Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

214

Bogota - Boguslawski (Adalbert)

3000 E., Post, Telegraph, zwei Kirchen, Kupferbergwerk und Hüttenwerke, die, gegenwärtig dem Kaufmann Polowzew gehörig, 1888 12 385 Metercentner Kupfer lieferten. Die Bergwerke wurden 1757 von Pochodjaschin eröffnet und gehörten 1791-1875 der Krone. Früher war der Ertrag größer.

Bogota, unter span. Herrschaft Santa Fé oder Santa Fé de B. genannt, Hauptstadt der Republik Columbia in Südamerika und des Depart. Cundinamarca, auf der Westseite der Ostcordillera oder der Kette von Suma-Paz, in 2610 m Höhe an der Ostseite der baumlosen Hochebene von B. (900 qkm), die, rings von Bergen umschlossen, die Gestalt eines ehemaligen Seebeckens hat. Die Stadt ist dicht an einer 600 m hohen, fast senkrecht abstürzenden Felswand erbaut, die der Rio San Francisco in einer engen Schlucht durchbricht, um 20 km im SW. den prachtvollen, 146 m hohen Tequendamafall zu bilden.

Anlage und Bauten. Das Klima der Stadt ist feucht, aber gemäßigt und gesund. Die mittlere Jahrestemperatur ist 14,4° C. Der Rio San Francisco und sein Nebenfluß, der Rio San Augustin, teilen die Stadt in drei Teile. Sie ist der Sitz der Regierung, des Kongresses, der Centralbehörden, eines deutschen Ministerresidenten und Generalkonsuls für die Republik, eines österr. Konsuls, seit 1554 eines Erzbischofs und die schönste Stadt des ganzen Landes. Obgleich öfters von Erdbeben heimgesucht und durch das vom 16. Nov. 1827 größtenteils zerstört, erstand sie doch immer wieder und nimmt, da die Häuser wegen der Erdbeben meist nur einstöckig gebaut sind, einen sehr großen Raum ein. Die Straßen durchschneiden sich rechtwinklig, sind gepflastert, größtenteils mit Trottoirs versehen, zum Teil mit Bäumen geziert. Die Calle-Real oder Calle de la Republica ist die schönste Straße und endet auf dem prächtigsten der vier sehr großen und mit Springbrunnen gezierten Plätze, dem Marktplatze, an welchem das 1825 erbaute Regierungsgebäude, das Zollhaus und die prachtvolle Kathedrale in korinth. Stile mit einer kostbaren Statue der heil. Jungfrau stehen. In der Mitte des Platzes erhebt sich seit 1846 ein von Tenerani ausgeführtes, in München gegossenes Bronzestandbild Bolivars. Ferner hat B. 29 jetzt mehr oder weniger verfallene Kirchen und 12 verlassene oder andern Zwecken dienende Klöster, ein Colegio Nacional de San Bartolomé (ein ehemaliges Kloster), dessen Aula zugleich Konzertsaal ist, mit der Nationalbibliothek (33 000 Bände), eine Münze und die 1802-3 erbaute, jetzt verlassene Sternwarte; an wissenschaftlichen Anstalten eine Universität, deren Leistungen jedoch gering sind, drei Colegios, Militärschule, höhere Töchterschule, mehrere Volksschulen, Museum für Natur- und Kunstgegenstände, botan. Garten und eine Naturforschende Gesellschaft.

Bevölkerung, Handel und Verkehr. B. hatte 1884 95 813 E., darunter eine Anzahl ziemlich reicher Kaufleute und Kapitalisten. Die Gewerbthätigkeit ist im ganzen gering, und unter der großen Masse der Bevölkerung herrscht Armut und physisches wie moralisches Elend. B. hat Bedeutung als Hauptstapelplatz für den Binnenhandel Columbias, doch leidet derselbe noch sehr durch die großen Schwierigkeiten des Transports auf den Hauptstraßen und über die Gebirge. Bis nach Honda, dem Endpunkte der Dampfschiffahrt auf dem Magdalenenstrom, ist der Transport der Waren langwierig und beschwerlich. Zwei Eisenbahnen verbinden P. mit Jirardot und Facatativa. Die Verlängerung der letztern Linie bis zum Magdalenenstrom ist geplant, auch ist eine direkte Bahn nach der Hafenstadt Buenaventura genehmigt (1892 von der Küste bis Cali 19 km bereits in Betrieb).

Geschichtliches. B. wurde 1538 von dem Spanier Gonzalo Ximenez de Quesada an der Stelle des alten Tensaquillo gegründet, nach dessen Geburtsort Santa Fé genannt, mit dem Beinamen B., nahm sehr bald an Wichtigkeit zu und wurde 1598 die Hauptstadt des span. Vicekönigreichs Neugranada und 1811 der Sitz des Kongresses, der nach dem Beispiel von Venezuela 12. Nov. die Republik proklamierte. Zwar wurde die Stadt im Juni 1816 von den Spaniern erobert, aber durch Bolivar, nach dessen Siege bei Boyacá, 10. Aug. 1819 befreit und bald Hauptstadt der vereinigten Republik Columbia bis zu deren Trennung in drei Staaten (1831), dann für Neugranada und (1863-86) für die Vereinigten Staaten von Columbia.

Bogs (engl.), Sumpfmoore, namentlich in Irland; auch Spottname für Irländer.

Bogsan (spr.-schahn), Deutsch-Bogsán (ungar. Német-Bogsán), Klein-Gemeinde, Sitz eines Stuhlbezirks (33 213 E.) im ungar. Komitat Krassó-Szörény, an der Berzava und der Linie Vojtek-Német-B. der Ungar. Staatsbahn, ist Sitz eines Bezirksgerichts und hat (1890) 2956 deutsche und rumän. E., Post, Telegraph, Eisenbergwerk, Eisenhämmer und Gießereien.

Bogumilen, s. Bogomilen.

Boguslaw, Flecken im Kreis Kanew des russ. Gouvernements Kiew, an den Flüssen Roß und Boguslawka, hat (1885) 8923 E., davon zwei Drittel Israeliten, Post, Telegraph, 2 russ., 1 kath. Kirche, 1 Kloster, 1 Synagoge, 2 Tuchfabriken, 1 Maschinenbauanstalt, Handel mit Wolle, Leder und Schaffellen.

Boguslawski, Adalbert, poln. Schauspieler und Dramatiker, geb. 4. Nov. 1760 zu Glinno unweit Posen, studierte erst im Piaristenkonvikt zu Warschau, dann kurze Zeit in Krakau und betrat 1778 zu Warschau zum erstenmal die Bühne. Er war dann als Theaterdirektor thätig, spielte während des Reichstags mit seiner Gesellschaft 1784 in Grodno, dann in andern Städten, bis er 1790 die Leitung des königl. Hoftheaters in Warschau übernahm. Infolge der polit. Ereignisse von 1794 begab sich B. nach Krakau und von da nach Lemberg, 1799 wieder nach Warschau und von hier nach Kalisch, 1807 nach Posen und bald nachher wieder nach Warschau. Infolge des Krieges von 1812 sah er sich genötigt, die Vorstellungen abermals zu schließen. Er starb 23. Juli 1829. B. erwarb sich die größten Verdienste um das poln. Nationaltheater, als dessen eigentlicher Begründer er anzusehen ist. Durch zahlreiche Übersetzungen und eigene dramat. Leistungen wußte er sich ein Repertoire zu schaffen; auch war er der erste, welcher die Oper auf die poln. Bühne brachte. Am meisten geschätzt von seinen Stücken sind das Melodrama "Krakowiaken und Goralen oder das angebliche Wunder" (gedruckt Berl. 1841), welches noch heute auf allen poln. Theatern gegeben wird, "Heinrich IV. auf der Jagd" und "Die modischen Spasmen oder eine moderne Ehe"; in deutscher Übersetzung erschien: "Der arme Student" (mit der falschen Angabe "aus dem Polnischen des Niemcewicz von M. Kuralt", Lemberg etwa 1800). Eine Sammlung seiner "Dramat. Werke" (9 Bde., Warsch. 1820-25) be-^[folgende Seite]