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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Bogen (geometrisch); Bogen (Streichinstrument); Bogen (Waffe)

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Bogen (geometrisch) – Bogen (Waffe)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Bogen (elektrischer)'

Elektricität entsprechend, auftritt, wenn die Enden zweier Kohlenstäbe, die einen Teil der Strombahn bilden, um wenige Millimeter voneinander entfernt werden. Der engl. Physiker Davy war der erste, der diese Erscheinung eingehend studierte (1812, «Elements of chemical philosophy», S. 152), weshalb sie meist Davyscher Lichtbogen oder kurz Davyscher B. genannt wird, während aber auch die Bezeichnung Voltaischer B. gebraucht wird. Der B. selbst, von den glühenden Kohlepartikelchen gebildet, die vorzugsweise von der sich kraterartig aushöhlenden positiven Kohle zur negativen hinüber gerissen werden, trägt zum Lichte wenig bei; dieses wird vielmehr zu mehr als drei Vierteilen ausgestrahlt von der positiven Kohle, und zwar speciell aus dem Innern des Kraters heraus, weshalb man für Beleuchtungszwccke gewöhnlich als positive Kohle die obere wählt (s. beistehende Figur).


Textfigur:

Die Intensität dieses Lichtes ist, wie Foucault und Fizeau durch Vergleich der chem. Wirkungen beider gefunden haben, ungefähr ein Drittel von derjenigen des Sonnenlichts und gegen 60mal so groß als die des ihnen zunächst stehenden Drummondschen Kaltlichts. Zu etwas andern Zahlen gelangt man, wenn man, wie dies für Glühlicht von Thomson geschehen ist, die pro Flächeneinheit ausgestrahlte Energie mit derjenigen vergleicht, die sich nach Messung des von der Erde aufgefangenen Teils derselben als von der Sonne ausgestrahlt ergiebt. Man erhält für ein Licht mittlerer Stärke ein Vierzehntel, und für ein sehr starkes, wie es etwa für Leuchtturmzwecke gebraucht werden kann, ziemlich ein Viertel der letztern. Dieser Annäherung an die Sonnenenergie entsprechend ist auch die Temperatur des B. und der Kohlen, namentlich die der positiven Elektrode, ganz außerordentlich doch; nach Versuchen von Rosetti gegen 4000°, ein Umstand, der neuerdings zu einer Reihe anderer Anwendungen desselben als zu Beleuchtungszwecken geführt hat. So ist in neuerer Zeit die Verwendung des B. für die Aluminiumdarstellung von großer Bedeutung geworden (s. Aluminium). Auch zum Löten und Schweißen hat man den B. anzuwenden versucht, ohne freilich nach dieser Richtung hin bereits bis zu einer lohnenden praktischen Anwendung gelangt zu sein. Doch dürfte auch dies nur noch eine Frage der Zeit sein. (Näheres über die Verwendung des B. zur Beleuchtung s. Bogenlicht.)

Bogen heißt in der Geometrie ein Teil einer krummen Linie. Der B. ist größer als seine Sehne, d. h. als diejenige gerade Linie, welche die beiden Endpunkte des B. verbindet. Zwei Kreisbogen, die zu gleichen Winkeln am Mittelpunkte gehören, sind ähnlich und stehen zu ihren Peripherien in gleichem ↔ Verhältnisse; liegen sie aber in demselben Kreise oder in gleichen Kreisen, so sind sie gleich. Die Länge eines Kreisbogens wird gefunden, wenn man die ganze Peripherie berechnet und denjenigen Teil derselben nimmt, den der Mittelpunktswinkel des B. von 360° bildet, z. B. den fünften, wenn der Winkel 72° beträgt, drei Fünftel, wenn der Winkel 216° beträgt u. s. w. (S. Rektifikation.)

Bogen, bei Streichinstrumenten der dünne, elastische und gebogene Stab, mit dessen Bezug (s. d.) man die Saiten der geigenartigen Instrumente anstreicht. Der B., bei den Orientalen wahrscheinlich schon früher im Gebrauch, kam erst nach dem 7. Jahrh. in Europa auf. (S. Streichinstrumente.) Seine früheste Gestalt war die eines Kreisabschnittes. Erst allmählich gewann der Holzstab flachere Form. Ein Anziehen oder Lockern des an den dickern Enden des Stabes befestigten Bezuges wurde erst durch die Anbringung eines verschiebbaren Holzstückchens, des sog. Frosches, an dem man den untern Teil des Bezuges befestigte, ermöglicht. Die jetzt gebräuchliche Form erhielt der B. durch François Tourte (1747–1835), der den Frosch mit dem Griffende des Stockes durch eine Schraube verband, durch deren Drehung man den Bezug beliebig spannen kann. Die Güte eines B. besteht vor allem in der Elasticität des Stabes (Pernambuk-Schlangenholz) bei größtmöglicher Festigkeit und Leichtigkeit. Der Preis schwankt zwischen 1,50 und mehrern hundert Mark (z. B. für einen B. von Tourte), für gewöhnliche brauchbare B. zwischen 12 und 20 M. Bezugsquellen z. B. Rich. Weinhold in Dresden, Adolf Keßler in Markneukirchen. – Über den B. bei Blasinstrumenten s. Krummbogen.

Bogen, wichtige Waffe für den Fernkampf, dient zum Abschießen der Pfeile, wird zu Jagd- und Kriegszwecken benutzt und besteht aus einem elastischen festen, aus sehr verschiedenen Stoffen verfertigten Bügel und einer die beiden Enden des in der Grundform in gespanntem Zustande halbmondartig gebogenen Bügels verbindenden Sehne aus Rinde, Pflanzenfasern oder Tiersehnen. Die Verbreitung des B. ist heute noch eine sehr große. Den Mikronesiern fehlt er, aber nicht allen Polynesiern. Auf den Freundschaftsinseln dient er nur zum Schießen der Ratten, ist mannshoch, aus schöngeglättetem festem Holze und mit starker gedrehter Sehne bezogen. Bei den Melanesiern ist er häufig, so auf den südl. Salomo-Inseln, auf den Königin-Charlotte-Inseln, den Neuen Hebriden, den Loyalitäts-Inseln, auf Neuguinea und zwar auf dieser Insel teilweise von hoher Vollkommenheit, ebenso auf den Fidschi-Inseln, wo er aus zähem, schönem, dunkelbraunem Holze besteht. Sehr einfach ist er auf Neucaledonien, wo er aus einem 1/2 bis 1 1/2 m hohen gespaltenen Zweige eines zähen Holzes besteht und gegen die Enden mit etwas Bast umwunden ist, um das Abrutschen der aus einem Lianenzweige gedrehten und in der Mitte durch Umwindung mit einer Rinde verstärkten Sehne zu verhüten. Bei den Malaien östlich von Halmahera und ärmern und durchaus oder zumeist nomadisierenden Stämmen treten die B. und neben ihnen das Blasrohr auf, besonders im Innern der Philippineninsel Luzon. Weiter westlich erscheint eine asiat. Form, welche an den Mittelstückenden nach innen und an den Bogenenden nach außen winklig gebogen ist. Auch in Afrika ist der B. in einer Reihe von Gebieten nicht zu finden. Wo der B. hier vorkommt, ist er häufig den unterworfenen Völkern zu-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 208.