Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

304

Bordeaux (Herzog von) - Bördeln

tum erhielt, wurde sie Sitz eines glänzenden Hofs. Unter Richard II. trat B. 1379 gegen die Angriffe der Franzosen mit Erfolg an die Spitze eines Bündnisses der Städte von Bordelais, mußte aber 23. Juni 1451 mit Karl VII. kapitulieren und 1453, weil es im Okt. 1452 den Engländern die Thore wieder geöffnet hatte, auf seine Privilegien verzichten, die es jedoch meist zurückerhielt. Es behielt seine Stadtverwaltung (jurats), wurde Sitz eines Parlaments und die thatsächliche Hauptstadt des franz. Südwestens; auch sein Handel, dessen Hauptziel stets England gewesen, wurde im Frieden wieder eröffnet. Als sich 1548 die Stadt wegen Einführung der Salztaxe empörte und der Gouverneur de Moneins ermordet wurde, nahm der Connétable Montmorency strenge Rache an den Bewohnern. Vom 3. bis 5. Okt. 1572 wiederholte hier der Gouverneur Montferrand die Greuel der Bartholomäusnacht, wobei 2500 Menschen umkamen. Während der ersten Revolution war B. der Hauptsitz der Girondisten, welche sich hier konstituierten. Infolgedessen hatte es von dem Konvent viel zu leiden. Unter Napoleon I. machte der Druck des Kontinentalsystems, dem der Handel B.' unterlag, die Einwohner der Regierung abgeneigt, weshalb sie sich schon 12. März 1814 für die Bourbons erklärten. Als Anerkennung der allezeit getreuen Gesinnungen der "guten" Stadt legte Ludwig XVIII. dem Sohne des Herzogs von Berry, dem spätern Grafen von Chambord (s. d.), den Titel eines Herzogs von B. bei. 1845 verheerte eine große Feuersbrunst den nordwestl. Teil der Stadt. Am 10. Dez. 1870 siedelte die Delegation der franz. Regierung vor den vordringenden deutschen Heeren von Tours nach B. über. Am 12. Febr. 1871 trat daselbst die Nationalversammlung zusammen, wählte 17. Febr. Thiers zum Chef der Exekutive und beschloß 10. März ihre Verlegung nach Versailles. Im Mittelalter sind viele Konzile in B. gehalten worden; eins der wichtigsten 1080, wo Berengar von Tours seinen Glauben abschwor. - Vgl. O'Neilly, Histoire complète de B. (2. Aufl., 6 Bde., Bordeaux 1863); Joanne, B., Arcachon, Soulac-les Bains (Par. 1884); H. Durand, Commerce et industrie de B. (im "Bulletin de la Société de géographie commerciale de B.", 1888, 1889); Sourget, Documents relatifs au port de B. (Bordeaux 1889); Joanne, Bordeaux (Par. 1888).

Bordeaux (spr. -doh), Herzog von, s. Chambord, Graf von.

Bordeauxweine heißen im engern Sinne die in der Umgegend der Stadt Bordeaux, im weitern Sinne alle im Depart. Gironde oder in der Landschaft Guyenne erzeugten Weine. Sie zeichnen sich durch Geist, vollen Geschmack, angenehmes Bouquet, Gerbstoffgehalt aus, sind magenstärkend und ohne Schaden in größern Mengen genießbar, da sie den Kopf nicht einnehmen. Dieser Vorzüge wegen sind sie als "Weltweine" allgemein bekannt und beliebt. Die B., die im 18. Jahrh. in Deutschland unter dem Namen Pontak getrunken wurden, haben jetzt folgende speciellere Bezeichnungen, die teils von Ortsnamen, teils von der betreffenden Bodenbeschaffenheit herrühren: Côtes (Hügel), gedeihen auf den Höhen, die sich von Langon bis Blaye an den rechten Ufern der Garonne, Dordogne und Gironde hinziehen; Graves (Kies, Geröll), wachsen auf der Kieselschicht der linken Ufer der Garonne und Gironde; Palus (Sumpf), meist nur rote Weine, werden auf dem fetten Schwemmlande der Stromufer erbaut; Entre-deux-mers kommen von dem zwischen Garonne und Dordogne legenden Landstriche; St. Emilions, von dem Plateau um St. Emilion; Médocs, nach dem Landstriche Médoc genannt, der sich von Bordeaux am linken Garonne- und Gironde-Ufer bis zum Meere hinzieht. Die Medocs, welche die besten roten B. umfassen, sind zuletzt 1855 durch die Weinmakler von Bordeaux nach Qualität und Preis in allgemein gültige Klassen eingeteilt worden, und zwar zunächst in fünf Klassen von Hochgewächsen (crûs classés), denen sich die Bürgerweine (gute Mittelsorten) und Bauernweine (geringere Sorten) anschließen. Die vier Hochgewächse der ersten Klasse sind: Lafitte, leicht, fein und sanft; Château Margaux, ebenfalls fein und leicht, mit viel Bouquet; Latour, voll, weniger sanft, und Haut-Brion, voll und herb. Der aus 25 Jahren genommene Durchschnittsertrag dieser vier Sorten ist 138, 128, 86 und 26 t à 912 l. Zur zweiten Klasse gehören: Château Brane Mouton, Rauzan, Léoville, Larose, Ducru, Durfort, Pichon-Longueville, Lascombe. Die besten weißen B. gedeihen in den Distrikten Sauternes, Bommes, Barsac und Preignac, welche sämtlich stromaufwärts von Bordeaux am linken Garonne-Ufer gelegen sind. Das erste Hochgewächs von Sauternes ist Château Yquem. Sehr fein sind ferner: Latour blanche, Château Peyraguey, Vigneau, Coutet, Climenz, Rieussec, Bayle, Rabaut, und von zweiten Hochgewächsen: Château Mirat, Doisy, D'Arches, Château Filhot u. s. w. Von der jährlichen Gesamtproduktion von 2 500 000 hl werden zwei Drittel ausgeführt, ein Sechstel wird im Lande selbst konsumiert, ein Sechstel zu Cognac verarbeitet. Der Wert einer Durchschnittsernte beträgt etwa 175 Mill. Frs. Die B. bedürfen ein Lager von wenigstens 1½ Jahren, viele Sorten bis 5 und mehr Jahre, wozu noch ein Flaschenlager von ½ Jahr kommt, wobei sich der für die B. charakteristische Bodensatz bildet. Heutzutage ist es schwer, reine B., namentlich mittlere und geringere Sorten, zu bekommen, da infolge der von der Reblaus angerichteten Verheerungen die Produktion den Bedarf nicht mehr deckt; es werden, um der Nachfrage zu genügen, sowohl minderwertige südfranz. Weine (Midi-Weine) als auch span. und ital. Weine durch Verschneiden in B. umgewandelt (s. Bordeaux, Handel). In England werden die B. mit Claret (s. d.) bezeichnet. - Vgl. Danflou, Les grands crûs (Bordeaux 1867); Franck, Traité sur les vins du Médoc (Par. 1869); Valet, Guide du consommateur de vin de Bordeaux (Bordeaux 1869); Prom, Notice sur les vins de Bordeaux (Toulouse 1871); Cocks und Féret, Bordeaux et ses vins (4. Aufl., Bordeaux u. Par. 1881); Hamm, Das Weinbuch (3. Aufl., bearbeitet von Frhrn. A. von Babo, Lpz. 1886).

Bordelais (spr. -d'läh), franz. Landschaft, s. Bordeaux.

Bordelaise (spr. -d'lähs'), franz. Weinmaß, s. Barrique.

Bördeleisen, ein bei der Blechbearbeitung (s. d., S. 106 b) benutztes Werkzeug zum Umbördeln des Randes bogenförmig begrenzter Scheiben, das im allgemeinen dem Umschlageisen (s. d.) gleicht, aber nicht wie dieses eine gerade, sondern eine bogenförmige Arbeitskante besitzt.

Bordell, s. Prostitution.

Bördelmaschine, s. Blechbearbeitung (S. 106 b).

Bördeln, Aufbiegen eines Randes an bogenförmig begrenzten Blechstücken, s. Blechbearbeitung.