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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bohrminen - Böhtlingk (Arthur)

bohrmaschinen (Fig. 2). Die Bohrspindel ist bei diesen an einem wagerechten Arme angeordnet, die um einen feststehenden Ständer, ähnlich wie der Ausleger eines Krans, im Kreise oder Halbkreise drehbar ist; außerdem läßt sich die Spindel an jenem Arme in wagerechter Richtung verstellen. Man kann solcherart Löcher an beliebigen Stellen bohren, ohne das Arbeitsstück bewegen zu müssen.

Je nach der Härte des zu bohrenden Materials kann man der Spindel einer B. mittels der Stufenscheibe verschiedene Drehgeschwindigkeiten sowie verschiedenen Vorschub erteilen, und zwar ist erfahrungsgemäß die günstigste Umfangsgeschwindigkeit der Bohrspitze:

^[Tabellenanfang]

für Hartguß 5 - 15 mm

Stahl 30 - 40 mm

härteres Gußeisen 35 - 60 mm

weicheres " 60 - 70

Schmiedeeisen 80 - 110 mm

Messing, Bronze 100 - 120 mm

^[Tabellenende]

Der Vorschub beträgt 0,1 (bei Hartguß) bis 0,5 mm (bei Bronze) pro 1 Umdrehung des Bohrers.

Der Wirkungsgrad der einfachen B. (Fig. 1) ist 0,83, der Radialbohrmaschine (Fig. 2) nur 0,59.

Bei den Holzbohrmaschinen, die ebenfalls sowohl durch Handarbeit als durch Elementarkraft betrieben werden können, geschieht die Zuschiebung des Bohrers wegen der Weichheit des Materials in der Regel nicht von der Maschine selbst, sondern durch den Arbeiter, und zwar wird der Bohrer entweder mittels eines Fußtrittes oder, wie bei der in Fig. 3 dargestellten Dreispindelbohrmaschine, durch Handgriffe gegen das Werkstück gedrückt. Die Spindeln der Holzbohrmaschinen rotieren bedeutend rascher als die der Metallbohrmaschinen, und zwar beträgt für hartes Holz die Umfangsgeschwindigkeit des Bohrers 200-350 mm, für weiches 500-5000 mm. Der Vorschub beträgt 0,25 bis 1 mm pro eine Umdrehung des Bohrers.

^[Fig. 3]

Besondere Arten von B. sind die Cylinderbohrmaschine (s. d.), die Langlochbohrmaschine (s. d.) und die Gesteinsbohrmaschine (s. d.).

Bohrminen, im Minenkrieg kleine, in Patronenform vorbereitete Ladungen, für die der Verteidiger von unten her in der Sohle einer Schachtmine des Angreifers vermittelst des Erdbohrers Löcher anbringt.

Bohrmuschel (Pholas), eine Gattung den Bohrwürmern verwandter, doch weniger von der normalen Muschelgestalt abweichender Tiere, die sich in Schlamm, Holz und sogar in ziemlich harte Felsen einbohren und am Ende dieser selbstverfertigten Röhren sitzen bleiben. Die zarten, feinen, mit einem innern löffelförmigen Fortsatze versehenen Schalen sind ziemlich groß, klaffen weit vorn und hinten und sind auf dem Rücken durch zwei freie Schalenstücke vervollständigt, der Mantel bis auf eine vordere, runde Öffnung für den Fuß geschlossen und hinten in eine lange, doppelröhrige Atemröhre verlängert, der Fuß kurz, dick und rund nach vorn gerichtet. Durch beständige drehende Bewegungen der mit feinen Zähnchen und Zacken reihenweise besetzten Schalen, die wie eine Raspel arbeiten, höhlen sie auf mechan. Weise ihre Röhren aus und können auf diese Weise Hafenbauten gefährlich werden. Der Schleim, den sie durch besondere, streifenartig gestellte Zellen am Mantel und an der Atemröhre absondern, leuchtet im Dunkeln. Da die B. sich stets in gewisser Tiefe aufhalten, ermöglichen ihre Bohrlöcher oft die Bestimmung der Lage früherer Strandlinien.

Bohrratsche, Bohrrolle, s. Bohrer (S. 239 a).

Bohrschächte, s. Bergbau (Bd. 2, S. 759 b).

Bohrschwamm (Vioa), s. Kieselschwämme.

Bohrspitze, s. Bohrmaschine.

Bohrturm (für Erdbohrungen), s. Bergbohrer.

Bohrwinde, s. Bohrer (S. 238 b).

Bohrwurm (Teredo), auch Schiffs- oder Pfahlwurm, ist eine der merkwürdigsten Muschelgattungen, mit cylindrischem, 13-16 cm langem Körper, der nach vorn ein Paar gleichsam rudimentäre Schalen trägt, übrigens aber Kalk ausschwitzt und mittels desselben eine lange, in Holz ausgegrabene Röhre ausfüttert, in deren Mitte das Tier durch zwei zugleich am Mantel befestigte Stückchen, die Paletten, befestigt ist. Das Tier endet nach hinten in zwei lange Atemröhren oder Siphonen (s. Muscheln). Das Bohren selbst wird durch äußerst feine Zähnchen bewerkstelligt, welche an den rudimentären Schalen sich finden. Die B. vermehren sich äußerst schnell und kommen in den meisten Meeren vor. Man kennt etwa zehn Arten; die bekannteste Art, Teredo navalis L., greift die ungekupferten Schiffe, Holzdämme u. dgl. an, vermag sie ganz zu durchlöchern und hierdurch großen Schaden anzurichten. Der Kupferbeschlag der Schiffe ist lediglich des B. wegen allgemein eingeführt worden. Die Art ist um 1780 in Holland zuerst beobachtet worden, wo sie durch Zerstörung der Seedämme ganze Provinzen in äußerste Gefahr brachte. Sie ist später seltener geworden, kommt aber immer noch häufig in Venedig, an den holländ., franz. und engl. Küsten sowie im Schwarzen Meere vor. Die Jungen werden in dem Mantel ausgebrütet, besitzen als Larven zwei große, sie deckende Schalen und schwimmen lebhaft mittels eines Wimpersegels umher, um sich eine Wohnstätte an unterseeischem Holz zu suchen, in das sie sich einbohren. Man sucht die Bauhölzer dadurch zu schützen, daß man sie mit kurzen, breitköpfigen Nägeln beschlägt, die sofort im Seewasser rosten und das Holz mit einer Rinde von Rost überziehen, welche der Wurm nicht angreift. (S. vorstehende Abbildung.)

^[Abb.]

Böhtlingk, Arthur, Historiker, Neffe des folgenden, geb. 19. (31.) Mai 1849 zu Petersburg, studierte in Jena, Heidelberg und Berlin, war seit 1876 Docent und Professor an der Universität Jena