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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Boissier - Boito (Arrigo)

ferner "Denkmale der Baukunst am Niederrhein vom 7. bis 13. Jahrh." (ebd. 1831-33, 72 lithographierte Blätter in Folio; neue Ausg. mit franz. Text 1842; mit deutschem Text 1844), "Über den Tempel des heil. Gral" (in den Abhandlungen der Akademie 1834) und "Die Kaiserdalmatika in der Peterskirche zu Rom" (ebd. 1842). Er wurde 1835 zum bayr. Oberbaurat und zum Generalkonservator der plastischen Denkmale des Königreichs ernannt, nahm aber schon nach 1½ Jahren seine Entlassung, um nach dem südl. Frankreich und Italien zu gehen. Seit 1845 lebten beide Brüder in Bonn, um in der Nähe des Kölner Dombaues zu weilen, für welchen sie mit großem Eifer eintraten. Melchior B. starb hier 14. Mai 1851, sein Bruder Sulpiz 2. Mai 1854. Die Biographie und den Briefwechsel des letztern gab seine Witwe u. d. T. "Sulpiz B." (2 Bde., Stuttg. 1862) heraus.

Boissier (spr. bŏassieh), Edmond, schweiz. Botaniker, geb. 25. Mai 1810 in Genf, bereiste mehrfach die Mittelmeergegenden, das südwestl. Asien und Australien. Die Resultate seiner Reisen legte er nieder in den Werken: "Voyage botanique dans le midi de l'Espagne pendant l'anée 1837" (2 Bde. mit 208 Taf., Par. 1839-45) und "Flora orientalis" (5 Bde., Genf 1867-84). Er starb 25. Sept. 1885 zu Valeyres in der Schweiz.

Boissier (spr. bŏassieh), Gaston, franz. Gelehrter, geb. 15. Aug. 1823 zu Nimes, besuchte die Normalschule in Paris, war 1846-56 Lehrer der Rhetorik in Nimes, dann am Lyceum Charlemagne zu Paris und hält seit 1861 am Collège de France, seit 1865 all der Normalschule Vorlesungen über die lat. Litteratur. 1876 wurde er Mitglied der französischen Akademie. B.s Werke beruhen auf einem reichen Wissen und zeichnen sich durch gewandte Darstellung aus. Er schrieb: "Le poète Attius, étude sur la tragédie latine pendant la république" (Par. 1857), "Étude sur la vie et les ouvrages de M. T. Varron" (gekrönt 1859, ebd. 1861), "Cicéron et ses amis, étude sur la société romaine du temps de Césars" (ebd. 1866; neueste Aufl. 1892; deutsch von Döhler, Lpz. 1870), "La religion romaine, d'Auguste aux Antonins" (2 Bde., Par. 1874; 3. Aufl. 1883), "L'opposition sous les Césars" (ebd. 1875; 2. Aufl. 1885), "Promenades archéologiques. Rome et Pompéi" (ebd. 1880; neue Aufl. 1892), "Novelles promenades archéologiques. Horace et Virgile" (ebd. 1886), "Madame de Sévigné" (ebd. 1887), "La fin du paganisme" (2 Bde., ebd. 1891).

Boissieu (spr. bŏassiöh), Jean Jacques de, franz. Kupferstecher und Maler, geb. 1736 zu Lyon, vervollkommnete sich in Italien und Paris namentlich im Kupferstich, lebte meist zu Lyon, wo er 1810 starb. Er stach besonders nach Gemälden von Ruisdael, Dujardin, van de Velde und nach eigenen Zeichnungen in Tusche und Kreide. Sein 124 Blatt umfassendes Werk wurde neu herausgegeben (Par. 1824) von Chaillon-Potrelle.

Boissonade (spr. bŏassonahd), Jean Franç. B. de Fontarabie, franz. Hellenist, geb. 12. Aug. 1774 zu Paris, war während der Revolution längere Zeit Beamter im Ministerium des Auswärtigen, dann 1801 Generalsekretär des Depart. Haute-Marne, entsagte aber dieser Stellung bald, um sich den Wissenschaften zu widmen. Er wurde 1809 zum Adjunkten und 1812 zum Professor der griech. Litteratur an der Pariser Universität ernannt und 1828 an das Collège de France versetzt. B. starb 8. Sept. 1857 zu Passy. Er lieferte größere philol.-kritische Arbeiten, namentlich über spätere griech. Schriftsteller, wie Theophylaktos Symokatta, Michael Psellos, Äneas und Chorikios Gazäos, Pachymeres, Tzetzes u. s. w., ferner Ausgaben von des Marinus "Vita Procli" (Lpz. 1814), des Tiberius Rhetor (Lond. 1815), der "Partitiones" des Herodian (ebd. 1819), der "Narratio amatoria" des Nicetas Eugenianus (2 Bde., Par. 1819), der "Epistolae" des Aristänetus (ebd. 1822), der "Vitae sophistarum" des Eunapius (2 Bde., Amsterd. 1822), der "Epistolae" des Philostratus (Par. u. Lpz. 1842), des "Syntipas" (Par. 1828) und der Fabeln des Babrius (2. Aufl., ebd. 1844). Durch seine "Sylloge poetarum graecorum" (24 Bde., ebd. 1823-33) leistete er den klassischen Studien in Frankreich wesentlichen Vorschub. Wichtig für die byzant. Geschichte und das Studium der griech. Grammatiker sind B.s "Anecdota graeca" (5 Bde., Par. 1829-33) und "Anecdota nova" (ebd. 1844). Auch hat B. mehrere franz. Schriftsteller herausgegeben. Aus seinem Nachlasse erschien noch "Critique littéraire sous le premier Empire" (2 Bde., Par. 1863).

Boissy d'Anglas (spr. bŏassih danglah), Franç. Antoine, Graf von, franz. Staatsmann und Publizist, geb. 8. Dez. 1756 zu St. Jean Chambre im Depart. Ardèche aus prot. Familie. Durch litterar. Arbeiten verschaffte er sich Aufnahme in die Akademien von Nimes und Lyon, bis ihn die Stelle eines Maitre d'Hötel beim Grafen von Provence (Ludwig XVIII.) zeitweilig nach Paris führte. Beim Ausbruch der Revolution ward er von Annonay in die Generalstände gewählt. In der Konstituierenden Nationalversammlung gehörte er zu den gemäßigten Konstitutionellen. Im Konvent stimmte er in dem Prozeß des Königs für Haft und Verbannung, sobald die Sicherheit des Landes diese gestatte. Während der Schreckensherrschaft hielt er sich bis zu Robespierres Sturz zurückgezogen. Dann ward er Mitglied des Wohlfahrtsausschusses, in dem er Mäßigung und Klugheit an den Tag legte. Beauftragt, die Verproviantierung von Paris zu leiten, galt er dem Volke als einer der Urheber der Hungersnot und hatte während der Unruhen vom 12. Germinal und 1. Prairial 1795 einen äußerst schweren Stand. Nachher kam B. in den Rat der Fünfhundert, dessen Präsident er mehrmals war. Dem Direktorium feindlich gesinnt, wurde er des Einverständnisses mit dem monarchistischen Klub Clichy beschuldigt und 18. Fructidor 1797 zur Deportation verurteilt, der er durch Flucht nach England entging. Bonaparte berief ihn zuerst zum Tribunat und dann mit dem Grafentitel in den Senat. Ludwig XVIII. ernannte ihn zum Pair. Nach der zweiten Restauration ward er, weil er während der Hundert Tage in der Pairskammer Platz genommen und von Napoleon den Auftrag zur Organisierung Südfrankreichs angenommen hatte, aus der Pairsliste gestrichen, schon im Aug. 1815 aber wieder aufgenommen; er verteidigte das Wahlgesetz, die Jury, die Preßfreiheit und trat in Opposition gegen die Hofpartei. Seit 1816 war er Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres. B. starb 20. Okt. 1826 zu Paris. Er schrieb: "Essai sur la vie, les écrits et les opinions de M. Malesherbes" (3 Bde., Par. 1819-21) und "Études littéraires et politiques d'un viellard" (6 Bde., ebd. 1825).

Boîte (frz., spr. bŏaht), Schachtel, Büchse, Kasten.

Boito, Arrigo, ital. Komponist und Dichter, geb. 24. Febr. 1842, erhielt seine Ausbildung am