Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

249

Bol (Ferd.) - Bolechow

Bol, Ferd., holländ. Maler, geb. 1616 zu Dordrecht, gest. 1680 zu Amsterdam, war Schüler Rembrandts und hat sich von der Behandlungsweise dieses Meisters, von der Wärme des Farbentons und der Zartheit des Helldunkels manches anzueignen gewußt. Er behandelte zumeist histor. und biblische Stoffe. Die Dresdener Galerie besitzt von ihm die umfangreichen Gemälde: Ruhe auf der Flucht nach Ägypten (1644), Jakobs Traum von der Himmelsleiter, Jakob von Joseph dem Pharao vorgestellt. Ferner sind zu nennen: Tanz der Salome, Pyrrhus und Fabricius (beide in Amsterdam), Hagar in der Wüste (Wien, Schönbornsche Galerie), Joseph im Gefängnis den Dienern des Pharao Träume deutend (Schwerin, Museum). Auch als Porträtmaler ist er hervorragend; bekannt ist das Bildnis von Rembrandts erster Frau Saskia van Uylenburg (Gemäldegalerie zu Brüssel). Sodann hat er eine Folge geätzter Blätter geliefert, die sehr geschätzt sind: Der Alte mit dem gekräuselten Barte und Die Frau mit der Birne. Neuerdings hat M. Lautner in einem umfangreichen Buch "Wer ist Rembrandt?" (Bresl. 1891) ohne Erfolg nachzuweisen versucht, daß einzelne Hauptwerke Rembrandts (wie u. a. die berühmte Nachtwache, in Amsterdam; Anbetung der Könige, im Buckingham-Palast; Joseph wird von Potiphars Weib verklagt, in Berlin; Heilige Familie, in Petersburg) nicht von diesem, sondern von seinem Lieblingsschüler B. gemalt seien.

Bola. (span.), Kugel.

Bolanden, reichbegütertes Ministerialengeschlecht am Donnersberge, das seit dem Ende des 12. Jahrh. auch in der Reichsgeschichte eine hervorragende Rolle spielt. Werner III. (gest. 1221 oder 1222) erhielt 1212 von Kaiser Friedrich II. die Würde des Reichstruchseß, die dann seinem Hause bis zum Aussterben der Hauptlinie 1386 verblieb. Sein zweiter Sohn Philipp von Hohenfels erhielt außerdem 1246 durch Kaiser Konrad IV. das Reichskämmereramt, das jedoch 1257 auf die von Werners III. Bruder Philipp von Falkenstein (südlich vom Donnersberge) begründete Nebenlinie als erbliches Lehn überging.- Vgl. Köllner, Geschichte der Herrschaft Kirchheim-Bolanden und Stauf (Wiesb. 1854).

Bolanden, Konrad von, Pseudonym von Bos. Eduard Konrad Bischofs (s. d.).

Bolanpaß (Bholanpaß), die das Halagebirge in Belutschistan überschreitende Strecke der großen Heerstraße, die vom nördl. Teile der zur Provinz Pandschab gehörenden Landschaft Sindh über Schikarpur und Dadar nach Belutschistan und Afghanistan führt, somit diese Länder und die pers. Hochebene mit dem untern Gebiete des Indus verbindet. Der Eingang des Passes liegt oberhalb Dadar, unter 29° 30' nördl. Br. und 67° 35' östl. L., 270 m ü. d. M. Die Länge des B. beträgt 96 km, seine mittlere Erhebung 150 m mit je 7,5 km. Sein Ausgang, 1767 m ü. d. M., führt auf das in gleicher Höhe gelegene Plateau Descht-i-Bedaulet. Hier bei dem Orte Quetta (s. d.) teilt sich die Straße in einen südwestlich nach Kelat und in einen nordwestlich nach Kandahar führenden Arm, nachdem sich schon vorher ein Weg von Bibi Rani abgezweigt hat, der durch den Rudbarpaß nach Kelat führt. 1839 passierte eine engl. Armee mit zahlreichem schwerem Geschütz diesen Paß ohne große Mühe in 6 Tagen.

Bolbec, Hauptstadt des Kantons B. (113,84 qkm, 14 Gemeinden, 22 554 E.) im Arrondissement LeHavre des franz. Depart. Seine-Inférieure, an den Linien Paris-Le Havre und Beuzeville-Lillebonne der Franz. Westbahn, anmutig am Abhang eines Hügels, den der Fluß B. bespült, und am Vereinigungspunkt von vier Thälern gelegen, ein gutgebauter und belebter Fabrikort, hat (1891) 10 975, als Gemeinde 12 028 E., einen Gewerberat, Handelskammer, zwei Zeitungen; Baumwollspinnerei und -Druckerei, Kattun- und Wollweberei, Plüsch-, Spitzenfabriken, Färberei und Gerberei sowie Cretonne- oder Leinwandniederlagen. Der Handel mit Baumwoll- und Seidenwaren, Getreide und Mehl, Vieh und Pferden ist beträchtlich. B., schon im 17. Jahrh. ein bedeutender Manufakturort, war im 18. Jahrh. namentlich durch seine Indiennefabrikation und Gerbereien berühmt.

Bolborynchus, s. Dickschnabelsittiche.

Bolchen. 1) Kreis im reichsländischen Bezirk Lothringen, hat 715,14 qkm, (1890) 41 621 E., darunter 130 Militärpersonen, in 100 Gemeinden und zerfällt in die 3 Kantone B., Busendorf und Falkenberg. - 2) B., frz. Boulay, Hauptstadt des Kreises und Kantons B. (227 qkm, 36 Gemeinden, 13 473 E.), 26 km nordöstlich von Metz, unfern der Nied und am Kaltbach, sowie an der Linie Metz-Teterchen der Elsaß-Lothring. Eisenbahnen, Sitz der Kreis- und Kantonsbehörden, hat (1890) 2281 E., darunter 121 Evangelische und 154 Israeliten, Post zweiter Klasse, Telegraph, Amtsgericht (Landgericht Metz), Steueramt, Oberförsterei, kath. Dekanat, Spital; ferner Fabrikation von Stahl- und Lederwaren, Cigarren und Chemikalien, ferner Färbereien, Flanellwebereien, Bierbrauereien, Öl- und Lohmühlen und lebhaften Getreidehandel. - B., eine alte (1184 als Bollei vorkommend), früher befestigte Stadt mit schönem Rathause, hatte bis 1503 eigene Grafen, die in vielfachen Fehden mit Metz lebten, kam dann zu Lothringen und 1766 an Frankreich.

Bolchow. 1) Kreis im russ. Gouvernement Orel, hat 2595,5 qkm, 115 825 E., Ackerbau, Pferde- und Bienenzucht. - 2) Kreisstadt des Kreises B., 58 km nördlich von Orel, an der Mündung der Bolchowka in die Nugrj, hat (1890) 26 165 E., 18 Kirchen, 1 Kloster, Gerbereien (jährlicher Umsatz 530 000 Rubel), Hanfbrechereien und bedeutenden Handel mit Getreide, Hanf, Hanföl, Talg u. s. w. Letztern vermittelt der Okahafen beim Dorf Krutogorje (18 km östlich von B.). - B. bestand schon im 13. Jahrh., bildete früher ein besonderes Fürstentum und war häufigen Überfällen der Tataren ausgesetzt.

Bolde, von Oken in die Wissenschaft eingeführte volkstümliche Benennung für die Falschnetzflügler (s. Geradflügler).

Bolder-Aa, Fluß, s. Aa.

Boldoblätter (Boldu, lat. folia boldo), eine seit neuerer Zeit im Handel bekannte Drogue, die gegen Leberleiden verwendet wird. Die B. sind oval, ganzrandig, lederartig, ziemlich dick, blaßgrün bis aschgrau, kurzgestielt, auf der obern Fläche rauh und mit zahlreichen Öldrüsen besetzt; der Geruch ist angenehm; sie kommen von einem in Chile heimischen Baume, der verschieden genannt wird, nämlich: Boldoa fragrans Gay, Peumus fragrans Mol. und Ruizia fragrans Pav. Die B. besitzen einen kampferartigen Geschmack und enthalten außer ätherischem Öle ein Alkaloid, das Boldin.

Bole, in Schlesien soviel wie Bauern- oder Ackerhufe = 30 Breslauer oder schles. Morgen = 16,803 ha.

Bole, schott. Hohlmaß, s. Boll.

Bolechow, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Dolina in Ostgalizien und klimatischer