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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Böhmische Kämme - Böhmische Westbahn

B. D. deutschen Ohren fremd klingen und schwer auszusprechen sind.

Böhmische Kämme heißt der südl. Zug des Riesengebirges, der durch das Mummelthal, den Elbgrund und das Weißwasser vom nördl. Hauptzuge geschieden ist, von Harrachsdorf an der Mummel über den Kahlen- oder Mummelberg, den 1371 m hohen Kesselsberg und den Korkonosch (Krkonoš, wo im S. der Großen Sturmhaube [1424 m] die Elbe nach Süden hin durch die Kämme bricht), dann als scharfkantiger Ziegenrücken (1313-1424 m) bis zum 1555 m hohen Brunnberge und Blaugrund an der Aupa 22 km weit reicht und ganz in Böhmen gelegen ist. - Böhmischer Kamm heißt auch ein anderer Zug, der an der Südwestseite des Glatzer Gebirgsvierecks 22 km weit von der Hohen Mense (1085 m) nach SO. fast parallel dem Habelschwerdter Gebirge zieht, von dem er durch das Längenthal der von den 784 m hohen Seefeldern herabkommenden Erlitz- oder Wilden Adler getrennt wird; danach heißt der Zug auch Erlitz- oder Adlergebirge. Die mittlere Höhe des Kammes ist 995 m; die Seifnerhöhe (946 m), der Mückenberg (995 m) bei Stuhlseiffen und die Deschnaer Koppe an der Südwestseite der Seefelder (1111 m) sind die höchsten Gipfel; letztere bedeckt ein mächtiges Walddickicht.

Böhmische Kommerzialbahnen, Privatbahnen von Königgrätz über Sadowa nach Wostroměř (34,2 km), von Welelib nach Jičin (45,52 km), von Kopidlno nach Bakow (39,89 km), von Nezwiestitz nach Rokitzan (26,89 km), mit Zweigbahnen 203 km (Betriebsstrecken Ende 1890), auf der ersten Strecke 15. Nov. 1881, auf der letzten Strecke 26. Aug. 1883 eröffnet, stehen unter der Direktion der k. k. Privileg. B. K. zu Wien. Die Konzessionsdauer reicht bis 9. Mai 1971. Sämtliche Aktien und Obligationen sind im Besitz der Österr.-Ungar. Staatseisenbahngesellschaft. Der Reingewinn betrug 1890: 272 153 Fl. (S. österreichisch-Ungarische Eisenbahnen.)

Böhmische Litteratur und Sprache, s. Czechische Litteratur und Sprache.

Böhmische Nordbahn, eine seit 1883 mit der Turnau-Kralup-Prager Bahn fusionierte Eisenbahngesellschaft, die von 1873 an auf 90 Jahre genehmigt ist und deren Einlösungsrecht für den Staat mit 1. Jan. 1884 begonnen hat. Die Konzessionsdauer für die Linien der ehemaligen Turnau-Kralup-Prager Bahn reicht nur bis 28. Aug. 1953. Sie umfaßt die Linien Prag-Jungbunzlau-Bakow-Turnau (103,83 km, 15. Okt. 1865 eröffnet), Bakow-Georgswalde-Ebersbach (98,19 km, 1. Sept. 1886 eröffnet), mit Zweiglinien 320 km (Ende 1890), unter der Generaldirektion der k. k. Privileg. Nordbahn. 22 kleine Anschlußbahnen (42,2 km) werden betrieben. 1892 brachte der Personenverkehr 914 304 Fl., der Güterverkehr 3 326 810 Fl. Die Gesamteinnahmen betrugen 4 289 044 Fl., die Betriebsausgaben 1 738 720 Fl., die sonstigen Ausgaben einschließlich 372 990 Fl. Steuern betrugen 441 037 Fl., der Dienst der Prioritäts-Obligationen 1 102 269 Fl., sodaß ein Überschuß von 1 007 018 Fl. (gegen 787 488 Fl. in 1891) verblieb. Die Dividende der Aktien 1886-91 betrug 6, 6, 7, 7, 5½, 5⅔ Proz. (S. Österreichisch-Ungarische Eisenbahnen.)

Böhmische Nordwestbahn, s. Buschtiehrader Eisenbahn.

Böhmischer Mägdekrieg, ein Krieg, den zufolge einer alten böhm. Sage nach dem Tode der Königin Libussa deren Freundin Wlasta begonnen haben soll, um das weibliche Geschlecht in Böhmen zur Herrschaft zu bringen. Mehrere Jahre lang, heißt es, habe sie von ihrer dem Wyschehrad gegenüber gelegenen festen Burg Djewin (Mädchenburg) mit Amazonen das Land beherrscht, bis es den Männern gelungen sei, diese Burg zu erobern und dem Reiche Wlastas ein Ende zu machen. K. E. Ebert hat den Gegenstand behandelt in: Wlasta, böhmisch-nationales Heldengedicht in drei Büchern (Prag 1829).

Böhmischer Topas, s. Böhmische Steine.

Böhmische Schweiz heißt seit 1795 das Sandsteingebiet zwischen der Elbe, dem Kamnitzbache und der Nordgrenze Böhmens gegen Sachsen, welches viele malerische Gegenden und eigentümliche Felsbildungen enthält. Den Centralpunkt derselben bildet Dittersbach (s. d.).

Böhmisches Mittelgebirge, s. Mittelgebirge, Böhmisches.

Böhmische Steine heißen einesteils die in den böhm. vorzüglichen Glasschleifereien nach Art verschiedener Edelsteine gefärbten und geschliffenen künstlichen Glasflüsse, andernteils aber auch jene böhm. Minerale, die man zu den eigentlichen Edelsteinen zählt, so z.B. der Citrin (s. Bergkrystall), der den Namen Böhmischer Topas (frz. Topaze occidentale oder de Bohême; engl. Bohemian quartz) führt. Der ausgezeichnetste böhm. Edelstein ist der böhm. Granat (s. d.).

Böhmisches Treiben (Jägerspr.), ein Feldtreiben auf Hasen, wobei eine an den Flügeln vorgezogene, aus Schützen und Treibern bestehende Kette eine größere Fläche abstreift. Diese Jagdart gründet sich auf die Erfahrung, daß Hasen, die mehrfach aufgestoßen werden, nach ihren alten Lagern zurückzukehren streben. Auf dem Rückwege werden sie von den stets vorrückenden Schützen erlegt.

Böhmische Weine. In Böhmen wird seit alten Zeiten Wein gebaut. Kaiser Karl IV. veredelte im 14. Jahrh. den Weinbau durch Einführung der Burgunder Reben und schützte die Weinberge durch zahlreiche Privilegien. Allmählich beschränkte sich der Anbau von Wein auf das Elbthal (Gebiet von Leitmeritz und Melnik), von wo in den Handel besonders die Tschernoseker und Melniker Sorten gelangen. Die Ausdehnung der Weingärten in ganz Böhmen belief sich 1890 auf 861 ha. Das gute Weinjahr 1878 lieferte 11 805, 1880, ein Mißjahr, nur 3905, 1890 6160 hl. Der Durchschnittsertrag ist jetzt 12 000 hl, welches erhöhte Resultat auf die Thätigkeit des Weinbauvereins für das Königreich Böhmen zurückzuführen ist, der 1882 ins Leben trat. Als ältere gute Jahrgänge gelten die von 1865, 1868 und 1872. Als ergiebigste Rebensorten werden gepflegt Riesling, Traminer und der rote Burgunder. Die B. W. sind feurig, einzelne Sorten schwer. Die Preise derselben stellen sich im ganzen sehr hoch, weil sie sich in festen Händen befinden und Notverkäufe nur ausnahmsweise vorkommen.

Böhmische Westbahn, Privatbahn von Prag über Pilsen bis zur bayr. Grenze (184 km), mit Zweigbahn 194 km (Ende 1892), auf der ersten Strecke 15. Okt. 1861, auf der letzten Strecke 2. April 1863 eröffnet, steht unter der Betriebsdirektion der k. k. Privileg. B. W. in Prag. Die Gesellschaft betreibt außerdem die von ihr gepachtete Strecke Bayr. Grenze-Furth (6,7 km) und 14 ihr nicht gehörende Kohlenflügelbahnen (26,65 km). 1892 betrugen die Einnahmen aus dem Personenverkehr 787 003 Fl. (1891: 855 559), aus dem Güter-^[folgende Seite]