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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bohrer (Werkzeug)

den Loch austreten können, um dem weitern Vordringen des B. nicht hinderlich zu sein, muß der Durchmesser des B. im Schafte geringer sein als der des Loches, wie in Fig. 1 u. 2, oder man giebt, wie in Fig. Z, dem Schafte cylindrische Form und den Durchmesser des Loches, führt aber von jeder der beiden Schneiden aus eine schraubenförmige, glatt ausgearbeitete Furche nach oben, in der die Bohrspäne emporsteigen. Bei dieser vollkommensten Form des Metallbohrers, amerik. Spiralbohrer genannt, bewirkt der cylindrische mit dem Loch gleich dicke Schaft die genaue Führung des Werkzeugs, sodaß selbst in ungleich hartem Material eine Abweichung von der Bohrachse ausgeschlossen ist.

^[Fig. 1.]

^[Fig. 2.]

^[Fig. 3.]

Verschieden von den zu Metallarbeiten gebrauchten B. sind die B. für Holzarbeit. Bei der größern Weichheit und der faserigen Struktur des Holzes würde eine mit Schneiden versehene flache Spitze leicht in der Faserrichtung stecken bleiben und das Holz zersprengen. Holzbohrer müssen daher anders konstruiert sein als Metallbohrer. Man giebt ihnen z. B. seitwärts stehende, mit der Achse parallele Schneiden, die, damit ihre Umdrehung ohne Gefahr des Einklemmens stattfinden kann, eine halbcylindrische Rinne bilden und unten zu einer messerartigen Spitze auslaufen; ein solcher B. heißt Löffelbohrer oder Hohlbohrer (Fig. 4) und kann zum Bohren sehr langer Höhlungen, z. B. von Tabakspfeifenrohren, verwendet werden. Der für Holz konstruierte Centrumbohrer (Fig. 5) ist so eingerichtet, daß die Spitze als längster Teil zuerst in das Material eindringt und das Einhalten der Richtung bewirkt; dann kommt der spitze Zahn (Vorschneider) zur Wirkung, schneidet den Umfang des Loches vor und glättet zugleich die Wandung: zuletzt hebt die messerartige Schneide die Späne aus dem Grunde des Loches heraus; man hat auch Centrumbohrer, bei denen die Schneide senkrecht zur Achse verstellbar ist, sodaß sie zum Bohren von Löchern verschiedener Durchmesser geeignet sind. Der Schneckenbohrer (Fig. 6), so genannt wegen seiner schneckenhausähnlichen Spitze, kann als gewundener Hohlbohrer angesehen werden; die schraubenförmige Spitze bohrt sich zuerst ein, ohne Späne zu nehmen, was beim gewöhnlichen Löffelbohrer von vornherein geschieht, erst weiter oben kommt die gewundene messerartige Kante zur Wirkung. Der in Fig. 7 dargestellte Schraubenbohrer bewirkt, ähnlich wie der Spiralbohrer für Metall, sowohl eine sichere Beförderung der Späne nach oben als eine genaue Führung; an der Spitze besitzt er eine kleine konische Zugschraube, zwei Vorschneidezähne und zwei zur Achse senkrechte Schneiden, wodurch er in seiner Wirkungsweise dem Centrumbohrer ähnlich ist. Fig. 8 stellt den Hübnerschen Patentbohrer dar, der eine konische messerartig wirkende Spitze besitzt und wegen seines cylindrischen Schaftes ebenfalls sehr exakte Löcher liefert. Eine eigentümliche Form eines Holzbohrers ist der vom Böttcher gebrauchte Ballbohrer (Fig. 9), der zum Ausbohren der Spundlöcher dient. In den konischen hölzernen Schaft ist eine etwas hervorstehende Stahlschneide eingeschraubt, neben der sich eine Rinne zum Emporsteigen der Späne befindet. - Zum Bohren von Löchern in die Erde dienen die Bergbohrer (s. d.); über die zum Bohren von Sprenglöchern benutzten B. s. Bergbau, Bd. 2, S. 757 a. - Die B. können entweder, indem sie mit einem Querheft versehen sind, direkt mit der Hand bewegt werden, wie in Fig. 9, oder sie werden als Bohrspitze in ein Bohrgerät oder eine Bohrmaschine (s. d.) eingesetzt.

^[Fig. 4.]

^[Fig. 5.]

^[Fig. 6.]

^[Fig. 7.]

Das Bohrgerät oder der Bohrapparat dient zum Bohren mit der Hand und bezweckt, entweder der Bohrspindel eine größere Umdrehungsgeschwindigkeit zu erteilen oder die von der Hand ausgeübte Kraftleistung, allerdings auf Kosten der Geschwindigkeit, zu verstärken. Dem ersten Zweck dienen 1) die Bohrrolle (Fig. 10); auf der Bohrspindel sitzt eine Rolle, über die ein in einen Bügel eingespannter Faden, Lederriemen oder Darmsaite geschlungen wird; durch Hin- und Herziehen dieses Bügels (Fiedelbogens) wird eine rasche und zwar wechselnde Drehung des B. erzielt. 2) Die Rennspindel, ein mittels Riemen und Schwungscheibe betriebener Bohrapparat, der jedoch schwer zu handhaben ist und jetzt selten verwendet wird. 3) Der Drillbohrer oder Archimedische B. (Fig. 11); auf der mit steilem mehrgängigem Gewinde versehenen Spindel wird die Mutter b mit der Hand hin und her geschoben; der Knopf a, in welchem die Spindel drehbar gelagert ist, wird, gewöhnlich mit der Brust, gegen das Werkstück gedrückt; man erzielt eine rasche, wechselnde Drehung. Zu den Bohrgeräten, die eine erhöhte Kraftleistung bezwecken, gehören 1) der Drehbohrer oder die Brustleier, auch Bohrwinde genannt (Fig. 12), deren Spindel eine Auskröpfung zeigt, in welcher lose die zum Drehen bestimmte Handhabe sitzt; der Knopf wird dabei gegen die Brust gestemmt, man erhält eine einseitige Drehung. 2) Die Bohrkurbel (Fig. 13); diese ist der Brustleier ähnlich, nur stärker gebaut und kann zum Bohren größerer Löcher verwendet werden. Der dazu nötige Druck wird durch eine Schraube ausgeübt; diese sitzt im Ende eines Armes, der entweder an der Wand oder auf einem Tisch gewöhnlich drehbar und verstellbar befestigt ist, und kann

[Fig. 9.]

[Fig. 10.]