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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Blutstillende Mittel - Blutung

Absonderungsflächen besitzt und in vielen Gebirgen mit andern Roteisensteinarten mächtige Gänge und Lager bildet. Der größte Teil der Ausbeuten wird in den Hochöfen verschmolzen. Auserlesene Stücke benutzt man zum Polieren der Metalle; auch werden Ringsteine, Sckmuckknöpfe u. dgl. daraus gefertigt. Die Alten meinten, der B. sei aus geronnenem Blute entstanden, und schrieben ihm eine blutstillende Kraft zu.

Blutstillende Mittel (Haemostatica), diejenigen chirurgischen oder ärztlichen Heilmittel, welche man teils bei frischen Wunden, teils bei freiwilligen krankhaften Blutungen (s. d.) anwendet, um die Gefäße zu schließen und das Blut zum Gerinnen zu bringen. Sie sind 1) rein mechanische, chirurgische: Druck auf das blutende Gefäß (z. B. durch Tampons, Finger, Tourniquets), Unterbindung desselben oder seines Stammes, Drehung desselben um seine Achse (Torsion), ferner das Glüheisen und der galvanokaustische Apparat, klebende Mittel u. s. w.; 2) chemische, das Blut gerinnen machende (Styptica), wie Alaun, Vitriole, Gerbsäuren (wohin viele Pflanzen gehören, sog. Wundkräuter), Kreosot, Säuren, Eisenchlorid u. s. w. Letztere wendet man teils in Pulverform, teils in Lösungen an und unterstützt ihre Wirkung zweckmäßig durch die Kompression; freilich wirken sie nur dann sicher blutstillend, wenn kein größeres Blutgefäß verletzt ist, in welchem Falle man nur von dem mechan. Verschluß des Gefäßrohrs ein Aufhören der Blutung erwarten darf. (S. Unterbindung.) Die Kälte, das älteste und gebräuchlichste Blutstillungsmittel, wirkt sowohl mechanisch zusammenziehend auf die Gefäßwandungen als chemisch koagulierend und erweist sich besonders bei kapillaren oder parenchymatösen Blutungen im Verlaufe von operativen Eingriffen in der Form von Eiskompressen, Eiswasserberieselungen u. s. w. sehr wirksam. Gegen Blutungen aus Körperhöhlen sind Einspritzungen von heißem Wasser (40 bis 45° C.) hilfreich; sie wirken oft besser und nachhaltender als Eiswasser. (S. Blutung.)

Blutstockung (Stasis), die mehr oder minder vollständige Unterbrechung des Blutkreislaufs innerhalb der Haargefäße, tritt durch die verschiedenartigsten schädigenden Einflüsse ein, durch die Einwirkung starker chem. Agentien (Ätzmittel), extreme Temperaturgrade (Glühhitze, große Kälte) und mechan. Insulte (Druck, Quetschung, Einklemmung u. s. w.). Geringere Grade der B. können ohne bleibenden Nachteil vorübergehen, während stärkere Ernährungsstörungen, Entzündung, selbst Brand des betreffenden Gewebes oder Organs zur Folge haben. Man kann das Eintreten von B. direkt unter dem Mikroskop beobachten, wenn man die durchsichtige Schwimmhaut oder das Netz eines Frosches mit Essigsäure oder einem andern Ätzmittel betupft.

Blutströpfchen, Pflanze, s. Nelke.

Blutströpfchen, Blutstropfen, Schmetterlinge, s. Bärspinner.

Blutsturz (Haemorrhagia). s. Bluthusten und Blutung.

Blutsucht, s. Bluterkrankheit.

Blutsverwandtschaft, s. Verwandtschaft und Kognaten.

Bluttau, s. Blutregen.

Bluttaufe nannte man den Tod der christl. Märtyrer, weil er, wie zuerst Tertullian aussagt, die noch nicht empfangene Wassertaufe ersetzte.

Bluttröpfeln, s. Blutung.

Blutüberfüllung, s. Hyperämie.

Blutumlauf, s. Kreislauf des Blutes.

Blut und Eisen, so oft citiert, statt des von Bismarck gebrauchten "Eisen und Blut" (s. d.).

Blutung (Haemorrhagia) nennt man das Austreten von Blut aus den für dasselbe bestimmten Kanälen, den Blutgefäßen. Jede größere B. setzt eine Zerreißung der Gefäßwände voraus, während kleinere B., besonders aus den Haargefäßen und den kleinsten Venen, auch ohne sichtbare Verletzung der Gefäßwand zu stande kommen können, indem die Blutkörperchen das Gefäß durch mikroskopisch feine Öffnungen (sog. Stomata) in der Gefäßwand mittels einer Art Durchsickerung verlassen. (S. Diapedesis.) Je nach den Blutgefäßen unterscheidet man arterielle, venöse und kapillare B.; bei den letztern kommt das Blut aus den die Arterien mit den Venen verbindenden feinsten Äderchen, welche das Kapillar- oder Haargefäßsystem bilden. Die B. sind entweder äußere, wobei das Blut nach außen aus dem Körper entleert wird (wie z. B. die Lungen-, Magen-, Darm-, Gebärmutterblutungen), oder innere (verborgene), wo das Blut entweder in natürlichen Höhlen, z. B. der Brust, des Bauches und des Kopfes ergossen wird, oder der Erguß in das Gewebe der Organe erfolgt (parenchymatöse B.), oder unter deren Oberhaut (Sugillationen, Blutunterlaufungen). Hierbei bildet das ergossene Blut entweder eine mehr oder minder große Geschwulst an der Oberfläche eines Organs, eine sog. Blutbeule oder Blutgeschwulst (Hämatom), oder es bildet eine umschriebene Infiltration in einem weichen Gewebe, einen sog. Blutknoten oder hämorrhagischen Infarkt, oder endlich es hat das zarte Parenchym gewisser Organe in größerm oder geringerm Umfange zertrümmert und stellt eine sog. Blutlache oder einen hämorrhagischen (apoplektischen) Herd dar. Hat eine B. in ein Gewebe stattgefunden, so erfolgt gewöhnlich eine allmähliche Aufsaugung des Blutergusses, worauf dann häufig eine Narbe oder ein cystenartiger, mit wässeriger Flüssigkeit erfüllter Hohlraum (apoplektische Cyste) zurückbleibt. (S. Extravasation.)

In Bezug auf die Schnelligkeit und die Menge des auf einmal ausfließenden Blutes unterscheidet man Bluttröpfeln (Stillicidium sanguinis), wobei der Blutaustritt nur tropfenweise erfolgt, Blutfluß (Profluvium sanguinis oder Haematorrhoea), bei welchem das Blut ununterbrochen ergossen wird, und Blutsturz (Haemorrhagia), wenn durch plötzliche massenhafte B. das Leben bedroht wird. Die zur Blutaustretung Anlaß gebende Verletzung der Gefäßwände geschieht entweder von außen durch Wunden und Verletzungen jedweder Art (gewaltsame oder traumatische B.), oder durch innere Ursachen, nämlich durch Zerberstung, Zerfressung, eiterige Schmelzung der Gefäßwände, am häufigsten aber durch starke Blutanhäufungen und Blutstockung in den Haargefäßen (spontane B.). Außer der Blutanhäufung trägt der Zustand der Gefäße nicht wenig zum Zustandekommen der B. bei, und darauf beruht auch zum Teil die Anlage zu B., die sog. hämorrhagische Diathese, welche sich am höchsten bei den Blutern ausgebildet findet. (S. Bluterkrankheit.) Je lockerer das Gewebe ist, welches die Gefäße umgiebt, je weniger es ihrer Ausdehnung Widerstand zu leisten vermag und je zahlreicher seine Haargefäße sind, desto leichter kommen B. zu stande. Daher die so häufigen B. aus den Gefäßen der Schleimhäute der Nase, der Lungen im jugendlichen Alter und des Darmkanals im Mannes-^[folgende Seite]