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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bonifacius II. (Markgraf von Montferrat) - Bonifatius

dieser Bedingung in die Rückkehr willigte. In den deutschen Wirren unterstützte er (1400) die Absetzung König Wenzels. Um die Kosten eines glänzenden Hofhalts, großartiger Bauten, z. B. der Engelsburg und des Kapitols, maßloser Bereicherung habsüchtiger Verwandten und kostspieliger Kriege zu decken, trieb B. schamlosen Handel mit kirchlichen Ämtern und Pfründen, erhob (1392) die Annaten zu einer regelmäßigen Steuer und beutete den Handel mit Dispensationen und Jubiläums-Ablässen in ärgster Weise aus. Er starb 1. Okt. 1404. - Vgl. Gregorovius, Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter, Bd. 6 (3. Aufl., Stuttg. 1871).

Bonifacius II., Markgraf von Montferrat, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten des vierten Kreuzzugs. Er entstammte einem fürstl. Geschlecht Italiens, das im 12. Jahrh. in Oberitalien zu den mächtigsten Familien gehörte. Die Richtung auf den Orient erhielten die Montferrat durch den Vater B.', Markgraf Wilhelm VI., "den Alten" (1136-88), der um 1130 die Prinzessin Julitta, Stiefschwester des deutschen Königs Konrad III. und Tochter des Herzogs Leopold des Frommen von Österreich, heiratete. Wilhelm begleitete 1147 den König Konrad auf dem zweiten Kreuzzuge und war 30 Jahre lang eine Hauptstütze des Kaisers Friedrich I. in den Kämpfen in der Lombardei. 1183 begab er sich für immer nach Palästina, wo er 1188 starb. An Umsicht, Tapferkeit und Energie glichen ihm seine Söhne, Wilhelm Longaspada (gest. 1179 in Palästina), Konrad, B. und Rainer (gest. 1183).

Seit dem Tode seines Bruders Konrad (1192) war B., der schon damals als ritterlicher Held, verständiger Regent und gewandter Diplomat bekannt war, alleiniger Vertreter der markgräfl. Würde. Er beteiligte sich 1201 am vierten Kreuzzuge und ging gern auf die polit. Pläne der Venetianer ein, die dem Zug die Richtung auf das morsche Reich von Konstantinopel gaben, wo B. persönlich für sich Großes zu gewinnen hoffte. Nach dem Sturz des jungen Kaisers Alexios IV. Angelos 1204 wurde aber nicht B., der zu thatkräftig und zu sehr Ghibelline war, sondern Graf Balduin von Flandern zum "Kaiser von Romanien" gewählt. B. erhielt Macedonien und Griechenland als Königreich Thessalonich (Sept. 1204). Er heiratete Margarete von Ungarn, des Kaisers Isaak II. Angelos Witwe (zweite Ehe). Dann wandte er sich nach Thessalien und Griechenland, um den dort noch sich zeigenden Widerstand zu beseitigen und eine Reihe kleinerer fränk. Vasallenstaaten ins Leben zu rufen. Aber als er bereits Theben, Euböa und Athen gewonnen und (im Mai 1205) den Angriff auf Korinth und Nauplia eröffnet hatte, nötigte ihn die bulgar.-walach. Überflutung des thrac.-macedon. Nordens, vorzeitig nach Thessalonich zurückzukehren, wo Bulgaren und aufständische Rhomäer die Königin Margarete in der Akropolis belagerten. Schnell trieb B. die Feinde zurück; aber in dem nun sich entspinnenden bulgar. Kriege wurde B. im Sommer 1207 in einem kleinen Gefecht bei Mosynopolis durch einen Pfeilschuß getötet.

Bonifaciuspfennige oder Bischofspfennige, auch Rädersteinchen, im Volksmunde die Glieder des sehr langen Stieles eines für den Muschelkalk (s. d.) bezeichnenden Haarsterns, des Eucrinus liliiformis (S. nachstehende Abbildung.) Jedes dieser mühlsteinartig gestalteten Stielglieder hat 0,5 bis 1 cm Durchmesser und ist am Rande seiner obern und untern Gelenkfläche radialstrahlig gekerbt. Die Stiele zerfallen sehr leicht in ihre einzelnen Glieder, die stellenweise das fast ausschließliche Material ganzer Gesteinsbänke bilden (Trochitenkalke, Crinoidenbänke), so in Thüringen, im Braunschweigischen, in Schwaben.

^[Abb.]

Bonifaciusstraße (ital. Stretto di Bonifacio), bei den Römern Fretum Gallicum, die an der engsten Stelle nur 11,4 km breite Meerenge zwischen Corsica und Sardinien. Der heftigen Driftströmung aus dem Tyrrhenischen Meere und der Klippen wegen ist sie schwer zu befahren; doch begünstigen letztere die Korallenfischerei, die nebst Thunfisch- und Austernfang sehr lebhaft betrieben wird. Am östl. Eingänge der Straße liegen mehrere noch von Corsen bewohnte Inseln, zuweilen die Bucinarischen oder Magdaleneninseln genannt (ital. Isolae intermedie, bei den Alten Insulae Caniculariae). Die meisten und umfangreichsten, wie Caprera (s. d.), die befestigte Sta. Maddalena, Sta. Maria, gehören zu Sardinien, Cavallo, Lavezzi und andere zu Corsica. Die Straße hat ihren Namen von der malerisch auf einer Landzunge und einem fast senkrechten Kalkfelsen gelegenen, stark befestigten Stadt Bonifacio im Arrondissement Sartène auf Corsica. Die Stadt ist den heißen Südstürmen ausgesetzt und hat einen tiefen und geräumigen Hafen mit lebhaftem Schiffsverkehr, Post, Telegraph, (1891) 3703 E., Handel und Korallenfischerei. Der Ort wurde 830 von dem Pisaner Bonifacio als Stützpunkt für die Verjagung der Saracenen von Corsica und Sardinien gegründet, spielte in den Kämpfen zwischen Corsen, Pisanern, Genuesen und Aragoniern eine wichtige Rolle und galt noch 1554, wo er nach langer Beschießung den Franzosen und Türken übergeben ward, für die festeste Stadt Corsicas. Zeugen einstigen Glanzes sind die Kirchen Sta. Maria Maggiore, mit schöner Loggia, San Francesco aus dem 14. Jahrh., San Dominico, in got. Stil 1343 beendet, und das um 1300 errichtete Hospital.

Bonifatius (von bonum fari, gute Botschaft bringen) oder Bonifacius, der Heilige, der Apostel der Deutschen, geb. um 680 zu Kirton bei Exeter im südwestl. England, aus edlem angelsächs. Geschlecht, hatte in der Taufe den Namen Winfried erhalten. Nachdem er 13 Jahre in dem Kloster von Exeter gelebt hatte, trat er in das Kloster von Nhutscelle, wo er Rhetorik, Geschichte und Theologie lehrte, und erhielt 710 die Priesterweihe. Er verließ 716 die Heimat, um den Friesen das Christentum zu predigen, aber Kriegsunruhen zwangen ihn zur Rückkehr. Obgleich zum Abt von Nhutscelle gewählt, zog B. schon 718 nach Rom, wo Gregor II. ihn beauftragte, in Deutschland das Christentum und den Gehorsam gegen Rom zu verkündigen. Aber bei den Christen in Thüringen und Franken stießen die röm. Ansprüche auf solchen Widerstand, daß B. sich zunächst wieder den heidn. Friesen zuwandte und erst 722 nach Hessen zurückkehrte, wo er zu Amöneburg und Fritzlar zwei Klöster gründete. Bei einer zweiten Reise nach Rom (722) weihte ihn Gregor II. zum Bischof und gab ihm Empfehlungsbriefe an Karl Martell sowie an alle Fürsten und Bischöfe. So ausgerüstet entfaltete B. eine großartige Thätigkeit in der Christianisierung und zugleich Romanisierung Thüringens und