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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation; Bock; Bock (Eduard); Bock (Musikinstrument); Bock (polnischer); Bock (technisch); Bock (Turngerät); Bock (zoologisch)

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Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation – Bock (Eduard)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bochum'

stellen an der Linie Hengstei-Herdecke-Dahlhausen der Preuß. Staatsbahnen. Die Geschichte von B., einer der ältern Städte der Grafschaft Mark, reicht ins 11. Jahrh, hinein. – Vgl. J. D. von Steinen, Westfäl. Geschichte (4 Tle., Lemgo 1749–60); Kortum, Nachrichten über die Stadt B. (im «Westfäl. Magazin», Heft 5 u. 6); Darpe, Geschichte der Stadt B. (3 Bde., Bochum 1888–91).

Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation. Der Verein erlangte Bedeutung durch ein 1842 gegründetes und 1854 übernommenes Gußstahlwerk. 1892 gehörten ihm folgende Hauptbetriebe an, und zwar außerhalb Bochums: die 3 Steinkohlenzechen Maria Anna und Steinbank, Engelsburg, Hasenwinkel; mehrere Eisengruben in Lothringen sowie bei Siegen, Nassau und Bückeburg; in Bochum selbst: 4 große Hochöfen nebst Eisengießerei; 4 Anlagen für Gußstahl, je eine für Tiegelstahl, Martin-Siemensstahl, Bessemerstahl und Thomasstahl; mehrere Hammerwerke mit zusammen 38 Dampfhämmern, der schwerste mit 600 Ctr. Bärgewicht und Oberdampf; 8 Walzwerke für Schienen, Bandagen u. s. w.; ausgedehnte Werkstätten mit 600 Werkzeugmaschinen. Die im Betrieb befindlichen Dampfmaschinen haben zusammen 8000 Pferdestärken: Dampfkessel sind 180 in Betrieb. Zum Transport dienen 175 Krane und 40 km eigene Eisenbahnen mit 20 Lokomotiven und 500 Wagen. Die Gesamtzahl der beschäftigten Arbeiter beträgt 7900, davon kommen 2870 auf die Bergwerke. – An Fabrikaten sind hervorzuheben: Stahlfaçonguß: Glocken, Räder, Herzstücke, Preßcylinder u. s. w.; Geschütze aller Art, glatt und gepanzert, nebst Lafetten; Eisenbahnbedarf aller Art; Feld-, Forst- und Industriebahnen mit allem Zubehör; schwere Guß- und Schmiedestücke für Maschinenbau (Wellen, Ständer, Walzen), Schiffbau Wellen, Propeller), Bergbau (Schacht- und Streckengestänge), Brückenbau (Auflager, Drehzapfen, Pfannen); Halbfabrikate der Hämmer und Walzwerke: Federnstahl, Rund- und Flachstahl. – Produktion: Die Zechen fördern jährlich 680000 t Steinkohlen, die Eisengruben bis 60000 t Erz (Spateisenstein); die 4 Hochöfen erzeugen jährlich 190000 t Roheisen; die Gußstahlwerke 260000 t Gußstahl (Ingots), davon werden 200000 t Gußstahlfabrikate gefertigt. Die Walzwerke und Hämmer liefern jährlich 33000 t Halbfabrikate. Die jährliche Produktion einzelner Fabrikate beträgt: Eisenbahnschienen, -Schwellen und -Laschen 180000t; Herzstücke 8000 Stück; Radsätze für Lokomotiven und Tender 4000, für Waggons 12000 Stück; Eisenbahnachsen 30000 Stück. – An Wohlfahrtseinrichtungen besitzt das Werk: 120 Arbeiterhäuser für 790 Familien; 10 Wohnhäuser für Beamte; Arbeiter-, Kost- und Logierhaus für 1200 Arbeiter; Kleinkinder- und Nähschule; 5 Konsumanstalten, eine Arbeiterkolonie mit 21 Häusern für 84 Familien bei der Zeche Maria Anna und Steinbank. – 1887 gründete der Verein in Gemeinschaft mit der Firma Portilla, White + Comp. in Sevilla dortselbst eine Kanonenfabrik mit einer Beteiligung von etwa 800000 M. Im selben Jahre beteiligte er sich mit etwa 3,2 Mill. M. bei der jetzt fallierten Aktiengesellschaft Tardy + Benech in Savona behufs Einrichtung eines Gußstahlwerkes. Das Fallissement dieses Werkes hatte ein vorübergehendes Sinken der Aktien des Vereins zur Folge. – Der im Sommer 1891 gegen einige Angestellte des Vereins angestrengte Aufsehen erregende Prozeß ↔ wegen Mißbrauchs von Schienenstempeln endigte Aug. 1892 mit Freisprechung der Angeklagten. – Das jetzige Aktienkapital des Vereins beträgt 21 Mill. M., Abschreibungen und Reserven 23,4 Mill. M.; durchschnittliche Dividende der letzten 29 Jahre 8,11 Proz. Die Oberleitung des Vereins führt Geh. Kommerzienrat Baare.

Bock, ein malzreiches Bier, s. Bockbier.

Bock, polnischer, In den Bock spannen, eine mittelalterliche Strafe, wobei die Hände zusammengebunden, über die Knie gezogen und ein Stock über den Armen und unter den Kniekehlen so hindurchgesteckt wurde, daß die Hände nicht über die Knie zurückgezogen werden konnten. – Bei dem in der Tortur angewandten sog. Spanischen Bock wurden die Daumen und großen Fußzehen oder auch die Fuß- und Handgelenke zusammen je kreuzweise eingeschraubt, dem Inquisiten Stäbe zwischen den Armen durchgesteckt und durch Schnüre an den Schrauben die Hände zu den Füßen gezogen (s. Tortur).

Bock, polnischer, Musikinstrument, s. Dudelsack.

Bock (technisch), ein in verschiedenen Industrien gebräuchliches einfaches hölzernes Gestell, gewöhnlich mit horizontalem Hauptteil und mit Füßen versehen, das zur Unterstützung irgend eines Gegenstandes dient; speciell im Maschinenwesen ein zur Unterstützung von Lagern und andern Maschinenteilen dienendes Gerüst. In der Baukunst ist B. eine Verbindung von Hölzern zum Zweck des Stützens eines stark belasteten oder auf große Entfernung frei liegenden Balkens. Er besteht aus zwei lotrechten Balken (Säulen), zwei schräg anlaufenden Streben und einem Verbindungsstück (Riegel) zwischen den Säulen. Ist der stützende Balken am untern Ende der Säulen befestigt, so nennt man den B. Hängebock. Beim Sprengbock fehlen die Säulen, und der Balken liegt auf dem unmittelbar zwischen die Streben eingefügten Riegel. (S. Hängewerk und Sprengwerk.)

Bock (Turngerät), ein beim Knaben- und Männerturnen durch Eiselen eingeführtes Springgerät, das oben für das Aufstützen der Hände beim Sprunge und für die Sitzübungen eine gepolsterte, viereckige, aber nach allen Seiten hin abgerundete Stützfläche bietet, die je nach Alter und Größe der Übenden von verschiedener Breite und Länge sein muß. Am ausgiebigsten ist der B. zu benutzen, wenn seine vier Beine mit einer Einrichtung zum Hoch- und Tiefstellen versehen sind.

Bock (zoolog.), das Männchen von Säugetieren, insbesondere der Ziege, des Schafs, des Rehs und der Gemse, auch des Stein- und Damwildes.

Bock, Eduard, Pädagog, geb. 10. Dez. 1816 in Großjena bei Naumburg a. S., studierte in Halle Theologie, wurde 1844 Lehrer am Seminar zu Weißenfels, 1847 Direktor des Seminars zu Löwen, mit dem er 1849 nach Münsterberg übersiedelte. 1864 übernahm er, zum Regierungs- und Schulrat in Königsberg ernannt, das Seminarwesen und zum Teil auch das Schulwesen der Provinz Preußen, 1873 wurde er in gleicher Eigenschaft nach Liegnitz versetzt, 1882 zum Geh. Regierungs- und Schulrat ernannt; 1891 trat er in den Ruhestand; er starb 17. Okt. 1893 zu Liegnitz. B. ist als praktischer Schulmann geschätzt; das Seminar zu Münsterberg galt unter seiner Leitung als Musteranstalt. Als pädagogischer Schriftsteller hat er sich durch den «Wegweiser für Volksschullehrer» (Bresl. 1858; 5. Aufl., 2 Bde., 1872), «Der Volksschulunterricht» (ebd. 1879;

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 184.