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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bombarde - Bombay

Bombarde (frz.), Gattungsname für Geschütze des 14. und 15. Jahrh. aus kurzem Rohr mit trichterförmig nach der Mündung zu sich erweiternder Seele. Die ersten B. waren Kammergeschütze; die Kammer oder Büchse, die das Pulver enthielt, war von dem Geschützrohr trennbar und wurde erst geladen mit demselben vereinigt; später stellte man die B. nur aus einem Stück her. Sie schossen Steinkugeln in flachem Bogen oder schleuderten Steinhagel mit großer Kraft in hohem Bogen; sie wurden nicht nur im Festungskrieg, sondern auch in offener Feldschlacht verwendet. (S. auch Geschütz.)

Bombardement (frz., spr. -mang), s. Festungskrieg.

Bombardier (frz.), ursprünglich Name für die zur Bedienung der Bombarde (s. d.) bestimmten Mannschaften, später für die Bedienungsmannschaften der Wurfgeschütze und schließlich die Bezeichnung einer Charge bei der Artillerie zwischen Unteroffizier und Gemeinem. Letztere hat sich bis in die Mitte des 19. Jahrh. erhalten. In Österreich bildete das 1786 errichtete Bombardierkorps bis zu seiner 1851 erfolgten Auflösung die Pflanzschule für die Offiziere der Artillerie.

Bombardiergaleote, s. Galeote.

Bombardierkäfer (Brachinus), eine artenreiche über die ganze Erde verbreitete Gattung aus der Familie der Laufkäfer. Die dickleibigen Käfer haben zierliche Beine und ein schmales herzförmiges Halsschild, hinten abgestutzte, etwas gewölbte Flügeldecken und einen schmalen Kopf mit kräftigen schnurförmigen Fühlern. Sie leben gesellig unter Steinen und an Baumwurzeln. Ihren Feinden und Verfolgern senden sie mit hörbarem Geräusch aus dem After eine ätzende sich an der Luft schnell in Dampf verwandelnde Flüssigkeit entgegen, welche von besondern Drüsen abgesondert und in einer kontraktilen Blase gesammelt wird. Der in Deutschland vorkommende gewöhnliche B. (Brachinus crepitans L.) ist 1 cm lang, dunkelziegelrot, mit schwarzblauen, feingerieften Flügeldecken und unten an der Hinterbrust schwärzlich.

Bombardon (frz., spr. bongbardóng), ein Blechblasinstrument, früher mit Klappen versehen, jetzt größer gebaut, mit drei oder vier Ventilen, in Form und Klang der Baßtuba ähnlich; die Tuba spricht jedoch in der Tiefe leichter an und klingt besser.

Bombasin (frz., spr. bongbassäng; engl. bombazet, vom lat. bombycinus, "seidenartig"), ursprünglich ein in Oberitalien aus Seide oder aus Seide, Kamelhaar und Baumwolle erzeugtes Köpergewebe, jetzt meist ein in der Art des Merinos gewebter Stoff mit Kette aus Seide und Einschlag aus Kammgarn; außerdem ein ganz aus Kammgarn hergestelltes glattes oder geköpertes Zeug; endlich auch eine Art baumwollenen Futterzeugs.

Bombast (engl., vom mittellat. bombax, d. h. Baumwolle), ursprünglich Zeugstoff zum Auswattieren, dann in übertragener Bedeutung Schwulst des Ausdrucks, hochtönender Wortschwall.

Bombax L., Wollbaum, Pflanzengattung aus der Familie der Malvaceen (s. d.) mit 10 tropischen Arten. Sie zeichnen sich durch ihre holzige, fünffächerige Kapsel aus, in deren Fächern in kurze Wolle eingehüllte Samen liegen. Die Blüten besitzen einen lederartigen Kelch, die Blätter sind gefingert oder bandförmig zerteilt. Es giebt unter den Bombaxarten sehr große und namentlich dickstämmige Bäume. Berühmt ist z. B. Ceiba L., Käsebaum, aus dessen Stämmen die Kariben ihre Kähne aushöhlen. Auch verfertigt man aus den ausgehöhlten Stämmen Tonnen, welche 5-8000 kg Zucker zu fassen vermögen. Es giebt Arten, deren Stamm vollkommen die Form einer Tonne besitzt. Die kurze, bei B. Ceiba grau, bei B. septenatum Jacq. schmutzigweiß, bei B. globosum Aubl. rotgelb gefärbte Samenwolle (Bombaxwolle) dient in Südamerika und Westindien, wo die genannten Bombaxarten einheimisch sind, zur Herstellung von Polstern. In den europ. Handel ist sie als Pflanzendunen oder Ceibawolle gekommen und dient zum Ausstopfen von Betten u. dgl. Von B. malabaricum DC. (Ostindien) wird das Malabargummi gewonnen, welches wie das Arabische Gummi verwendet werden kann, doch in Güte demselben nachsteht. In Deutschland gedeihen die Bombaxarten nur im Warmhause. Sie werden wenig kultiviert, lassen sich übrigens durch Ableger vermehren.

Bombaxwolle, s. Bombax.

Bombay (spr. -beh), engl. verderbt aus dem alten, schon verderbten portug. Namen Bombaim oder Mombaim, heißt mahrattisch Mumba'i (nach der Göttin Mumba, deren Heiligtum bis gegen Mitte des 18. Jahrh. auf der Esplanade von B. stand), indisch jetzt auch Mamba'i oder Bamba'i.

1) Präsidentschaft des brit. Kaiserreichs Indien, umfaßt nach dem Census vom April 1881 (mit Ausnahme der zu ihr gehörenden tributären Vasallenstaaten) 321 463 qkm mit 16 454 414 E., seitdem aber 1888 Sindh der Regierung des Pandschab unterstellt wurde, nur 181 290 qkm mit 13 911 438 E. 1891 wurden gezählt: 18 901 123 E. der eigentlichen Präsidentschaft, 8 059 298 E. in den Staaten und Agentschaften, zusammen 26 960 421, darunter 21 440 991 Hindu, 6 390 995 Mohammedaner, 555 209 Dschain, 76 774 Parsen, 170 009 Christen, 13 547 Israeliten, 311 259 unkultivierte Ureinwohner, 698 Buddhisten, 912 Sikh und 27 andere. B. umfaßt die alten Landschaften Gudschrat, Khandesch, Sattra, Aurangabad, Bidschapur mit Dharwar, Konkan und seit 1861 Nord-Kanara. Administrativ steht diese Präsidentschaft unter einem Gouverneur mit einem ihm zur Seite stehenden Rate für Gesetzgebung und Verwaltung unter Oberaufsicht des Vicekönigs und zerfällt in 4 Divisionen unter Kommissaren, nämlich die nördl. Division mit 7 Distrikten, die centrale mit 7 Distrikten (einschließlich der Stadt B.), das eigentliche B. und die südl. Division mit 5 Distrikten. Die Gesamteinnahmen beliefen sich 1890 auf 129 250 550 M., die Ausgaben auf 69 226 300 M. (die Rupie zu 1,43 M. gerechnet). Die Hauptsprachen sind: Mahratti (von 47,11 Proz. der Bevölkerung gesprochen), Gudschrati (von 18,86 Proz.), Kanaresisch (von 12,77 Proz.) und Hindustani oder Urdu (von 5,3 Proz.); doch wird das Hindustani oder Urdu von den gebildeten und den handeltreibenden Mohammedanern allgemein verstanden und gesprochen. B. besitzt (1890) 11 716 Unterrichtsanstalten mit 591 627 Zöglingen (29 Proz. der schulpflichtigen Knaben und 3¾ Proz. der schulpflichtigen Mädchen). 1890 erschienen 2000 Bücher und Zeitschriften, mehr als die Hälfte in Gudschrati- oder Mahratti-Sprache. Die sehr zahlreichen zu B. gehörenden Vasallenstaaten sind wieder in eine nördl. und in eine südl. Division mit zusammen 20 Agentschaften zerteilt. - Vgl. Murray, Handbook of Bombay Presidency (2. Aufl., Lond. 1881).

2) Die feste Hauptstadt der gleichnamigen Präsidentschaft, nächst Kalkutta der bedeutendste See-^[folgende Seite]