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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bobbio - Bobrujsk

Bobbinet- und Spitzenherstellung (mit 21 Tafeln, Berl. 1892).

Bobbĭo, Hauptstadt des Kreises B. (36210 E.) in der ital. Provinz Pavia, nahe der Vereinigung des B. und der Trebbia, am Fuße des Monte-Penice, ist Sitz eines Bischofs (seit 1014), hat (1881) 1967, als Gemeinde 4545 E., Post und Telegraph. Hier wurde 612 durch den heil. Columban, Abt von Luxeuil, eine Abtei gegründet, deren Bibliothek aus dem 10. Jahrh. mit 700 Manuskripten sich jetzt größtenteils im Vatikan befindet; aus ihr stammen fast alle durch Angelo Mai, Peyron und Niebuhr bekannt gewordenen Palimpseste.

Bober, der größte linke Nebenfluß der Oder, entspringt in 743 m Höhe auf der schles. Seite des Riesengebirges, auf einer sumpfigen Wiese am Rehhornberge beim Dorfe B., 5 km im N. von Schatzlar. Sein Oberlauf durchzieht mehrere stufenförmig übereinander liegende Hochebenen, berührt im östl. Bogen Liebau (510 m) und Landeshut (427 m) und geht in einem oft sehr engen Thale bis Kupferberg. Dort beginnt bei einer schmalen Pforte zwischen Ochsenkopf und Bleiberg der Mittellauf des Flusses, der die Hirschberghochebene durchfließt, zwischen Hirschberg und Löwenberg enge Schluchten passieren muß und endlich noch in einem engen wilden Querspalt die Vorstufe zu durchbrechen hat, um in die Ebene zu gelangen. In seinem Unterlaufe, der im allgemeinen nach Norden gerichtet ist, durchfließt der B. anfänglich Wiesengründe, dann große Sumpfstrecken und ausgedehnte Wälder. Bei Crossen mündet der Fluß, nach einem Laufe von 260 km, in einer Breite von 40 m in die Oder. In seinem obern Gebiete durch die Gebirgswasser angeschwellt, tritt der B. häufig über und richtet arge Verheerungen an. Seine bedeutendsten Nebenflüsse sind links die Lomnitz und der Zacken (s. d.) vom Riesengebirge und der Queis (s. d.) vom Isergebirge; rechts die Sprotte. Der B. ist weder schiffbar noch flößbar.

Boberfeld, Martin Opitz von, s. Opitz, Martin.

Bobersberg, Stadt im Kreis Crossen des preuß. Reg.-Bez. Frankfurt, 14 km südlich von Crossen, unfern vom Bober, hat (1890) 1455 E., darunter 19 Katholiken; Postagentur, Telegraph, Superintendentur, Kreisschulinspektion, evang. Kirche (Basilika, 1856 erbaut), neues Rathaus (1882); 1 Dampfbleichanstalt, 3 Mahl- und Schneidemühlen, 8 Töpfereien und Landwirtschaft. – Vgl. Kretzmann, Einige Nachrichten über B. (Crossen 1856).

Bobine (frz.), die Spule am Spinnrad; auch soviel wie Kötzer, der birnförmige Körper, der aus dem Garn beim Aufwickeln auf die Spindeln der Mulemaschine gebildet wird (s. Spinnerei); ferner der endlose Papierstreifen zur Anfertigung der Cigarettenhülsen (s. Cigaretten); im Bergbau der Förderkorb für Bandseile (s. d.).

Bobinoir (frz., spr. -nŏahr), Vorspinnmaschine für Kammgarn und Seide; in der Weberei das Spulrad oder die Spulmaschine zum Aufwickeln der Kette.

Bobisation, s. Solmisation.

Böblingen. 1) Oberamt im württemb. Neckarkreis, hat (1890) 26918 (1885: 27068, davon 13020 männl., 14048 weibl.) E., 2 Städte und 16 Landgemeinden. – 2) Oberamtsstadt im Oberamt B., am Rande des Forstes Schönbuch, 17 km südwestlich von Stuttgart, an der Linie Stuttgart-Eutingen-Schiltach der Württemb. Staatsbahnen, hat (1890) 4659 E., darunter 179 Katholiken, Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung; Oberamt, Amtsgericht (Landgericht Stuttgart), Zollamt, Grenzsteueramt; evang. Stadtkirche, evang. Dekanat, eine Real-, eine Präceptorats - und eine gewerbliche Fortbildungsschule, Krankenhaus; Spinnerei, mechan. Tricotweberei, Fabrikation von Tuch, Cigarren, Zucker, Chemikalien, Portefeuilles, halbwollenen und halbleinenen Zeugen und Spielwaren; Bierbrauerei, Hopfenbau und Holzhandel. – Bei B. wurden im Bauernkriege 12. Mai 1525 die Bauern von Georg Truchseß von Waldburg entscheidend geschlagen.

Böblinger, Steinmetzenfamilie im 15. Jahrh. Als ihr Stammvater ist Hans B. zu bezeichnen, der 1440 unter Matthias Ensinger Werkmeister der Frauenkirche in Eßlingen wurde und 1463 die selbständige Leitung erhielt. Er starb 4. Jan. 1482. Von seinen Söhnen war der tüchtigste Matthias. Dieser schuf 1474 den Ölberg zu Ulm, wurde 1480 Kirchenmeister am Münster, baute seit 1485 die Katharinenkirche zu Eßlingen. Er starb 1505 zu Eßlingen als einer der meist beschäftigten Künstler seiner Zeit. Sein Bruder Markus arbeitete 1484 an der Frauenkirche zu Eßlingen und starb daselbst 1492; Lukas wurde 1487 Werkmeister am Dom zu Konstanz.

Bobo (span.), Possenreißer im span. Theater.

Bobolink, ein Vogel, s. Paperling.

Bobr, rechter Nebenfluß des Narew, im russ. Gouvernement Grodno, ist 180 km lang und von der Einmündung der Netta an schiffbar. Durch letztere tritt er in Verbindung mit dem Augustowokanal (s. d.).

Bobrinez, Stadt im Kreis Jelisawetgrad des russ. Gouvernements Cherson, 192 km östlich von Cherson, am B. und an der Poststraße von Nikolajew nach Jelisawetgrad, hat (1890) 10053 E., davon 20 Proz. Israeliten, eine russ. Kirche, eine Synagoge. B. war 1828‒65 Kreisstadt. In der Nähe sind viele Kurgane (s. d.).

Bóbrka. 1) Bezirkshauptmannschaft in Galizien, hat 890,62 qkm, (1890) 69612 (34335 männl., 35277 weibl.) E., darunter 465 Evangelische, 11881 Römisch-Katholische, 47562 Griechisch-Unierte und 9685 Israeliten), 10713 Häuser, 14559 Wohnparteien in 90 Gemeinden mit 87 Ortschaften und 190 Gutsgebieten, und umfaßt die Gerichtsbezirke B. und Chodorów. – 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft B., südöstlich von Lemberg an der Linie Lemberg-Czernowitz der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 4680, als Gemeinde 4939 E., darunter 2395 Israeliten, Post, Telegraph, Bezirksgericht (500 qkm, 48 Gemeinden, 46 Ortschaften, 102 Gutsgebiete, 37514 ruthen. E.); betrieben wird Kunstweberei, Landwirtschaft, Getreide- und Leinenhandel.

Bobrow. 1) Kreis im nordöstl. Teil des russ. Gouvernements Woronesch, hat 9286,1 qkm mit 276565 E., Ackerbau, 43 Pferdezüchtereien (103 Hengste, 715 Stuten) für Reitpferde, Traber und schwere Arbeitspferde (Bitjugi, s. Bitjug). – 2) Kreisstadt im Kreis B., 104 km südöstlich von Woronesch, rechts des Bitjug, benannt nach den früher hier zahlreichen Bibern (russ. bobr), hat (1885) 3660 E., Post, Telegraph, 3 Kirchen, 1 Progymnasium, Obst- und Gemüsebau und 4 Jahrmärkte.

Bobrujsk.1) Kreis im südöstl. Teil des russ. Gouvernements Minsk, hat 12212,8 qkm, 198543 E. (Weißrussen, Polen und Israeliten), viele Sümpfe und Wälder. – 2) Kreisstadt im Kreis B. und Festung ersten Ranges, 173 km südöstlich von Minsk,