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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bolswert - Bolus

schiffbarem Kanal, hat (1839) 5789, als Gemeinde 6001 E., ansehnlichen Handel, Ziegelbrennereien und Töpfereien. Die Hauptzierde ist die got. Martinikirche aus der Mitte des 15. Jahrh., die schönste von ganz Friesland, mit ausgezeichneter Orgel, künstlich geschnittenen Stühlen, Grabsteinen und dem 1823 errichteten Denkmal des hier geborenen fries. Dichters Gijsbert Japiks (gest. 1666). Auch das 1614-18 erbaute Rathaus hat architektonischen Wert. Im Mittelalter war B. Hansestadt und wurde seines Reichtums wegen mehrmals belagert und geplündert. Im Freiheitskampf gegen Spanien war B. 1572 eine der ersten Städte, die ihre Thore den Geusen öffneten.

Bolswert, Boetius van, niederländ. Kupferstecher, geb. 1580 zu Bolsward in Friesland, lebte später zu Antwerpen, wo er einen Kunsthandel begründete und 1634 starb. Er ist besonders bekannt durch seine Stiche Rubensscher Gemälde.

Schelte van B., Bruder des vorigen, geb. 1586 in Bolsward, gest. im Dez. 1659 zu Antwerpen, einer der bedeutendsten Kupferstecher, stach ebenfalls nach Rubens, aber auch nach van Dyck, Jordaens u. a. - Vgl. Hymans, Histoire de la gravure dans l'ecole de Rubens (Brüss. 1879); Rosenberg, Die Rubensstecher (Wien 1888 fg.).

Bölte, Amalie Charl. Elise Mariane (gewöhnlich Amely), Schriftstellerin, geb. 6. Okt. 1811 zu Rehna, schwed. Abkunft, ging 1839 nach England, kehrte 1851 zurück und ließ sich in Dresden nieder. Seit 1879 lebte sie in Wiesbaden, wo sie 16. Nov. 1891 starb. Ihren Ruf als Romanschriftstellerin begründeten gewandte Schilderungen aus dem höhern Gesellschaftsleben Englands: "Erzählungen aus der Mappe einer Deutschen in London" (Lpz. 1848), das "Visitenbuch eines deutschen Arztes in London" (2 Bde., Berl. 1852) und "Eine deutsche Palette in London" (ebd. 1853). Ferner schrieb sie biogr. Romane: "Frau von Staël" (3 Bde., Prag 1859), "Maria Antonia" (ebd. 1860), "Juliane von Krüdener und Kaiser Alexander" (2 Abteil., 6 Bde., Berl. 1861), "Winckelmann" (3 Bde., ebd. 1861) u. a. Ihre Ansichten über die Frauenfrage kommen zum Ausdruck in den Romanen: "Das Forsthaus" (Prag 1864), "Eine gute Versorgung" (2 Tle., Hamb. 1866), "Weiter und weiter" (Jena 1867), "Die Tochter des Obersten" (2 Bde., Wien 1872), "Elisabeth oder eine deutsche Jane Eyre" (2 Bde., ebd. 1872), "Wohin führt es?" (2 Bde., ebd. 1874), "Die Gefallene" (2. Aufl., Lpz. 1884) und in den Novellen "Männer und Frauen" (2 Bde., Dessau 1854), "Liebe und Ehe" (3 Bde., Hamb. 1857). B. gab auch ein "Frauenbrevier" (4. Aufl., Wien 1864) und ein "Neues Frauenbrevier" (2. Aufl., Lpz. 1877) heraus.

Boltenhagen, Dorf im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin, 17 km nördlich von Grevesmühlen, 22 km nordwestlich von Wismar, an der Ostsee, hat (1890) 112 E., Post und Telegraph (im Sommer) sowie ein Kurhaus und ist ein sehr besuchtes Seebad (jährlich etwa 1500 Gäste).

Bolton (B. le Moors, spr. bohlt'n lĭ muhrs), Municipal- und Fabrikstadt in der engl. Grafschaft Lancaster, 16 km nordwestlich von Manchester, ist von Mooren umgeben und wird durch das Flüßchen Croal in Great-Bolton und Little-Bolton geteilt. B. ist seit 1860 wesentlich verschönert, hat (1891) 115 002 E. (d. i. eine Zunahme von 9,1 Proz. gegen 1881), 16 Kirchen, ein Denkmal Cromptons, eine Markthalle, Stadthaus, Börse, Lateinschule, Handwerkerinstitut, Freibibliothek, öffentliche Bäder, Krankenhaus, Park und Theater. Die großartige Industrie der Stadt beruht auf der Baumwollspinnerei, die über 20 000 Arbeiter beschäftigt. Außerdem bestehen Eisengießereien, Maschinenfabriken, Färbereien, Seidenweberei und Bleichereien, Papiermühlen, Seifenfabrikation und in der Nähe bedeutende Kohlenwerke. B. steht durch den 1791 erbauten Boltonkanal mit Manchester, durch 6 Eisenbahnlinien mit allen wichtigen Plätzen der Umgebung in Verbindung. Schon 1337 entwickelte sich in B. durch flamländ. Einwanderer die Tuchfabrikation, um aber später, besonders seit Erfindung der Mulemaschine (s. Spinnerei) durch den in Firwood bei B. geborenen Samuel Crompton, der Baumwollindustrie Platz zu machen. - B. entsendet 2 Abgeordnete ins Parlament.

Boltraffio, Giovanni Antonio, ital. Maler, geb. 1467, gest. 1516, einer der hervorragendsten Schüler Leonardos, dem er in den gewaltigen Formen und in der Farbengebung unter allen Mitstrebenden am nächsten kam. Von seinen jetzt seltenen Werken sind zu erwähnen: Madonna mit Heiligen (im Louvre), Madonna mit dem Kinde (Museum in Bergamo), die Madonnen in der Nationalgalerie zu London und im Museo Poldi-Pezzoli in Mailand, Die heil. Barbara (Museum zu Berlin).

Boltz, Aug. Konstantin, Sprachgelehrter, geb. 26. Sept. 1819 zu Breslau, wurde 1852 Lehrer der russ. Sprache an der Kriegsschule (spätern Kriegsakademie) in Berlin, 1858 noch des spanischen und des Englischen an der Seekadettenschule daselbst; 1862 zum Professor ernannt, legte er 1864 sein Amt nieder. Gegenwärtig lebt B. in Darmstadt. Er hat sich namentlich bekannt gemacht durch seinen "Neuen Lehrgang der russ. Sprache nach der Robertsonschen Methode" (2 Tle., 5. Aufl., Berl. 1880-84), außerdem gab er Lehrbücher des Englischen, Französischen, Italienischen und Spanischen heraus. In der neuern Zeit widmete er seine Thätigkeit namentlich dem Neugriechischen: "Lieder des hellen. Mirza-Schaffy, Athanastos Christópulos" (in Übersetzung, Lpz. 1880; 2. Aufl. 1884), Übersetzungen russ. und neugriech. Novellen, "Die Kyklopen, ein histor. Volk" (Berl. 1885), "Land und Leute in Nord-Euböa" (nach dem Griechischen des Georgios Drosinis, Lpz. 1884), "Die hellen. oder neugriech. Sprache" (Darmst. 1881), "Hellenische Erzählungen" (darunter die beliebte Novelle "Amaryllis" von G. Drosinis, Halle 1887), "Hellenisch, die internationale Gelehrtensprache der Zukunft" (2. Aufl., Lpz. 1890), und viele Artikel in der zu Amsterdam erscheinenden philhellen. Zeitschrift "Hellas".

Bölük (türk.), soviel wie Compagnie und Schwadron; Bölük-Baschi ist soviel wie Compagniechef, indes wird statt dessen etwa seit Mitte des 19. Jahrh. der Ausdruck Jüs-Baschi (Befehlshaber von Hundert, Hauptmann, Kapitän) angewendet.

Bolus, eine feine, gewöhnlich eisenoxydhaltige Thonart, welche sich weich und fettig anfühlt, abfärbt, im Wasser mit Geräusch zerfällt, ohne zu erweichen, einen muscheligen, matten Bruch und verschiedene Farbe hat, je nach der Menge des in ihr enthaltenen Eisenoxyds. Man hat weißen B., der häufig in Deutschland gefunden wird und zur Beseitigung von Fett- und Schmierflecken, zur Verkittung von Gefäßen, als austrocknendes Mittel bei Wunden, zu blutstillenden Umschlägen und an-^[folgende Seite]