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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Bonnivard - Bonpland

kassenverein; Seidenzwirnerei und -Färberei (500 Arbeiter) und Weinbau. Der Ort, 793 zuerst genannt, wurde im 11. Jahrh. Stadt. Von der Burg der Ganerben, welche 1525 im Bauernkrieg zerstört wurde, findet sich noch ein Turm und Mauern vor.

Bonnivard (spr.-wahr), François von, Staatsmann, geb. 1496 zu Genf, wo er 1514 das Priorat zu St. Victor erhielt, wurde als unerschütterlicher Verteidiger der Unabhängigkeit Genfs gegen den Druck der Bischöfe und der Herzöge von Savoyen 1519 auf Befehl des Herzogs Karl III. gefangen und erst nach zweijähriger Haft infolge päpstl. Verwendung freigegeben, jedoch 1530 abermals aufgegriffen und im Schlosse Chillon am Genfersee in einen unterirdischen Kerker geworfen. Am 29. März 1536 wurde Chillon durch die Berner, die Befreier Genfs, eingenommen, und B. mit seinen Leidensgefährten im Triumph nach Genf zurückgeführt, wo er eine Pension erhielt und Ende 1570 starb. Seine Bibliothek hatte er 1551 der Stadt vermacht. Er schrieb "Les Chroniques de Genève" (hg. von Dunant, Genf 1831) und "De l'ancienne et nouvelle police de Genève" (hg. Genf 1845). Durch Byrons Gedicht "The Prisoner of Chillon" ist sein Name verherrlicht worden. - Vgl. Merle d'Aubigné, Geschichte der Reformation, Bd. 1 (deutsch, Elberf. 1863).

Bonny, Arm des Niger, s. Niger und Ölflüsse.

Bononcini, s. Buononcini.

Bononi, Carlo, ital. Maler, geb. 1569 zu Ferrara, gest. 1632, bildete sich an den Hauptwerken in Rom, Venedig, Parma und Bologna zu hoher Meisterschaft aus und wurde der bedeutendste Maler Ferraras seiner Zeit. Seine Hauptwerke sind: die Fresken in Sta. Maria in Vado, Der Auferstandene von Benediktinern verehrt in San Benedetto, Die Hochzeit zu Kana und Der heil. Antonius von Padua in der Pinakothek zu Ferrara. Andere Bilder sind in Ravenna (das Abendmahl im Dom), in der Brera zu Mailand und in Modena.

Bononia, alter Name von Bologna und von Boulogne-sur-Mer.

Bonorum cessio (lat.), s. Cessio bonorum.

Bonorum possesio (lat.) heißt im röm. Rechte diejenige rechtliche Stellung, welche der Prätor (s. d.) einer Person, die nach dem strengen Rechte Erbe nicht werden konnte, gewährte. Damit war der Kreis der Berufenen erweitert. Zugleich eröffnete der Prätor die B. p. denjenigen, welche ein wirkliches Erbrecht hatten, sodaß die Reihenfolge der Berufenen einheitlich festgestellt war. Schon zur Kaiserzeit ist die Bedeutung der B. p. wesentlich abgeschwächt, weil diejenigen Personen (insbesondere die Kognaten und der Ehegatte), welche früher nur auf dem Wege der B. p. zur Erbfolge gelangen konnten, kraft des Gesetzes Erbrecht hatten; auch sind die Unterschiede zwischen der rechtlichen Stellung des bonorum possessor und des Erben fast völlig ausgeglichen. Verschieden war aber noch die Art, wie die Erbschaft erworben wurde. Namhafte Rechtslehrer sind der Ansicht, daß auch diese Unterscheidung im heutigen gemeinen Rechte nicht mehr in Betracht komme. In gewissen Fällen, in welchen der Prätor nur vorläufig in den Besitz einwies, sprechen die Quellen des röm. Rechts noch von B. p., aber auch von missio in possessionem, d. h. von Inbesitzsetzung. So z. B. wenn der als Erbe Berufene noch nicht geboren ist, oder im Falle des Carbonianum edictum (s. d.). In diesen Fällen erging nach vorgängiger Prüfung eine besondere Verfügung des Prätors; man spricht alsdann von B. p. decretalis gegenüber der B. p. edictalis. Für diese Fälle, in welchen die wirkliche Erbberechtigung noch in Frage bleibt, ist der Unterschied im gemeinen Rechte noch von Bedeutung. Die B. p. contra tabulas testamenti, d. h. die Erbschaftseinweisung durch den Prätor für den Fall der Übergehung von Kindern des Erblassers, dürfte ebenfalls nur noch der Rechtsgeschichte angehören.

Bonorva, Stadt auf Sardinien im Kreis Alghero der ital. Provinz Sassari, in 478 m Höhe, am Abhange des Berges San Simeon und an der Linie Cagliari-Golfo Aranci der Sardin. Eisenbahn, hat (1881) 6015, als Gemeinde 6116 E., Post, Telegraph, Ackerbau und Viehzucht; in der Umgebung erloschene Vulkane und zwei kalk- und magnesiahaltige Schwefelquellen.

Bonpl., bei naturwissenschaftlichen Bezeichnungen Abkürzung für Aimé Bonpland (s. d.).

Bonpland (spr. bongpláng), Aimé, franz. Naturforscher, geb. 22. Aug. 1773 zu La Rochelle, begleitete als Zögling der Arzneischule und des Botanischen Gartens zu Paris 1799 A. von Humboldt nach Amerika und sammelte dort über 6000 Pflanzenarten, von denen 3500 noch gar nicht beschrieben waren. Nach seiner Rückkehr ward er 1804 Vorstand der Gärten zu Navarre und Malmaison, die er in der "Description des plantes rares cultivées à Navarre et à Malmaison" (11 Lfgn., Par. 1813-17, mit 66 Kupfertafeln) beschrieb. Gleichzeitig gab er noch zwei auf seine Reisen mit Humboldt bezügliche Werke heraus, die "Plantes équinoxiales récueillies au Mexique etc." (2 Bde., Par. 1808-9, mit 144 Abbildungen) und die "Monographie des Mélastomacées etc." (2 Bde., ebd. 1809-16, mit 120 Kupfertafeln). B.s anderweitige botan. Materialien sind von Kunth benutzt in den "Nova genera et species plantarum" (7 Bde. mit über 700 Tafeln, Par. 1815 fg.). Für ein aus den Doubletten der mit Humboldt gesammelten Pflanzen hergestelltes und dem Jardin des Plantes überlassenes Herbarium empfing B. von der franz. Regierung ein Jahrgehalt von 3000 Frs. 1816 begab sich B. nach Buenos-Aires, wo man ihn 1818 zum Professor der Naturgeschichte ernannte. Dort unternahm er eine Untersuchungsreise den Parana hinauf in das Innere von Paraguay, wurde aber Dez. 1821 zu Santa Ana am östl. Ufer des Parana, wo er Theepflanzungen angelegt und eine Kolonie von Indianern gegründet hatte, von 800 Soldaten des Diktators von Paraguay, Dr. Francia, auf dem Gebiete von Buenos-Aires überfallen und, nachdem diese die Theepflanzungen zerstört hatten, mit den meisten Indianern gefangen nach Paraguay abgeführt. Dr. Francia schickte B. zunächst als Garnisonarzt in ein Fort und beauftragte ihn dann mit der Anlegung eines Handelswegs. Seine Gefangenschaft hatte keinen andern Grund als den, daß Francia die Anpflanzung des Maté- oder Paraguaythees in Buenos-Aires verhindern wollte. Erst 1829 erhielt B. seine Freiheit wieder, worauf er sich nach Buenos-Aires wendete. Bald aber ging er nach Brasilien, an dessen äußerster Grenze, zu Santa Borja am Uruguay, er sich niederließ. Später kehrte er nach Paraguay zurück, wohnte schließlich in der Estancia de Santa Ana in der argent. Provinz Corrientes, wo er teils durch einen Kramladen, teils als praktischer Arzt sein Leben fristete. Er starb daselbst 4. Mai 1858. Eine Biographie B.s schrieb Brunel (3. Aufl., Par. 1872). -