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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Blutfahne; Blutfarbstoff; Blutfaserstoff; Blutfennich; Blutfink

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Blutfahne - Blutfink

neuem, oft wenn eine Wunde schon vernarbt ist; neue Verletzungen veranlassen neue Blutungen, der Kranke wird schwächer und schwächer, die herabgekommene Ernährung macht einen baldigen Ersatz des Blutverlustes immer schwieriger, und so geht der Kranke endlich an Erschöpfung zu Grunde, meist schon im Kindesalter. Die Krankheit scheint fast immer erblich zu sein, derart, daß in einer Familie (sog. Bluterfamilie) nur ein Teil der Kinder, und zwar besonders die Knaben, daran leiden, während die übrigen gesund sind, aber nun ihrerseits Kinder zeugen, die der Krankheit verfallen. Dabei hat sich die merkwürdige Thatsache herausgestellt, daß männliche Bluter, mit gesunden, nicht aus einer Bluterfamilie stammenden Frauen verheiratet, meist keine Bluter erzeugen, während die Töchter aus Bluterfamilien, auch wenn sie selbst gesund sind und mit gesunden Männern verheiratet werden, sehr gewöhnlich blutende Söhne zur Welt bringen. Bei geringer Entwicklung der Krankheit können die Bluter das reifere Alter erreichen; so leiden häufig die aus Bluterfamilien stammenden Frauen an häufigem und reichlichem Nasenbluten, an übermäßiger Menstruation u. s. w., ohne aber darüber zu Grunde zu gehen. Das Wesen der Krankheit ist noch nicht aufgeklärt; einige suchen es mehr in der krankhaften Beschaffenheit des Blutes, welche seine Gerinnbarkeit aufheben sollte, andere mehr in einer abnorm leichten Zerreißbarkeit und mangelnden Kontraktilität der Blutgefäße oder in einer angeborenen abnormen Enge der Aorta und der größern Arterien. Ein besonderes Heilmittel gegen die Krankheit kennt man nicht. Prophylaktisch ist zu betonen, daß Bluter eine zwar kräftige, aber leicht verdauliche Diät einhalten und alle aufregenden und erhitzenden Getränke, namentlich Kaffee, Thee und Alkohol, ängstlich meiden, sich auch vor allen erheblichern körperlichen Anstrengungen, zumal bei heißer, schwüler Witterung, und heftigen Gemütsbewegungen sowie vor allen mechan. Schädlichkeiten hüten und durch leicht abführende Salze für täglichen Stuhlgang sorgen sollen; alle Blutentziehungen, Zahnextraktionen und operativen Eingriffe müssen womöglich unterbleiben. Bei jeder Blutung, auch der geringsten, ist sofort ärztlicher Rat einzuholen. - Vgl. Wachsmuth, Die B. (Magdeb. 1849); Grandidier, Die Hämophilie oder B. (Lpz. 1855; 2. Aufl. 1877).

Blutfahne oder Blutbanner, lat. vexilium sanguineum (imperiale oder praetorium), die Fahne, unter der die mit dem Blutbann verknüpften Reichslehen verliehen wurden. Mehrfach wurde ihr Zeichen in die Wappen aufgenommen und hieß in demselben das Regalienfeld. Die B. war regelmäßig ganz rot. - Vgl. Bernd, Die drei deutschen Fahnen (Bonn 1848). - B. hieß auch der verlorene Haufen.

Blutfarbstoff, Hämoglobin, Hämatoglobulin, Hämatokrystallin, Bezeichnung für den roten Farbstoff der farbigen Blutkörperchen, dem das Blut seine undurchsichtige rote Farbe verdankt. Während des Lebens ist der B. an die roten Blutkörperchen fest gebunden: obwohl leicht in Wasser löslich, tritt doch nichts davon in den wässerigen, flüssigen Teil des Blutes über; läßt man aber Blut, nachdem es den Körper verlassen hat, gefrieren und wieder auftauen, so sind die Anziehungskräfte, welche den B. in den Blutkörperchen zurückhielten, zerstört, man erhält nun eine durchscheinend rote Flüssigkeit, in welcher die des Farbstoffs beraubten Körperchen schwimmen. Aus dieser läßt sich der B. in rhombischen Krystallen erhalten. Die Krystalle haben eine sehr komplizierte Zusammensetzung, sie bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff, Stickstoff, Schwefel, Eisen und Sauerstoff. Das Hämoglobin setzt sich aus zwei verschiedenen Körpern zusammen, aus dem eisenhaltigen und zugleich gefärbten Hämatin und einem dem Globulin nahestehenden Eiweißkörper; man kann die Zerlegung in diese beiden Stoffe durch Zusatz von Säuren, starken Alkalien oder Ozon erzielen. Dem B. kommt im Leben der Tiere eine ganz bestimmte Funktion zu. Er hat nämlich die Eigenschaft, mit Leichtigkeit Sauerstoff aufzunehmen und diesen an andere, oxydierbare Substanzen wieder abzugeben. Diese Sauerstoffaufnahme erfolgt in der Lunge; indem die Blutkörperchen hier im Blutstrome durch die feinsten Kapillaren passieren, beladen sie sich mit dem Sauerstoff der eingeatmeten Luft, der B. nimmt dabei eine hellrote Farbe an, geht in Oxyhämoglobin über. Indem das Oxyhämoglobin den einzelnen Organen des Körpers mit dem cirkulierenden Blute zugeführt wird, giebt es feinen Sauerstoff an die in Spaltung begriffenen chem. Verbindungen ab und bewirkt so den Oxydationsprozeß, dessen Folge die Wärmeproduktion des Körpers ist. Mit dieser Abgabe von Sauerstoff wird es in dunkelrotes reduciertes Hämoglobin verwandelt, und als solches kehrt es im venösen Blut zur Lunge zurück, um sich in dieser wieder mit Sauerstoff zu beladen und in Oxyhämoglobin verwandelt zu werden.

Der B. ist das einzige Mittel, durch welches der Körper mit dem zu seiner Existenz erforderlichen Sauerstoff versorgt werden kann. Das Vermögen des B., Sauerstoff aufzunehmen und wieder abzugeben, ist jedoch ein begrenztes; nach mehrfachen Wiederholungen wird das Hämoglobin zerstört und in Hämatin verwandelt, welches, nachdem es in der Leber weiter zersetzt worden ist, mit den Gallenbestandteilen in den Darm entleert wird. Es muß daher im Körper beständig eine Neubildung von Hämoglobin stattfinden. Ein anderer Abkömmling der B. ist das eisenfreie Hämatoidin, welches sich im Körper überall dort bildet, wo Blut, aus seinen natürlichen Kreislaufbahnen ausgetreten, der allmählichen Zersetzung anheimfällt (in Blutergüssen, Blutbeulen, Thromben u. dgl.). Außer mit dem Sauerstoff geht das Hämoglobin Verbindungen mit einigen andern Gasen ein, so namentlich mit dem Kohlenoxyd, und diese letzte Verbindung (Kohlenoxydhämoglobin) ist fester, stabiler als die mit Sauerstoff. Wenn daher Kohlenoxyd eingeatmet wird, so kann sich kein Oxyhämoglobin bilden, sondern es entsteht Kohlenoxyd-Hämoglobin, dieses kann keinen Sauerstoff dem Körper liefern, das Leben erlischt aus Sauerstoffmangel, an Erstickung. Die giftige Wirkung des Kohlendunstes sind auf die Bildung des Kohlenoxyd-Hämoglobins zurückzuführen.

Blutfaserstoff, s. Fibrin.

Blutfennich, Blutfingergras, s. Hirse.

Blutfink, Blutastrild, Amarant (Habropyga minima Vieill.), einer der kleinsten Astrilde aus dem tropischen Afrika, wo er in ungeheuern Schwärmen auftritt und sich gern in der Nähe menschlicher Wohnungen aufhält. Einmal eingewöhnt, hält er sich in Deutschland viele Jahre hindurch und brütet unter günstigen Bedingungen leicht. Frisch importierte Vögel sind sehr hinfällig und bedürfen großer Pflege. Das Paar kostet 3-4 M.