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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bojarin - Bol (Hafenort)

Bojarin (russ.), ein zum Stande der Bojaren (s. d.) Gehöriger.

Bojen oder Tonnen heißen schwimmende Seezeichen, in verankerten Tonnen bestehend, welche ähnlich den Baken (s. d.) dazu bestimmt sind, den Schiffern zur Kennzeichnung des Fahrwassers oder zur Warnung vor Untiefen, Sandbänken oder verborgenen Klippen zu dienen. (S. Betonnung.) Ferner dienen B. zum Befestigen von Schiffen, um diesen das Ankern zu ersparen und heißen dann Festmachebojen; zu diesen zählen die Deviationsbojen, welche da gelegt sind, wo Schiffe zur Bestimmung der Deviation (s. d.) geschwoit (s. Schwoien) werden. Zur Bezeichnung der Lage eines Ankers hat man Ankerbojen (s. d.). Rettungsboje ist ein Korkring oder sonstiger schwimmender Körper, nachts mit unverlöschbarem Licht, welches etwa eine halbe Stunde lang brennt, versehen; dieselbe dient zum Nachwerfen für über Bord gefallene Mannschaften, welche sich daran schwimmend halten sollen, bis sie durch ein Boot gerettet werden.

Bojer (Boji), Name eines kelt. Volks. Bei dem Vordringen der Kelten aus Gallien nach Osten rückten die B. teils am Hercynischen Walde vor und siedelten sich in Böhmen und südlich von der mittlern Donau bis zu den Tiroler Bergen an, teils drangen sie südlich der Alpen vor und nahmen in Oberitalien zwischen dem untern Po und den Apenninen Sitze. Hier hatten sie seit Beginn des 4. Jahrh. v. Chr. Etrusker und Umbrer verdrängt, bewohnten 112 Gaue und hatten Bononia zur Hauptstadt. Sie bestanden, namentlich während des 3. Jahrh. v. Chr., viele Kämpfe mit den Römern, von denen sie erst 291 v. Chr. gänzlich unterworfen wurden. Die B. in Böhmen und an der mittlern Donau hatten noch den Cimbern widerstanden, wichen aber um 60 v. Chr. vor den Sueven, ein Teil von ihnen schloß sich den Helvetiern an und wurde von Cäsar, der ihren Andrang auf Gallien zurückwarf, in dem Gebiete der Aduer zwischen Loire und Allier (58 v. Chr.) angesiedelt. Ein anderer Teil bildete wohl das Volk, welches östlich von den Sitzen der Noriker genannt wird und hier bald danach (um 40 v. Chr.) von den Goten vernichtet ward. Die Deserta Bojorum am Plattensee erinnerte noch lange an ihr Schicksal. Nach Böhmen führte dann Marbod die Markomannen, aber es erhielt sich der Name Bojohemum (Böhmen) bis auf den heutigen Tag.

Bojereep, s. Ankerboje.

Bojken, kleinruss. Volksstamm in Galizien um Przemysl und Zydaczów, zwischen den Quellen des San und der Lomnica, ungefähr 100 000 Seelen in 150 Dörfern. Sie selbst nennen sich Goralen und halten sich für Verwandte der Huzulen. Ihre Hauptbeschäftigung ist Viehzucht und Handel mit ungar. Früchten. Die Frauen spinnen Flachs und Wolle. Die B. zeichnen sich durch Kühnheit und kriegerische Tapferkeit aus. - Vgl. Kopernicki, O Góralach ruskich w Galicij (Krakau 1889).

Böjükdere, Bujukdere, d. h. großes Thal, Hauptort auf der europ. Seite des Bosporus (s. d.), 19 km vom Goldenen Horn, im Hintergrunde einer weiten Bai am Fuße des Kabatasch-(Kara-)Dagh und am Ausgang einer breiten Thalschlucht gelegen, mit schönen Landhäusern, ist beliebter Sommeraufenthalt und Sommerresidenz der russ., österr. und amerik. Botschaft. B. ist der zu Ausflügen am Bosporus am vorteilhaftesten gelegene Platz. Eine Uferstraße führt nach dem 2 km südl. Therapia mit den Sommerpalästen des engl., deutschen, ital. und des franz. Botschafters, letzterer ehemals das Haus Alexander Ypsilantis. Der 1888 vollendete Palast der deutschen Botschaft liegt am Bosporus, am Eingang eines vom Limonbache bewässerten Parkes, einer Schenkung des regierenden Sultans Abd ul-Hamid II.; auf der Höhe des Parkes ein 1889 von der deutschen Kolonie in Konstantinopel errichtetes Moltke-Denkmal.

Bökel, Willem, richtiger Beukelsz, Fischer zu Biervliet im seeländ. Flandern, verbesserte die Methode des Heringseinsalzens (s. Bückling und Pökeln), was B. G. Camberlyns Gedicht "De Bukelingi genio" (Gent 1827) feierte. Er starb wohl 1397 zu Biervliet; sein Grabmal wird noch gezeigt.

Bokelmann, Christ. Ludwig, Genremaler, geb. 4. Febr. 1844 in St. Jürgen bei Bremen, widmete sich anfangs dem Kaufmannsstande, bezog 1868 die Akademie in Düsseldorf und trat dann in das Atelier von W. Sohn. Schon 1873 für das Gemälde "Im Trauerhause" auf der Wiener Weltausstellung prämiiert, betrat er 1875 das sociale Gebiet der rhein. Fabrikstädte, für welches er auch das entsprechende kühle Kolorit und den rücksichtslosen Realismus der Darstellung fand. So zuerst in dem Bilde: Im Leihhause (Galerie zu Stuttgart), namentlich aber in dem epochemachenden Bilde von 1877: Volksbank kurz vor dem Ausbruch des Fallissements. Die eindrucksvolle Charakteristik der Gestalten, verbunden mit moderner Realistik, zu deren frühesten Hauptvertretern er gezählt werden muß, äußerte sich auch weiterhin in den Bildern: Wanderlager vor Weihnachten (1878), Testamentseröffnung (1879; Berliner Nationalgalerie), Wahlkampf (1880), Verhaftung (1881), Abschied der Auswanderer vom heimischen Hofe (1882; Dresdener Galerie), Gerichtsvorsaal (1883), Spielbank von Montecarlo (1884), Dorfbrand (1886) und Nordfriesisches Begräbnis (1888), durch welche B. seine Befähigung in der Wiedergabe der Eigenart aller Gesellschaftsklassen dargethan hat. Im Mai 1893 zum Leiter der Malklasse an der Akademie zu Berlin ernannt, starb er daselbst 14. April 1894.

Boken, eine Vorarbeit der Flachsspinnerei (s. d.).

Boker, Georg Henry, amerik. Dichter, geb. 6. Okt. 1823 in Philadelphia, studierte die Rechte, wurde 1871 Ministerresident in Konstantinopel, 1875 Gesandter in Petersburg, kehrte 1879 nach Philadelphia zurück und starb 2. Jan. 1890. Er veröffentlichte 1847 "The Lesson of Life and other poems", 1848 die erfolgreiche Tragödie "Calaynos", die Dramen "Anna Boleyn" (1850), "Leonor de Guzman" und "Francesca di Rimini" u. a. Seine "Plays and poems" erschienen 1856, die patriotischen "Poems of war" 1864, seine "Sonnets" 1886.

Bokhara, s. Buchara.

Bokkeveld, Name zweier Landschaften in der Division Tulbagh, im W. der Kapkolonie in Südafrika: 1) Das kalte B., in 1200 m Höhe, im O. von der großen Karroo, im W. von den Olifantbergen begrenzt und besonders geeignet zur Viehzucht. 2) Das warme B., südlich vom vorigen, ein reichbewässertes Land mit ergiebigem Acker- und Weinbau. Der Hauptort Ceres (1891) mit 1596 E. dient als Aufenthaltsort für Lungenkranke.

Bökling, s. Bückling.

Bokmühle, s. Flachsspinnerei.

Bol, Thonart, s. Bolus.

Bol, Hafenort auf der Insel Brazza (s. d.).