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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Böckh (Christian Friedr. von) - Bockkäfer

schungen, welche die griech. Tragödie betreffen (wie z. B. die Ausgabe und Übersetzung der «Antigone» des Sophokles, ebd. 1843), die Untersuchungen über «Manetho und die Hundssternperiode» (ebd. 1845), «Untersuchungen über die kosmischen Systeme der Griechen» (ebd.1852),"Zur Geschichte der Mondcyclen der Hellenen» (Lpz. 1855), «Epigraphisch-chronol. Studien» (ebd. 1856), «Über die vierjährigen Sonnenkreise der Alten» (Berl. 1863). Viele Abhandlungen von ihm enthalten die «Denkschriften» der Akademie, der er seit 1814 als Mitglied angehörte; sie bilden den 5. und 6. Band seiner «Kleinern Schriften» (hg. von Ascherson, Bratuscheck und Eichholtz, 7 Bde., Lpz. 1858-72). Auch an der neuen Ausgabe der Werte Friedrichs d. Gr. nahm B. als Direktor des dafür ernannten akademischen Ausschusses teil. Seine Vorträge über «Encyklopädie und Methodologie der philol. Wissenschaften» gab Bratuschek heraus (Lpz. 1877; 2. Aufl. 1886, besorgt von Klußmann). Sein Briefwechsel mit K. O. Müller erschien Leipzig 1883. - Vgl. Sachse, Erinnerungen an A. B. (Berl. 1868).

Böckh, Christian Friedr. von, bad. Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 13. Aug. 1777 in Karlsruhe, studierte Kameralwissenschaften in Jena und Heidelberg und trat 1. Mai 1803 als Finanzassessor beim Hofratskollegium zu Mannheim in den Staatsdienst, wurde 1828 Finanzminister, nachdem er 1825 den Adel erhalten hatte. Er bearbeitete nach seinem Eintritt in das Finanzministerium (1811) mit Nebenius ein neues System der direkten Steuern, brachte strenge Ordnung in die Verwaltung und den Staatshaushalt und begründete den Kredit des Landes aufs neue. Ein Gegner des Feudalwesens und des alten Abgabensystems, kam er den Vorschlägen der Kammer für Ablösung der Zehnten und Fronen bereitwillig entgegen. 1844 gab er das Departement der Finanzen ab und trat als Präsident an die Spitze des Gesamtministeriums, nahm aber im März 1846 seine Entlassung. B. starb 21. Dez. 1855 zu Karlsruhe.

Böckh, Richard, Statistiker, Sohn von August B., geb. 28. März 1824 in Berlin, studierte daselbst sowie in Heidelberg Jura und Cameralia, trat 1845 in den preuß. Justizdienst, arbeitete als Referendar bei den Regierungen zu Potsdam und Erfurt, dann von 1852 als Regierungsassessor unter Dieterici im Statistischen Bureau zu Berlin und seit 1855 bei der Regierung und dem Oberpräsidium in Potsdam, wo er die Aufgabe hatte, eine Musterstatistik dieses Bezirks festzustellen. 1864 wurde er nach Engels Eintritt wieder in das Statistische Bureau berufen, woselbst er seit der Einrichtung des statist. Kursus 1862 Bevölkerungsstatistik lehrte, 1864 zum Regierungsrat ernannt wurde und als ältestes Mitglied und Vertreter des Direktors bei der Neugestaltung der deutschen Statistik hauptsächlich mitwirkte. Insbesondere war er 1871 eine Zeitlang bei dem damaligen Oberpräsidium in Straßburg thätig. 1875 übernahm er die Direktion des Statistischen Bureaus der Stadt Berlin, in welcher Stellung es ihm gelang, seine statist. Theorien in größerm Umfange in die Praxis einzuführen; er wurde 1881 Zum außerord. Professor für Statistik, 1885 zum Geh. Regierungsrat ernannt, 1886 Mitdirektor des Staatswissenschaftlich-statist. Seminars. Seine Forschungen und Arbeiten über das deutsche Sprachgebiet kamen bei der Abgrenzung gegen Frankreich in Betracht. Von seinen Schriften sind hervorzuheben: «Ortschaftsstatistik und historisch - geographisch - statist. Übersicht des Regierungsbezirks Potsdam» (Berl. 1861), «Die geschichtliche Entwicklung der amtlichen Statistik des Preußischen Staates» (ebd. 1863), «Die statist. Bedeutung der Volkssprache als Kennzeichen der Nationalität» (ebd. 1866), «Der Deutschen Volkszahl und Sprachgebiet in den europ. Staaten» (ebd. 1869), «Sterblichkeitstafel für den Preußischen Staat für 1865» (Jena 1875), «Statist. Jahrbuch der Stadt Berlin» (von 1877 an, 12 Jahre), «Die Bevölkerungs-, Gewerbe- und Wohnungsaufnahme in der Stadt Berlin von 1875» (Berl. 1878; desgl. die Aufnahmen von 1880 und 1885 bis 1890), «Die Bewegung der Bevölkerung der Stadt Berlin 1869 - 78» (ebd. 1884); ferner eine Reihe von Arbeiten in der «Zeitschrift des Preuß. Statistischen Bureaus» (1861-75). Auch bearbeitete er: «Sprachkarte vom Preußischen Staat» (2 Blätter, Verl. 1864) und mit Kiepert: «Histor. Karte von Elsaß-Lothringen» (ebd. 1871).

Bockholt, s. Bocholt.

Bockhuf, Stockhuf, beim Pferde eine Hufabnormität, wobei die Zehe zu kurz und die Trachten zu hoch sind. Häufig ist fehlerhafter Beschlag die Veranlassung. Lahmheit verursacht der B. nicht, dagegen Unsicherheit des Ganges. Bei jungen Tieren erfolgt Besserung durch zweckmäßigen Beschlag.

Böcking, Eduard, Jurist, geb. 20. Mai 1802 zu Trarbach an der Mosel, studierte in Heidelberg, Bonn, Berlin und Göttingen und habilitierte sich 1826 in Berlin. 1829 wurde er zum außerord. Professor ernannt, im Herbst desselben Jahres nach Bonn versetzt, wo er seit 1835 als ord. Professor wirkte und 3. Mai 1870 starb. B. hat sich besonders durch die kritische Herausgabe und Erklärung jurist. Klassiker Verdienste erworben. Er veröffentlichte das «Corpus legum sive brachylogus » (Berl. 1829), die «Interpretamenta» des Dositheus Magister (Bonn 1832), mit Klenze die «Institutiones Gaji et Justiniani» (Berl. 1829), die «Fragmenta» Ulpians (Bonn 1841; 4. Ausg., Lpz. 1855), die «Institutiones» des Gajus (Bonn 1837; 5. Ausg., Lpz. 1866), die «Notitia dignitatum et administrationum omnium tam civilium quam militarium in partibus orientis et occidentis» (3 Tle., Bonn 1839-50; Index 1853), eine Recension und Übersetzung der «Mosella» des Ausonius (Berl. 1828), welche später völlig umgearbeitet nebst den Moselgedichten des Venantius Fortunatus (Bonn 1845) erschien; ferner «Pandekten des röm. Privatrechts» (Bd. 1, ebd. 1843; 2. Aufl. 1853; Bd. 2, 1. Lfg., Lpz. 1855), Grundriß der «Pandekten» (5. Aufl., Bonn 1861), «Röm. Privatrecht. Institutionen des röm. Civilrechts» (2. Aufl., ebd. 1862). Auch machte sich B. verdient durch die Ausgabe von A. W. von Schlegels sämtlichen deutschen, franz. und lat. Werken (Lpz. 1846-48, zusammen 16 Bde.) sowie durch seine Sammlung der Schriften Ulrichs von Hutten ("Opera quae reperiri potuerunt omnia", 5 Bde., ebd. 1859 - 62; «Supplementa", 2 Bde., die «Epistolae obscurorum virorum» enthaltend, ebd. 1864 - 70), der ein «Index bibliographicus Huttenianus» (ebd. 1858) vorausging.

Bockkäfer (Cerambycidae oder Caprocornia), eine durch Formenreichtum und Farbenpracht ausgezeichnete Käferfamilie. Sie sind vornehmlich durch lange, gewöhnlich elfgliedrige, borstenförmige Fühler erkennbar. Ihr Körper ist lang, das Bruststück, meist cylindrisch geformt, häufig mit symmetrischen Auftreibungen versehen oder auch mit Dornen bewaffnet. Vermittelst dieses Bruststücks bringen viele dieser