialen B. (auch racemöse, botrytische B. oder Monopodien genannt) sind dadurch charakterisiert, daß diejenige Stammachse, die direkt von dem laubblatttragenden Stengel ausgeht und als Hauptachse des B. bezeichnet wird, nicht bloß an einer einzigen Stelle ihres Umfangs oder auf einer und derselben Höhe Blüten oder Inflorescenzzweige bildet, sondern von den zuerst angelegten fortschreitend bis zu ihrer Spitze in aktropetaler Reihenfolge neue Verzweigungen erzeugt. Bei den sympodialen B. (auch cymöse oder cincinnöse B. oder Sympodien genannt) dagegen verzweigt sich die Hauptachse nur an einer Stelle und schließt dann selbst, ohne weitere seitliche Blüten oder Inflorescenzzweige zu erzeugen, mit einer endständigen Blüte ab; jeder der von der Hauptachse gebildeten Seitenzweige verhält sich ganz ebenso wie die Hauptachse, bildet also auch wieder nur auf einer bestimmten Höhe neue Verzweigungen und schließt dann selbst mit einer Blüte ab; diese Verzweigungsart kann sich in einem B. mehrmals wiederholen. In Tafel: Blütenstand, Fig. 1 a-f sind schematisch eine Reihe von monopodialen B., in Fig. 11 a, b ebenfalls schematisch zwei sympodiale B. abgebildet.

Zu den monopodialen B. gehört zunächst die Traube (racemus oder botrys, Fig. 3), bei der alle Seitenzweige ziemlich gleich lang sind und an einer verlängerten Hauptachse stehen; an diese schließt sich die Doldentraube oder der Ebenstrauß (corymbus, Fig. 4), bei dem die untern Blütenstiele länger sind als die obern, sodaß sämtliche Blüten ungefähr in eine Ebene zu liegen kommen. Sitzen die Blüten direkt an einer verlängerten Hauptachse, sind die Blütenstiele also nur sehr wenig entwickelt, so bezeichnet man den B. als Ähre (spica, Fig. 2). Die Ähre hat verschiedene Formen; ist die Hauptachse fleischig entwickelt, so spricht man von einem Kolben (spadix, Fig. 9); die schlaff herunterhängenden Ähren der Haselnußsträucher, der Pappeln u. s. w. nennt man Kätzchen (amentum, Fig. 8), diejenigen