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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bohrknarre - Bohrmaschine

und gesägten oder mit drei größern Endgliedern versehenen Fühlern. Sie nagen und bohren besonders gern in Holz und trocknen Stoffen, wo auch ihre Larven sich finden, die kurz, dick, zusammengekrümmt sind, sehr kurze, starke Beine, einen harten Kopf und zerstreute Haare auf dem Körper besitzen. Es gehört dahin der Kammbohrkäfer (Ptilinus pectinicornis L.) mit geblätterten Fühlern, der in allen harten Nutzhölzern, namentlich in Holzeinbänden alter Bücher bohrt; der Werkholzbohrer (Anobium striatum Ol.), in weichem Laubholz, besonders in den Stielen von Handwerksgerät und Gartenwerkzeugen; die Totenuhr (Anobium pertinax L.), der sich bei Berührung tot stellt, gern in alten tannenen Brettern bohrt und dessen Aufklopfen mit dem Kopfe ein Geräusch ähnlich dem Ticken einer Uhr hervorruft und abergläubischen Menschen daher als Prophet eines bevorstehenden Todesfalles erscheint; der Brotbohrer (Anobium paniceum L.)., der besonders trocknen Kräutern in Apotheken und Herbarien nachgeht. Diese drei Arten haben kurze, fadenförmige Fühler, sehr lange dagegen hat der gemeine B., Dieb oder Kräuterdieb (Ptinus fur L.), der sich in alten Häusern vorfindet und besonders in Pelzwaren, Herbarien, Museen und gepolsterten Möbeln Schaden anrichtet. Man fängt die Käfer, indem man feuchte Lappen oder trockne Pflanzenstengel über Nacht auf den Boden legt. Sie sammeln sich darunter, sodaß man sie leicht töten kann.

Bohrknarre, s. Bohrer (S. 239 a).

Bohrkrücke (Bohrkrückel), s. Bergbohrer.

Bohrkurbel, s. Bohrer (S. 238 b).

Bohrmaschine ist eine Vorrichtung, die beim Bohren die Kraftübertragung auf das Werkzeug vermittelt und zugleich den bewegten Teilen eine sichere Führung verleiht. Letzterer Umstand unterscheidet sie im wesentlichen vom Bohrgeräte. Der Betrieb der B. kann durch Handarbeit oder durch einen Treibriemen von einer durch Elementarkraft getriebenen Transmissionswelle aus bewirkt werden. Als Werkzeug dient der Bohrer (s. d.), auch die Bohrspitze genannt. Der Bohrer wird in eine Spindel eingesetzt, die beim Bohren in Umlauf versetzt und meistens dabei auch in der Achsenrichtung dem Eindringen des Bohrers entsprechend vorgeschoben wird; nur bei der kleinsten Art läßt man den Vorschub durch das Arbeitsstück bewirken, und die Spindel mit dem Werkzeuge führt nur die Drehung aus.

Eine sehr übliche Einrichtung der B. für Metall ist durch Fig. 1 veranschaulicht; a ist die Bohrspindel mit dem am untern Ende eingesetzten Bohrer. Sie empfängt ihre Drehung durch Vermittelung zweier Winkelräder von der rechts davon angeordneten Stufenscheibe aus; die Schraube am obern Ende der Bohrspindel (die durch einen Zapfen, nicht durch ein Gewinde, mit der Bohrspindel verbunden ist) dient zur Vermittelung des Vorschubes, d. h. der allmählich während der Drehung stattfindenden Abwärtsbewegung des Bohrers, bis das entstehende Loch die erforderliche Tiefe erlangt hat. Zur Erreichung dieses Zweckes ist über die Schraube ein Rad b geschoben, dessen Nabe eine Schraubenmutter bildet; jede Drehung des Rades bewirkt eine geradlinige Auf- oder Abwärtsbewegung der Schraube und somit auch der Bohrspindel. Während des Bohrens wird diese Drehung des Rades b selbstthätig von der Maschine mit Hilfe der kleinen am Rücken des Ständers sichtbaren Stufenscheiben ausgeführt. Die obere derselben empfängt ihre Bewegung unmittelbar von der Antriebswelle aus und überträgt sie durch einen Riemen auf die untere; von dieser wird sie durch eine wagerechte Welle mit Schnecke auf die senkrechte Welle c fortgepflanzt, die sie durch Vermittelung eines an ihrem obern Ende befindlichen Getriebes auf das erwähnte Rad d überträgt. Nach Beendigung des Bohrens schraubt man den Bohrer mittels des am untern Ende von c sitzenden Handrades mit Handgriff aus dem Loch heraus. Das zu bohrende Arbeitsstück wird auf dem eisernen Tische unterhalb der Bohrspindel befestigt, der sich in wagerechter und senkrechter Richtung verstellen läßt.

^[Fig. 1]

^[Fig. 2]

Sollen Löcher an verschiedenen Stellen schwerer Arbeitsstücke gebohrt werden, deren Bewegung einen größern Arbeitsaufwand erheischen würde, so bedient man sich mit Vorteil sog. Kran- oder Radial-^[folgende Seite]