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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bonaparte (Familie)

Paris mit einem Einkommen von 2 Mill. Frs. 1813 bot Ludwig dem Kaiser von der Schweiz aus wiederholt seine Dienste an, jedoch mit dem Anspruch auf Hollands Herstellung unter einer franz. Dynastie, was jener gar keiner Antwort würdigte. Nach Wiedereinsetzung des Hauses Oranien hielt sich Ludwig aller Verpflichtungen gegen Holland entbunden und ging 1. Jan. 1814 nach Paris; doch besserte sich das Verhältnis der Brüder nicht. Vergebens waren die Ermahnungen zum Frieden, mit denen Ludwig den Kaiser bestürmte; nach dessen Sturz begleitete er die Kaiserin nach Blois; im April begab er sich nach Lausanne und im September nach Rom. Napoleon ernannte ihn 1815 zum Pair von Frankreich und lud ihn nach Paris ein, er lehnte ab und blieb in Rom, wo er sich nachher von seiner Gemahlin trennte. Seit 1826 lebte er in Florenz. Er starb 25. Juli 1846 in Livorno. Ludwig B. war ein durchaus achtungswerter Mann, der die ihm aufgedrungene Krone mit Würde trug und mit Ehren niederlegte. Als Schriftsteller hat er sich mehrfach bekannt gemacht. Sein Roman "Marie, ou les peines de l'amour" (3 Bde., Par. 1808; 2. Aufl. u. d. T. "Marie ou les Hollandaises", 1814) knüpft an eine Jugendliebe an und enthält eine Schilderung der holländ. Sitten, über seine und seines Hauses Verhältnisse, vorzüglich über die Verwaltung Hollands, berichtet er in dem wichtigen Werke "Documents historiques et réflexions sur le gourvernement de la Hollande, par Louis B." (3 Bde., Par. 1820, Lond. 1821). Ferner hat er herausgegeben: "Essai sur la versification" (2 Bde., Rom 1825-26), "Histoire du parlament anglais" (Bd. 1, Par. 1820), "Observations de Louis B., comte de St-Leu, sur le histoire de Napoléon par M. de Norvins" (ebd. 1834), "Réponse à Sir Walter Scott sur son histoire de Napoléon" (ebd. 1829). Vgl. Loosjes, Louis B. De koning van Holland (Amsterd. 1888); L. Wichers, De regeering van Koning Lodewijk Napoleon 1806-10 (Utrecht 1892). Ludwig B. hatte sich 3. Jan. 1802 nach dem Willen seines Bruders und sehr gegen seinen eigenen mit Hortense (s. d.), Tochter des Generals Beauharnais (s. d.) und Josephine, der spätern Gemahlin Napoleons I., vermählt.

Ihre und Ludwig B.s Söhne waren: a. Napoléon Charles, geb. 10. Okt. 1802, gest. 5. März 1807; b. Napoléon Louis, geb. 11. Okt. 1804, nach dem Tode seines ältesten Bruders Kronprinz von Holland, und von Napoleon I. 3. Mai 1809 zum Großherzog von Cleve und Berg ernannt, 10. Nov. 1825 vermählt mit Charlotte, der Tochter seines Oheims Joseph (s. unter 1), lebte längere Zeit in der Schweiz, dann in Florenz, beteiligte sich mit seinem jüngern Bruder 1830-31 an den Bewegungen in Oberitalien, besonders an dem Aufstande Ciro Menottis in der Romagna und starb 17. März 1831 zu Forli (angeblich an den Masern, wahrscheinlich aber infolge einer Verwundung); c. Charles Louis Napoléon, der nachmalige Kaiser Napoleon III. (s. d.).

6) Carlotta B., später Marie Pauline, Gemahlin von Camillo Filippo Ludovico Fürst von Borghese (s. d.).

7) Annunciata B., später Karoline, Gemahlin des Königs Murat (s. d.) von Neapel.

8) Jérôme (Hieronymus) B., geb. 15. Nov. 1784 zu Ajaccio, ward im Collage zu Juilly erzogen, das er nach dem 18. Brumaire verließ, um sich nach kurzem Dienst in der Garde des Konsuls dem Seewesen zu widmen. Als Schiffslieutenant war er 1801 und 1802 bei der Expedition nach Haïti, von wo er mit Depeschen von Leclerc zurückgesendet wurde. Dann segelte er mit einer Fregatte nach Martinique, kreuzte zwischen St. Pierre und Tabago, begab sich, von den Engländern verfolgt, nach Nordamerika, heiratete dort 27. Dez. 1803 die reiche Kaufmannstochter Elisabeth Patterson und kehrte im Mai 1805 nach Frankreich zurück. Hier trennte er sich auf Napoleons Geheiß von seiner Gattin, wurde dann Geschwaderchef und beauftragt mit der Zurückforderung der gefangenen Genuesen vom Dei von Algier. Er befreite 250 und führte darauf unter dem Oberbefehl Willaumez' ein Geschwader nach Martinique, von wo er Ende Aug. 1806 in Frankreich eintraf. Zum franz. Prinzen ernannt, befehligte er mit Vandamme im Kriege gegen Preußen das 10. Armeekorps in Schlesien, zog 6. Jan. 1807 in Breslau ein und belagerte und eroberte mehrere Festungen. Durch den Frieden zu Tilsit erhielt Hieronymus 18. Aug. 1807 das neugeschaffene Königreich Westfalen. Am 1. Jan. 1808 ward ihm in Cassel gehuldigt, wo er nun, mit Prinzessin Katharina von Württemberg vermählt, in üppiger Pracht lebte. Bekannt ist sein täglich wiederholtes "Morgen wieder lustik", so ziemlich die einzigen deutschen Worte, die er sprechen konnte. (Über die Geschichte seiner Regierung s. Westfalen, Königreich.) Im Kriege Napoleons 1809 gegen Österreich nahm Jérôme an dem Einmarsch in Sachsen teil, 1812 kam er als Chef vom 4. Armeekorps nach Polen, lebte mit großem Aufwande zu Warschau, verschuldete durch seine Saumseligkeit, daß sich Bagration 6. Aug. mit Barclay de Tolly vereinigte, und ward daher von Napoleon nach Cassel zurückgeschickt. Seinem Königreiche machte die Schlacht bei Leipzig ein Ende. Schon 30. Sept. 1813 war er durch den russ. General Tschernyschew aus Cassel vertrieben worden, wohin er zwar 17. Okt. zurückkehrte, allein nur um mit den zusammengerafften Kostbarkeiten sogleich nach Paris zu flüchten. Nach dem Pariser Frieden von 1814 verließ er Frankreich, hielt sich in der Schweiz, dann als "Graf Hartz" zu Graz und Anfang 1815 in Triest auf. Bei Napoleons Rückkehr von Elba begab er sich erst in Murats Hauptquartier, hierauf gegen Ende Mai mit seiner Mutter und Kardinal Fesch nach Frankreich, wo ihn Napoleon noch zum Pair ernannte. In den Schlachten von Ligny und Waterloo focht er mit großem persönlichen Mut. Nach Napoleons Abdankung verließ Jérôme Paris 27. Juni 1815 und ging in die Schweiz, dann zu seiner Gemahlin nach Ellwangen, erhielt von seinem Schwiegervater 1. Aug. 1816 den Namen eines Fürsten von Montfort, nahm 1816 seinen Aufenthalt in Österreich, seit Dez. 1819 gewöhnlich in Triest. Von 1827 an lebte er in der Mark Ancona, in Rom, später, aus dem Kirchenstaate verbannt, in Lausanne und endlich meist in Florenz. 1847 reichte er bei der franz. Pairskammer ein Gesuch um Erlaubnis zur Rückkehr ein, das verworfen wurde. Die Deputiertenkammer bestimmte indessen die Regierung, ihm wie seinem Sohne Jérôme den vorläufigen Aufenthalt in Frankreich zu gestatten. Er befand sich daher beim Ausbruch der Februarrevolution in Paris und wurde 23. Dez. 1848 zum Gouverneur der Invaliden, 1. Jan. 1850 zum Marschall ernannt. Nach der Thronbesteigung Napoleons III. (24. Dez. 1852) zum eventuellen Kronerben mit dem Titel eines franz. Prinzen von Geblüt und dem Prädikat Kaiserliche Hoheit erhoben, verbrachte er