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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bonald (Louis Jacques Maurice de) - Bonaparte (Familie)

Schöpfung und deswegen hat das Wort, durch welches erst das Denken möglich wurde, an sich Beweiskraft; daher will B. ohne psychol. Beobachtungen alles aus Worten und vor allen aus den Worten der göttlichen Offenbarung herleiten. Deswegen wird auch seine ganze Philosophie durch die drei in der Offenbarung begründeten Worte: Ursache, Mittel, Wirkung beherrscht, wobei sich überall die Ursache zum Mittel verhalten soll wie das Mittel zur Wirkung; diese Formel wird auf alle Gebiete der Philosophie angewendet. So ist in der Kosmologie Gott die Ursache, die Bewegung das Mittel, der Körper die Wirkung. In der Staatslehre ist die Regierung die Ursache, die Beamten das Mittel, die Unterthanen die Wirkung. In der Familie treten Vater, Mutter, Kind in dieses Verhältnis. Seine Œvres complètes" erschienen in 12 Bänden (Par. 1817-19). - Vgl. V. de Bonald, De la vie et des écrits du Vicomte de B. (2. Aufl. 1853).

Bonald, Louis Jacques Maurice de, franz. Prälat, Sohn des vorigen, geb. 30. Okt. 1787 zu Millau, erhielt seine Bildung im Seminar von St. Sulpice zu Paris, wurde 1817 Generalvikar und Archidiakonus zu Chartres und darauf Feldprediger des Grafen von Artois. 1823 zum Bischof von Le Puy ernannt, entwickelte er bei dem Streite des hohen Klerus mit der Magistratur (1852) als Organ der ultramontanen Partei Grundsätze von so fanatischer Intoleranz, daß er selbst den Hof gegen sich verstimmte. 1839 wurde er Erzbischof von Lyon und Primas von Gallien und im März l841 Kardinal. Von nun an zeigte er sich als der eifrigste Vertreter des Ultramontanismus. Seine geharnischten Hirtenbriefe über die neue Auflage von Dupins "Manuel du droit ecclésistique" (1860) und über den Entwurf des neuen Unterrichtsgesetzes von Villemain veranlaßten leidenschaftliche Debatten in der Kammer und der Presse. Nach dem Staatsstreiche 2. Dez. 1851 trat B. vermöge seiner Kardinalswürde in den neuen kaiserl. Senat. Er starb 25. Febr. 1870 zu Lyon. - Vgl. Beaumont, Espit de Mgr. de B. (1870).

Bonanza, ein span. Wort, das Prosperität, großes Glück und schönes Wetter bedeutet, wurde von den mexik. Bergleuten zu Anfang 1874 zuerst in Nevada bei Entdeckung der reichen Silberminen (Comstock lodes) in Anwendung gebracht. Seitdem wird es als Bezeichnung für einen außerordentlich reichen Fund gebraucht; Bonanza-Mann, Bonanza-Prinz ist soviel wie ein durch unerwartetes Glück reich gewordener Bergmann und Minenbesitzer, mit der Nebenbedeutung von Emporkömmling.

Bonap., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnungen Abkürzung für Charles Lucien Bonaparte, Fürst von Canino (s. Bonaparte 3 a).

Bona pace (lat.), in (gutem) Frieden, unbekümmert.

Bonaparte oder Buonaparte ist der Name der cors. Familie, aus der die franz. Kaiserdynastie hervorging. Daß sie röm. oder griech. Ursprungs sei, von der gens Ulpia abstamme oder mit dem Kaiserhause der Komnenen verwandt sei, ist unbegründet. In Italien (Florenz, Treviso, San Miniato, Sarzana, auch in Bologna und der Lombardei) finden sich seit dem 12. Jahrh. verschiedene Familien mit diesem Geschlechtsnamen, die besonders in der florentin. Geschichte auftreten. Einen Niccolo B., Edelmann und Professor zu San Miniato im 16. Jahrh., bezeichnet man als den Verfasser der Komödie "La vedova" (Flor. 1568; Par. 1803), und dem Toscaner Giacomo oder Jacopo B. wird das "Ragguaglio storico di tutto l'occorso giorno per giorno nel sacco di Roma dell' anno 1527" (angeblich Köln 1756; französisch, Par. 1809; auch von Ludwig B., Exkönig von Holland, Flor. 1830, herausgegeben) zugeschrieben. Die florentin. Linie B. erlosch 24. Dez. 1799 mit dem Tode des Kanonikus Filippo B. Seit Gabriel B., aus Sarzana kommend, sich 1569 zu Ajaccio niederließ und an den Seezügen gegen die Barbaresken teilnahm, galten die B. als ein Patriciergeschlecht jener Stadt. Der Zusammenang zwischen den verschiedenen B. steht zwar keineswegs fest, doch wurde 1771 von den toscanischen B. die Verwandtschaft mit ihren cors. Namensvettern gerichtlich anerkannt. Mitte des 18. Jahrh. waren noch drei männliche Glieder der Familie B. zu Ajaccio übrig: der Archidiakon Luciano B., dessen Bruder Napoleone (die Urenkel jenes Gabriel B.) und beider Neffe Carlo, der Sohn des frühverstorbenen Giuseppe. Dieser hatte sich 1757 vom Großherzog von Toscana seinen Adel bestätigen lassen, den später auch das franz. Heroldsamt anerkannte. - Vgl. La storia genealogica della famiglia B., scritta da un Samnitiatese (Flor. 1847); Stefani und Baretta, La antichità dei B. (Vened. 1857); Rapetti, Quelques mots sur les origines des B. (Par. 1858); Reumont, Beiträge zur ital. Geschichte, Bd. 4 (Berl. 1855); Leynadier, Histoire de la famille de B. (Par. 1866); Kleinschmidt, Die Eltern und Geschwister Napoleons I. (Berl. 1878); Schlitter, Kaiser Franz I. und die Napoleoniden vom Sturze Napoleons bis zu dessen Tode (Wien 1888).

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Übersicht.

Carlo, vermählt mit Maria Laetitia Ramolino. Kinder:

1) Joseph, vermählt mit Julie Marie Clary. Kinder: a) Zenaide, b. Charlotte.

2) Napoleon I., vermählt mit Josephine Beauharnais, dann mit Marie Luise von Österreich. Sohn zweiter Ehe: Napoleon (II.), Herzog von Reichstadt.

3) Lucian, vermählt mit Christine Boyer. Kinder: a. Charlotte, b. Christine.

In zweiter Ehe vermählt mit Alexandrine de Bleschamp. Kinder: a. Charles, b. Laetitia, c. Jeanne, d. Paul, e. Louis, f. Pierre, g. Antoine, h. Marie, i. Konstanze.

4) Marie Anna (Elisa), vermählt mit Fürst Bacciocchi (s. d.).

5) Ludwig, vermählt mit Hortense Beauharnais. Kinder: a. Charles, b. Napoleon, c. Louis Napoleon (Napoleon III.).

6) Carlotta (Marie Pauline), vermählt mit General Leclerc, dann mit Camillo Fürst von Borghese (s. d.).

7) Annunciata (Karoline), vermählt mit Murat (s. d.).

8) Jérôme (Hieronymus), vermählt mit Elisabeth Patterson. Sohn: Jérôme B. Patterson.

In zweiter Ehe vermählt mit Katharine von Württemberg. Kinder: a. Jérôme, b. Mathilde, c. Napoleon.

In dritter Ehe vermählt mit Giustina Marquise Baldelli.

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Carlo B., geb. 29. März 1746 zu Ajaccio, der Vater des Kaisers Napoleon I., erhielt eine sorgfältige Erziehung, studierte dann zu Pisa die Rechte, verheiratete sich bald nach seiner Rückkehr, im März 1767, mit Lätitia Ramolino und begab sich 1768 mit seiner Familie, darunter sein Oheim Napoleone, nach Corte, um hier den General Paoli (s. d.) im Kampfe gegen die Franzosen zu unterstützen. (S. Corsica.) Nach der Niederlage der Corsen zu Ponte-Nuovo 1769 begleitete B. den Clemente Paoli, Bruder des Generals, nach Niolo, von da nach Vico, um eine neue Erhebung zu beginnen. Als aber die Paoli Corsica verließen, erklärte sich B. für Frankreich. Nachdem die neue Regierung eingerichtet war, verweigerten die Corsen die Steuern, weil sie sämtlich Edelleute zu sein behaupteten. Ludwig XV. ließ 400 cors. Familien als adlige aus-^[folgende Seite]