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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bonifatiusverein - Bonin (Eduard von)

Hessens. 732 überschickte ihm Gregor III. das Pallium und ernannte ihn zum Erzbischof und Primas von ganz Deutschland, mit der Vollmacht, allenthalben, wo er es für zweckmäßig halten würde, Bistümer zu errichten. Bei einer dritten Reise nach Rom, die er 738 unternahm, wurde B. vom Papst zum Legaten des Heiligen Stuhls in Deutschland ernannt. Der Herzog von Bayern gestattete ihm, für Bayern drei Bischöfe zu weihen, und Karl Martells Söhne erlaubten ihm, in Hessen und Thüringen die Bistümer Würzburg, Buraburg, Eichstatt und Erfurt zu errichten und auf mehrern Synoden die fränk. Kirche zu reformieren und der röm. Oberhoheit zu unterwerfen (742-45). Indessen wurde weder der Widerstand der iro-schott. Mission ganz gebrochen, noch setzte B. die röm. Ansprüche völlig durch. Als der Papst ihn z. B. auf seinen Wunsch zum Erzbischof von Köln ernannte, verwarf dies Pippin und gab ihm Mainz statt Köln. Ob B. an der Krönung Pippins Anteil hatte, ist nicht gewiß. Nach Stiftung der Abtei Fulda und nachdem er seinen Schüler Lullus zum Nachfolger bezeichnet hatte, unternahm er 754 eine neue Reise zur Bekehrung der Friesen, auf welcher er bei Dokkum 5. Juni 755 nebst seinen Begleitern erschlagen ward. Seinen Leichnam brachte man nach Utrecht, später nach Mainz und zuletzt nach Fulda. Noch werden in der Abtei daselbst eine von ihm gefertigte Abschrift der Evangelien und ein mit seinem Blute gefärbtes Blatt gezeigt. Da, wo B. 724 die erste christl. Kirche im nördl. Deutschland erbaut haben soll, im Thüringerwalde bei dem Dorfe Altenberga (s. d.), ist ihm 1811 ein Denkmal errichtet worden; im Aug. 1842 auch eins in Fulda. Seine "Epistolae" hat am vollständigsten Würdtwein (Mainz 1789) und Jaffé (im 3. Bde. der "Biblioteca rerum germanicarum", Berl. 1866), in deutscher Übersetzung Külb ("Sammlung der vorzüglichsten mystischen Schriften", 19. u. 20. Bd., Regensb. 1859), seine "Opera omnia" Giles (2 Bde., Oxford 1845) herausgegeben. - Die älteste Biographie des B. schrieb kurz nach seinem Tode der Mainzer Priester Willibald: "Vita sancti Bonifatii" (abgedruckt im 2. Bde. der "Monumenta Germaniae historica"; neue Ausg. von Jaffé, Berl. 1866; ins Deutsche übersetzt von Bonnell, ebd. 1856). - Vgl. Rettberg, Kirchengeschichte Deutschlands, Bd. 1 u. 2 (Gött. 1845-47); Seiters, Bonifacius, der Apostel der Deutschen (Mainz 1845); Müller, B. Ene kerkhistorische studie (2 Bde., Amsterd. 1869-70); Aug. Werner, Bonifacius, Apostel der Deutschen, und die Romanisierung von Mitteleuropa (Lpz. 1875); Otto Fischer, Bonifatius (ebd. 1881); Ebrard, Bonifacius, der Zerstörer des columbanischen Kirchentums auf dem Festlande (Gütersloh 1882); Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands, Bd. 1 (Lpz. 1887); Woelbing, Die mittelalterlichen Lebensbeschreibungen des B., ihrem Inhalte nach untersucht, verglichen und erläutert (ebd. 1893).

Bonifatiusverein, ein 1849 auf der Generalversammlung des Piusvereins (s. d.) zu Regensburg hauptsächlich durch den Grafen Joseph von Stolberg gestifteter Verein zur Gründung und Unterhaltung von kath. Kirchen und Schulen in vorwiegend prot. Gegenden Deutschlands. Er ist über fast ganz Deutschland verbreitet. Seine jährliche Einnahme beträgt etwa 500 000 M. Der Generalvorstand hat seinen Sitz in Paderborn.

Bonifazio, nach neuern Forschungen Name dreier ital. Maler in der ersten Hälfte des 16. Jahrh. Die ältern beiden stammen aus Verona, der dritte jüngere ist vermutlich der Sohn des einen oder des andern gewesen. Sie zählen zu den großen Koloristen Venedigs.

B. I., gest. 1540 in Verona, nahm seinen Ausgang von der Kunst Giorgiones. In der genreartigen Auffassung heiliger Geschichten war er ein Vorgänger Paolo Veroneses. Seine schönsten Werke sind eine Anzahl "sante conversazioni", Darstellungen der heiligen Familie mit Heiligen (in der Ambrosiana in Mailand, in der Galerie Colonna zu Rom, im Palazzo Pitti zu Florenz, in Dresden, in Stuttgart). Sein berühmtestes Werk ist das Gastmahl des Reichen (Akademie in Venedig); außerdem Findung des Moses (Brera in Mailand, Dresdener Galerie).

B. II., gest. 1553 in Venedig, steht dem vorigen nahe, ja scheint wiederholt mit demselben gearbeitet zu haben. Stärker vielleicht als Giorgiones Einfluß macht sich der Palmas bei ihm geltend. Seine Farbe ist nicht so goldig und reich wie die B.s I. Von seinen Werken sind hervorzuheben: Maria mit dem Kinde von Heiligen umgeben, Verkündigung Maria, Triumph der Liebe nach Petrarcas "I Trionfi" (sämtlich im Hofmuseum zu Wien), Anbetung der heil. drei Könige (Akademie in Venedig; Brera in Mailand), das Gastmahl zu Emmaus (Brera in Mailand), Thronender Christus (Akademie in Venedig), Heimkehr des verlorenen Sohnes (Galerie Borghese in Rom), Anbetung der Hirten (Galerie in Dresden).

B. III., der noch 1579 thätig war, ist breiter, aber auch leerer als seine Vorbilder, und bestrebt sich, Tizian nachzueifern. Eine Reihe von Heiligenfiguren befinden sich in den Akademien zu Venedig und Wien; das große Gemälde: Auferweckung des Lazarus, befindet sich in der Dresdener Galerie; ebenda: Maria mit dem Christkind und der heil. Katharina.

Bonifikation (lat.), Vergütung, Entschädigung, namentlich im Zoll- und Steuerwesen diejenige, welche als Rückvergütung für wieder ausgeführte Waren gewährt wird (s. Exportbonifikation); bonifizieren, vergüten, entschädigen.

Boni homines (lat.; frz. Bons hommes, d. h. gute Leute), Beiname des engl. Ordens der Sackbrüder (gestiftet 1259 durch Prinz Edmund), der Mönche von Grandmont, der franz. Minimen, auch der Waldenser, Albigenser und anderer Sekten.

Boniment (frz., spr. -mang), marktschreierische Rede, um Publikum herbeizulocken.

Bonin, Adolf von, preuß. General der Infanterie, geb. 11. Nov. 1803, trat 1821 in die Armee und wurde 1838, noch als Premierlieutenant, zum Flügeladjutanten des Königs ernannt. Nachdem er 1858 zum Generallieutenant und Generaladjutanten des Königs aufgestiegen, wurde er 1863 kommandierender General des 1. Armeekorps (Königsberg) und 1864 General der Infanterie. 1866 wurde sein Armeekorps, welches der Armee des preuß. Kronprinzen zugeteilt war, 27. Juni bei Trautenau von Feldmarschalllieutenant von Gablenz geschlagen und zum Rückzuge in das schles. Gebirge genötigt. Nach dem Frieden wurde B. kommandierender General der preuß. Truppen in Sachsen und Gouverneur von Dresden, bis 28. Mai 1867. Am 17. Aug. 1870 wurde er zum Generalgouverneur von Lothringen ernannt. Im März 1871 trat er in sein früheres Verhältnis als dienstthuender Generaladjutant des Königs und Präses der General-Ordenskommission zurück und starb 16. April 1872 in Berlin.

Bonin, Eduard von, preuß. General der Infanterie, geb. 7. März 1793 zu Stolp, trat 1806