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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bohrer (Musikerfamilie) - Bohrkäfer

durch einen Handgriff oder ein Handrad nachgestellt werden. 3) Die Bohrratsche oder Bohrknarre (Fig. 14); ein langer Handhebel endigt in einer Gabel, in der die Bohrspindel drehbar gelagert ist; auf dieser sitzt innerhalb der Gabel ein Sperrrad, in das eine federnde Sperrklinke eingreift. Beim Bohren wird der Hebel in schwingende Bewegung versetzt, sodaß der B. wegen des Sperrrades ruckweise arbeitet; die Bohrspindel ist durch eine Schraube nachstellbar, die sich mit ihrer Spitze gegen einen entweder schon vorhandenen oder improvisierten festen Gegenstand drückt. 4) Der Räderbohrer, Ecken- oder Winkelbohrer (Fig. 15) zum Bohren von Löchern in Ecken oder Vertiefungen, die zur Handhabung anderer Bohrgeräte keinen Raum gewähren; die Bewegung wird hier von einer seitlich angebrachten Handkurbel auf die Spindel mittels zweier Kegelräder übertragen, die zur Veränderung der Geschwindigkeit ausgewechselt werden können, sodaß man mit diesem Apparat entweder eine erhöhte Kraftleistung oder eine größere Geschwindigkeit erzielen kann. Zu erwähnen ist noch der Schlangenbohrer, der eine völlige Bewegungsfreiheit der Bohrspitze nach allen Richtungen gestattet. Die Bohrspitze sitzt an dem einen Ende einer langen, eng gewickelten Spiralfeder, die zum Schutz mit einem biegsamen Leder- oder Gummischlauch umhüllt ist. Wird nun diese Spiralfeder am andern Ende durch Kurbel oder sonstige Einrichtung in Umdrehung versetzt, so pflanzt sich die letztere, wie auch der Schlauch gebogen sein mag, bis auf die Bohrspitze fort. Diese Art B. wird an solchen schwer zugänglichen Stellen verwendet, wo alle andern B. nicht mehr zu handhaben sind. Die Zahntechniker verwenden einen solchen Schlangenbohrer, gewöhnlich mit Fußbetrieb, beim Plombieren der Zähne.

^[Fig. 11.]

^[Fig. 12.]

^[Fig. 13.]

^[Fig. 14.]

Bohrer, eine Musikerfamilie. Kaspar B., Kontrabassist, wirkte an den Kapellen zu Mannheim und München, wo er 14. Nov. 1809 starb. In seinen vier Söhnen hatte er ein vortreffliches Quartett herangebildet. Anton B., hervorragender Violinist, geb. 1783 zu München, bildete sich in Paris namentlich unter Kreutzer und Danzi. Max B., Violoncellist, geb. 1785, war Schüler von Anton Schwarz in München. Sehr früh wurden sämtliche Brüder an der königl. Kapelle in München angestellt. Nachdem die beiden jüngsten Brüder, Peter B. und Franz B., die Violine und Viola spielten, 1805 gestorben waren, unternahmen Anton und Max Kunstreisen durch Deutschland und Polen und fanden 1818 zu Berlin, Anton als Konzertmeister und Max als erster Violoncellist, Anstellung, gingen 1824 nach München zurück und konzertierten seit 1830 in Frankreich und England. Max war seit 1832 Konzertmeister in Stuttgart, wo er 1867 starb; der als Komponist bedeutende Anton erhielt eine gleiche Stelle in Hannover 1834 und starb daselbst 1852. Beide Brüder komponierten für ihre Instrumente Konzerte, Rondos, Phantasien, Duette u. s. w.

Bohrfliegen (Trypetinae), eine Unterfamilie der Gemeinfliegen mit vielen Hunderten von Arten. Die Weibchen besitzen eine oft weit vorstehende Legeröhre, mit der sie die Eier in verschiedene Pflanzenteile, in denen die Larven leben, einbohren. Viele B. erzeugen an den Pflanzen, namentlich an den Stengeln und Fruchtböden der Korbblütler gallenartige Wucherungen. Als an Kulturpflanzen Schaden anrichtende sind wichtig die Kirschfliege und die Spargelfliege (s. die betreffenden Artikel).

Bohrgerät, s. Bohrer (S. 238 b).

Bohrgerüst (für Erdbohrungen), s. Bergbohrer.

Bohrhäuer, s. Bergmann.

Böhringer, Georg Friedrich, reform. Theolog, geb. 28. Dez. 1812 zu Maulbronn, studierte in Tübingen, mußte 1833 als Führer der dortigen Burschenschaft in die Schweiz flüchten, wo er 1842 Pfarrer in Glattfelden (Kanton Zürich) wurde. Anläßlich der Berufung von Dav. Friedr. Strauß an die Universität Zürich schrieb er 1839 die vielbesprochenen, anonym erschienenen "Briefe eines Zürichers an einen Basler". 1853 legte er sein Amt nieder und lebte nur noch seinen wissenschaftlichen Arbeiten in Zürich, später in Basel, wo er 16. Sept. 1879 starb. Sein Lebenswerk ist die bis zu den Vorreformatoren reichende Kirchengeschichte in Biographien: "Die Kirche Christi und ihre Zeugen" (9 Bde., Zür. 1842-58), deren zweite Auflage (24 Bde., Stuttg. 1860-80) sein Sohn Paul vollenden half. Dieser, geb. 1. Sept. 1852 in Glattfelden, studierte in Zürich, wurde 1874 Pfarrer in Niederhasli bei Zürich, 1878 Pfarrer an St. Peter und Privatdocent für Kirchengeschichte in Basel, 1888 Hauptpfarrer daselbst. Er schrieb "Gregoire, ein Lebensbild aus der Französischen Revolution" (Bas. 1878), "Maria und Martha. Lebensbilder christl. Frauen" (5 Hefte, ebd. 1882-87).

Bohrkäfer (Ptinidae, Anobiidae), kleine walzenförmige oder eirunde, ungefähr 4 mm lange, meist braune oder schwarze Käferchen mit kleinem, unter dem stark gewölbten Halsschilde verborgenem Kopfe, harten Flügeldecken, feinen, fünfgliedrigen Füßen, sehr starken Kiefern und fadenförmigen, gekämmten