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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bogislaw - Bogomilen

Auftrag zur Bearbeitung eines bürgerlichen Gesetzbuchs für Montenegro. Dort brachte er ein Jahr zu und war 1877 Mitglied der Provisorischen Regierung in Bulgarien. B. lebt meist in Paris und machte es sich besonders zur Aufgabe, das Gewohnheitsrecht der Südslawen zu erforschen, schrieb dazu eine "Anweisung zum Sammeln von Rechtsgebräuchen, die im Volke leben" ("Naputak etc.", 1.-3. Aufl., Agram 1866), die er in 4000 Exemplaren in den südslaw. Ländern verbreitete und gab das so erlangte Material heraus in "Zbornik sadašnih pravnih običaja u južnih Slavena" ("Sammlung der Rechtsgebräuche bei den Südslawen", Agram 1874; vgl. Demelić, Le droit coutumier des Slaves méridionaux d'après les recherches de M. Bogišić, Par. 1876). Das zweite Hauptwerk B.s ist das "Bürgerliche Gesetzbuch für Montenegro" ("Opšti imovinski Zakonih za knjaževinu Crnu Goru", Cetinje 1888, gedruckt bei G. Chamerot in Paris), das 25. März (6. April) 1888 veröffentlicht wurde und 1. (13.) Juli desselben Jahres in Kraft trat. Die bei der Arbeit befolgten Grundsätze hat B. dargelegt in "Quelques mots sur les principes et la méthode suivis dans la codification du droit civil au Montenegro" (Par. 1888) und in "Die Fachausdrücke in der Gesetzgebung" (russisch, Petersb. 1890). Vgl. Dickel, Über das neue Bürgerliche Gesetzbuch für Montenegro und die Bedeutung seiner Grundsätze für die Kodifikation im allgemeinen (Marburg 1889; französisch, Par. 1890); Dareste, Le nouveau code civil du Montenegro (Par. 1888); die russ. Arbeiten von Spasowicz (im "Europäischen Boten", Jahrg. 1889, 2. Heft) und Hube ("Zakonnik Černogorii", Petersb. 1889). B. schrieb u. a. noch: "Aperçu des travaux sur le droit coutumier en Russie" (Par. 1879), "De la forme dite inokosna de la famille rurale chez les Serbes et les Croates" (ebd. 1884); auch gab er heraus: "Pisani zakoni na slovenskom jugu" ("Geschriebene Gesetze im slaw. Süden", Agram 1872), "Norodni pjesme iz straijih najviše primorskih zapisa" ("Serbisch-kroatische Volkslieder aus dem 17. und 18. Jahrh.", 1. Bd., Belgrad 1878).

Bogislaw (Boleslaw), Name mehrerer Herzöge von Pommern. - B. I. (1136-87) suchte Rügen an sich zu bringen, wurde aber vom Dänenkönig Knud VI. geschlagen und mußte, obgleich deutscher Reichsfürst, diesen sogar als Oberlehnsherrn anerkennen. - B. X. (1474-1523), geb. 3. Juni 1454 als Sohn Herzog Erichs II., erbte nach dessen Tode 1474 Hinterpommern, und nach seines Oheims Wratislaws X. Tode 1478 auch Vorpommern. Er befestigte seine Herrschaft im Lande und lockerte die Abhängigkeit von Brandenburg, die unter dem Kurfürsten Albrecht Achilles wieder straffer angezogen worden war. (Vgl. Gähtgens, Die Beziehungen zwischen Brandenburg und Pommern unter Kurfürst Friedrich II., Gießen 1890.) Es gelang ihm, 1493 den Kurfürsten Johann Cicero förmlich zur Aufhebung der Lehnspflicht zu bewegen, allerdings gegen die Zusage der brandenb. Erbfolge beim Aussterben des pommerschen Mannsstammes. Er war in erster kinderloser Ehe mit Margarete, einer Tochter Friedrichs II. von Brandenburg, vermählt, die aber 1489 starb, in zweiter Ehe mit Anna von Polen. B. unternahm 1496-98 eine Pilgerreise nach Palästina und zeigte sich als Gegner der Lutherschen Reformation. Er starb 5. Okt. 1523. - B. XIV. (1620-37), Sohn B.s XIII. (gest. 1606), folgte nach dem Tode seiner Brüder 1620 in Pommern-Stettin und vereinigte nach dem Tode seines Vetters Philipp Julius von Wolgast (1625) ganz Pommern in seiner Hand. Während des Dreißigjährigen Krieges mußte er 1628 Wallenstein bei der Belagerung von Stralsund unterstützen; bei der Landung Gustav Adolfs (1630) aber wurde der schwache Herzog gezwungen, gegen Zusicherung seines Besitzstandes sich mit den Schweden zu verbinden, die nun das Land besetzten. Er starb als der letzte seines Stammes 20. März 1637.

Bognar, Friederike, Schauspielerin, geb. 16. Febr. 1840 zu Gotha, genoß in München den Unterricht der Sängerin Behrend-Brandt und der Schauspielerin Denker. 1856 erhielt sie eine Anstellung in Zürich, 1857 am Hamburger Stadttheater und folgte 1858 einem Rufe Laubes als jugendliche Liebhaberin ans Burgtheater, das sie 1872, um ihr Fach zu ändern, verließ. Sie widmete sich dann nur Gastspielreisen, bis sie 1885 eine zehnjährige Anstellung am Deutschen Landestheater in Prag erhielt. Seelen- und ausdrucksvolles Spiel zeichnet sie aus; ihr Organ ist kräftig, doch weiblich. Während sie bis 1872 Gestalten wie Desdemona, Emilia Galotti, Gretchen, Luise Miller, Agnes Bernauer, Esther verkörperte, gab sie seitdem mit Erfolg Lady Tartuffe, Phädra, Marguerite ("Kameliendame"), Sappho, Judith, Hero, Maria Stuart u. a. Heroinen und Salondamen.

Bogner, soviel wie Bogenschütze (s. d.).

Bogo, hamitisches Volk, s. Bogos.

Bogoduchow. 1) Kreis im westl. Teil des russ. Gouvernements Charkow, hat 3149,4 qkm, 132 597 E., Ackerbau und Zuckerfabrikation. - 2) Kreisstadt im Kreis B., an der Merla und an der Sumylinie (Merefa-Woroshba) der Staatsbahn Charkow-Nikolajew, hat (1889) 11 525 E., Post, Telegraph, 4 Kirchen, 1 Progymnasium für Mädchen, 2 Dampfmühlen, 3 Gerbereien. Der früher bedeutende Handel ist seit 1820 zurückgegangen.

Bogoljubow, Alexis, russ. Maler, geb. 1824 im Gouvernement Moskau, diente zuerst in der Marine, widmete sich seit 1849 auf der Akademie zu Petersburg der Malerei und genoß später in Düsseldorf den Unterricht Achenbachs. Hier malte er fünf Seeschlachten aus der Zeit Peters d. Gr., von welchen eine auf der Internationalen Kunstausstellung zu Berlin 1891 vertreten war. Nach Rußland zurückgekehrt, wurde er Maler des Stabes der Marine und arbeitete als solcher mehrere hydrogr. Atlanten aus. Von seinen Gemälden sind noch hervorzuheben: Eisgang auf der Newa, Reede von Kronstadt, zwei Bilder aus dem Leben Christi für die russ. Kirche in Paris, sowie Städteansichten, welche mit lebhafter etwas heiterer Farbe große Sachlichkeit verbinden.

Bogomilen, Bogomili, Bogumilen, auch Babunen, eine dualistisch-manichäische Sekte in Thracien, Macedonien und Bulgarien, so benannt nach ihrem Stifter, besser Reformator, dem bulgar. Priester Bogomil in der ersten Hälfte der Regierung des bulgar. Zaren Peter zwischen 927 und 950. Seine Lehre ist uns bekannt aus einer gegen die B. gerichteten, von einem sonst unbekannten bulgar. orthodoxen Priester Cosmas gegen Ende desselben Jahrhunderts verfaßten slaw. Streitschrift. Diese Lehre verbreitete sich unter den bulgar. Slawen Macedoniens, wo die bogomilische Gemeinde unter den Dragovitschen, einem alten slaw. Stamme, berühmt geworden ist. Ferner verbreiteten sich die B. nach Serbien, wo sie aber am Ende des folgenden